Der ehemalige Fußballtrainer, der im Jugendbereich in Bayreuth aktiv war, hatte dieses Amt ausgenutzt, um einen 13-Jährigen bei einer Massage unsittlich zu berühren. Außerdem hatte er den Buben via WhatsApp dazu aufgefordert, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. Die Quittung bekam er am Dienstag am Landgericht Bayreuth: Richter Alois Meixner verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Die genauen Zeitpunkte der Taten sind nicht bekannt. Angeklagt waren zunächst fünf Fälle, die sich in der zweiten Jahreshälfte 2016 in einem Bayreuther Sportheim zutrugen. Dort massierte er den nach einem Fußballspiel lädierten Oberschenkel des 13-Jährigen und berührte dabei bewusst dessen Penis, um sich sexuell zu erregen. Das Alter des Opfers war ihm bekannt, hieß es in der Anklageschrift.


Anweisung per WhatsApp

Eines weiteren Vergehens machte sich der Student eine Woche vor Weihnachten 2016 schuldig, indem er den Jungen am frühen Nachmittag via Smartphone dazu aufforderte, zu masturbieren. Die Anweisung "...mach' die Augen zu denk an das geilste was du dir ... vorstellen kannst auch wenns richtig versaut ist... wirst sehn danach bisd wieder richtig gut drauf" hatten die Ermittlungsbeamten unter anderem aus der ansonsten nicht druckreifen WhatsApp-Kommunikation des Angeklagten gesichert. Tatsächlich befriedigte sich der 13-Jährige, so wie es von dem 27-Jährigen beabsichtigt war.

Staatsanwalt Holger Gebhardt warf dem jungen Mann deshalb sexuellen Missbrauch eines Kindes in sechs Fällen vor.

Eloquent und so ausschweifend, dass dem Vorsitzenden der Geduldsfaden zu reißen schien, schilderte der Angeklagte seine Trainerlaufbahn und dass es durch Nachhilfeunterricht zu einem engeren Verhältnis kam. "Ich merkte, dass der Junge Probleme in der Schule hatte, die ihn daran hindern könnten, in eine höhere Mannschaft aufzusteigen", begründete er seine Fürsorge. Die ging dann aber wesentlich zu weit, als der 13-Jährige bei einem Spiel einen Schlag auf den Oberschenkel abbekam. Deshalb bot ihm der Trainer eine Massage an, das Vorgehen dabei demonstrierte er dem Richter detailliert - allerdings mit einer Lüge: "Ich bin mir sehr sicher, dass ich die Genitalien nicht berührt habe. Wenn, dann höchstens für den Bruchteil einer Sekunde, was ich aber nicht bemerkte. Warum er das anders sagt, kann ich mir nicht erklären."


Richter glaubt Story nicht

Die schmutzige WhatsApp-Nachricht räumte der Angeklagte reumütig ein, wies jedoch die Absicht, sich daran sexuell ergötzen zu wollen, weit von sich: "Ich habe das als Problemlösung gesehen. Da schüttet man Endorphine aus, baut Stress ab. Ich bereue das, ich wollte ihm nur helfen. Wie dämlich muss ich damals gewesen sein."

Richter Meixner ("Da fällt einem nichts mehr ein") nahm dem 27-Jährigen die Story nicht ab. Er verwies darauf, dass die WhatsApp-Nachrichten einen ganzen Leitz-Ordner füllen und dies "keine einmalige Geschichte" gewesen sei. "Das ist ein Hammer, ein absolutes No-Go, sich als Trainer so zu verhalten", wetterte Meixner.


Peinliche Aussage erspart

Erst, als der Richter verdeutlichte, unter welcher psychischen Belastung das Opfer leidet - der Junge wäre in einer Videokonferenz vernommen worden - und darauf hinwies, dass man mit einem Geständnis "Punkte machen kann", entschloss sich der Angeklagte, sein Verhalten zu ändern und seinem ehemaligen Schützling die peinliche Aussage zu ersparen. Er gab zwei Fälle im Zusammenhang mit der Massage zu, wobei auch herauskam, dass er sich in psychologischer Behandlung befindet und bereits über 40 Therapieeinheiten absolviert hat.

Das Urteil war dann im unteren Bereich des Strafrahmens angesiedelt: Wegen sexuellen Missbrauchs in drei Fällen verhängte Richter Meixner eine Bewährungsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Zudem muss der nicht vorbestrafte Angeklagte eine Geldstrafe von 500 Euro zugunsten des Kreisjugendrings zahlen und 80 Stunden unentgeltliche Arbeit nach Weisung des Vereins "Fähre" ableisten. Staatsanwalt Gebhardt hatte 15 Monate, Verteidiger Ralph Pittroff neun Monate auf Bewährung gefordert.

"Das war eine ganz miese Geschichte, die Sie sich da erlaubt haben", redete der Richter dem 27-Jährigen abschließend ins Gewissen. Trotz der günstigen Sozialprognose bezweifelte er eine große Berufskarriere des Jurastudenten: "Da werden Sie Schwierigkeiten haben. Mit dem Staatsdienst wird's wohl nichts werden."