Aus einem Wahlversprechen wird Wirklichkeit: Das Gewerbegebiet an der A 9, dessen Ausweisung der neue Marktschorgaster Bürgermeister Marc Benker(CSU) vorantreiben wollte, wird Realität. Schon Ende 2021 soll auf dem zwölf Hektar großen Areal eine Tankstelle eröffnet worden. "Wir hoffen, dass wir alle Flächen zügig erschließen können", sagt Benker, der im Interview auf ein außergewöhnliches, auch durch Corona bestimmtes erstes Amtsjahr zurückblickt. Auch "dank eines tollen Teams in unserer Verwaltung und im Bauhof" seien einige wegweisende Projekte initiiert worden.

Herr Benker, die Ausweisung eines Gewerbegebietes haben Sie im Wahlkampf als "Riesenchance" für den Markt Marktschorgast bezeichnet. Das Projekt wurde vorangetrieben. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Marc Benker: Es war die Maßnahme, um die wir uns im Gemeinderat schwerpunktmäßig gekümmert haben. Wir haben noch einmal umgeplant, Gespräche mit Investoren und der Genehmigungsbehörde geführt und letztlich grünes Licht bekommen. Die eine Hälfte des zwölf Hektar großen Areals wird von einem Investor erschlossen, die andere von uns mit der Firma BayernGrund. Wir hoffen, dass 2022 alle Flächen potenziellen Investoren angeboten werden können. Das erste Projekt, das umgesetzt wird, ist die Errichtung einer Tankstelle. Der Bauantrag wurde bereits genehmigt. Schon im November soll man dort tanken können. Wir sind in Gesprächen mit weiteren Investoren, die das Areal an der Autobahn als ein Filetstück sehen. Ein Hotel könnte ebenso entstehen wie ein Schnellrestaurant. Auch eine Elektrotankstelle ist geplant. Schön wäre es, wenn wir auch produzierendes Gewerbe gewinnen könnten, denn wir wollen ja nicht nur Flächen verbauen, sondern auch Arbeitsplätze gewinnen.

Eines Ihrer Ziel ist es, den Goldbergsee "als Naturbad für alle Generationen" zu attraktivieren. Hat Corona Ihnen da einen Strich durch die Rechnung gemacht?

Die Corona-Krise hat uns da schon etwas ausgebremst. Es gibt aber bereits ein Konzept, das wir nicht in einem großen Aufschlag, sondern Zug um Zug umsetzen werden - je nach der finanziellen Leistungsfähigkeit des Marktes. Wir haben ein neues Sprungelement in Holzbauweise und den Neubau des Kassen- und Wasserwachtbereichs ebenso im Visier wie ein Beachvolleyballfeld und die Erneuerung der Sanitäranlagen am Jugendzeltplatz.

Überrascht wurden Sie im ersten Amtsjahr von einer Nachricht der katholischen Kirche.

Das kann man so sagen. Im Oktober hat uns die katholische Kirche, die Träger der Marktschorgaster Kindertagesstätte ist, darüber informiert, dass Raumnot herrscht. Wir brauchen ab Herbst mehr Plätze für die Kinderkrippe und den Hort. Kurzfristig werden wir uns mit einer Container-Lösung behelfen. Es stellt sich aber die Frage, wie wir mit baulichen Maßnahmen zu einer langfristigen Lösung kommen. Es ist eine große Aufgabe. Die Tatsache, dass der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen vorhanden ist, zeigt uns aber auch, dass Marktschorgast ein attraktiver Wohnort ist.

Wie ist das Fazit, das Sie nach einem Jahr im Rathaus ziehen?

Es war ein arbeitsreiches und spannendes Jahr, in dem wir auch dank unserer tollen Mannschaft in der Verwaltung und im Bauhof Einiges auf den Weg gebracht haben. Corona bremst zwar vieles aus, doch wir stecken den Kopf nicht in den Sand, sondern versuchen, unsere Marktgemeinde zukunftsfähig zu machen. Es war für mich persönlich ein sehr lehrreiches Jahr, in dem ich den Spagat zwischen meinem Dienst bei der Polizei und der Arbeit im Rathaus aus meiner Sicht doch gut meistern konnte.

Welche besonderen Aufgaben stehen in diesem Jahr an?

An vorderste Stelle steht sicherlich die Erschließung des Gewerbegebietes, doch es gibt auch viele weitere Projekte, die wir nicht aus den Augen verlieren dürfen. So müssen wir die Sanierung der Remise im Hof des Rathauses weiter vorantreiben, muss das Projekt, das über die Förderoffensive Nordostbayern läuft, doch bis 2022 fertiggestellt sei. Dort soll nicht nur unsere Bücherei einziehen. Im Obergeschoss ist geplant, eine Mehrfunktionsraum zu errichten. Es ist eine Maßnahme, die 1,7 Millionen bis zu 2 Millionen Euro verschlingen wird.

SPD übt deutliche Kritik

"Das erste Amtsjahr des neuen Bürgermeisters war geprägt vom Schwerpunktthema ,Gewerbegebiet an der Autobahn A9'", sagt Dieter Zeidler (SPD), der Gegenkandidat von Marc Benker bei der Kommunalwahl war. Die Weichen seien gestellt worden. "Die Vorarbeiten hierzu wurden bereits in der abgelaufenen Wahlperiode durch den Vorgänger getroffen", so Zeidler, der deutliche Kritik an Marc Benker übt. "Sein bisheriger Führungsstil hat unsere Erwartungen nicht erfüllt. Durch den Beschluss der neuen Geschäftsordnung hat man dem neu gewählten Bürgermeister einen großen Vertrauensvorschuss gegeben und ihm einen weitreichenden Spielraum eingeräumt", so Zeidler und weiter: "In der angebrochenen Wahlperiode ist uns aufgefallen, dass verschiedenste Projekte durchgewunken und beschlossen wurden, welche in der Vergangenheit, als Benker noch Fraktionssprecher war, von der CSU eher kritisch betrachtet worden sind oder teilweise versucht worden ist, diese zu verhindern."

Für "neutraleren Führungsstil"

Die SPD wünsche sich von Benker "einen neutraleren Führungsstil", dass er "einen gleichwertigen Informationsfluss walten lässt und nicht so oft durch die parteipolitische Brille schaut". Zeidler fordert, dass fachlich fundierte Beiträge und Aussagen aus dem Ratsgremium "nicht so ins Lächerliche gezogen werden". "Wir befürchten, dass das Ratsgremium unter dem neuen Bürgermeister zu einem Abnick-Gremium degradiert werden könnte", stellt der SPD-Sprecher fest.