Der neue Kämmerer Sebastian Kolb kam in Anzug und Krawatte zur Präsentation seines ersten Haushalts. Bei so einem Etat sei eine Krawatte auch angemessen, erklärte er in der Mainleuser Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Denn mit gut 34 Millionen Euro stand dem Markt noch nie so viel Geld zur Verfügung.

Was Bürgermeister Robert Bosch (CSU) natürlich freute. Nicht nur, weil es sich um einen ausgeglichenen Haushalt handelt, sondern auch, weil darin eine ganze Reihe wegweisender Investitionen vorgesehen sind. "Wir stellen die Weichen für die Weiterentwicklung unserer Gemeinde. Es geht heute nicht nur um Zahlen, sondern vor allem um die Zukunftspolitik für unsere Bürger, die hinter den Geldbeträgen steckt", sagte Bosch.


Mehr Einkommensteuer

Er verwies auf fünf Prozent höhere Steuereinnahmen gegenüber dem Vorjahr. Besonders erwähnenswert sei, dass die Einnahmen aus der Einkommensteuer heuer um 20 Prozent höher seien als die aus der Gewerbesteuer. "Vergangenes Jahr hatte sich das noch ungefähr die Waage gehalten."

Natürlich werde wieder ins Bildungswesen investiert, für die Generalsanierung der Schule sind heuer zunächst Planungskosten von 198 000 Euro vorgesehen. Weiter sind 670 000 Euro für den Personal- und Sachaufwand für die drei Kindergärten (katholisch, evangelisch, Waldorf) eingeplant und 200 000 Euro für die verschiedenen schulischen Ganztagsmodelle.

So leiste der Gemeinderat seinen Beitrag dazu, dass Eltern Familie und Beruf gut vereinbaren können. Damit locke man neue Bürger nach Mainleus. Einen wichtigen Stellenwert nehme der Breitbandausbau ein, für den fast eine halbe Million Euro eingetaktet sei.

Großes Thema sei zudem der Brandschutz. Denn der Feuerwehrbedarfsplan habe gezeigt, dass für den Norden der Gemeinde (Danndorf/Schimmendorf) ein wasserführendes Fahrzeug sowie ein Zubringerfahrzeug nötig sind. 220 000 Euro werden für deren Anschaffung eingeplant, eine Auslieferung sei für 2019 vorgesehen.


Drehleiter - oder nicht?

Kopfschmerzen bereitet dagegen der Kauf einer Drehleiter, die laut Gutachten ebenfalls erforderlich ist. Deren Anschaffung für 800 000 Euro sei sicherheitshalber für die Folgejahre eingeplant. "Eine Beschaffung ist damit aber noch nicht beschlossen", erklärte Bosch. Das müsse 2018 intensiv besprochen werden.

Weiter sind jährlich 220 000 Euro für die Modernisierung aller Wehren vorgesehen. "Der Markt setzt auf Motivation durch Mobilität und Modernisierung, um neue Einsatzkräfte zu gewinnen", erklärte Bosch den Hintergrund.

Die Gemeinde wolle weiter den Wohnungsbau fördern. Dazu zähle auch das Millionen-Projekt Horschuchshausen mit 24 Wohnungen, einer Gaststätte und einer Sozialstation. Für eine Überraschung habe die erste Ausschreibung für das Projekt gesorgt, wo die Differenz zur Planung über 40 Prozent lag. Deshalb sei eine neue Ausschreibung erfolgt. "Die nächsten Wochen werden zeigen, wohin die Reise geht. Aber selbst im ungünstigsten Fall müssen wir an dem Projekt festhalten und uns für ein neues Finanzierungsgerüst einsetzen."

Weitere größere Vorhaben sind die Sanierung der Heinersreuther Straße insbesondere entlang des Freibads (2,3 Millionen Euro Kosten, dazu erwartete Förderung über eine Million Euro) sowie der Zentbachtal-Radweg, für den in den Folgejahren 1,3 Millionen Euro reserviert sind.


Ein "sexy" Projekt

Die Investitionen in Wasser und Abwasser seien eigentlich "nicht sexy genug", um in einer Haushaltsrede Erwähnung zu finden, erklärte Bosch. Sexy sei dagegen die Entwicklung des Spinnereigeländes. 2,5 Millionen Euro für die ersten Schritte seien eingeplant, um noch in diesem Jahr handeln zu können. "Teilabriss, Erschließung und Ertüchtigungen kommen hier in Frage", so der Bürgermeister, der dann das Wort an Kämmerer Sebastian Kolb übergab.

Dem war klar, dass die Zahlen und Tabellen "weit weniger sexy" als das Gehörte seien, trotzdem präsentierte er den Räten den über 448 Seiten umfassenden Haushaltsplan locker und in geraffter Form. Er verwies auf eine hohe Zuführung vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt, "was wichtig ist, um Investitionen mitzutragen". Doch allein damit wäre das große Investitionsprogramm (90 Prozent Bauprojekte) nicht zu schultern. Dafür seien Entnahmen aus der Rücklage, Kredite und Zuweisungen nötig.

Das wirke sich auch auf den Schuldenstand der Gemeinde aus. Der bewegte sich in den vergangenen vier Jahren jeweils etwas über zwei Millionen Euro. 2018 steigt er schon auf 6,9 Millionen Euro, in den Folgejahren auf 11,9 und 14,2 Millionen Euro. Für 2021 ist ein leichter Rückgang auf 13,7 Millionen Euro geplant. Die Pro-Kopf-Verschuldung steigt von 312 Euro in 2017 auf 2121 Euro in 2021.
Entsprechend sinken die Rücklagen: von 7,7 Millionen Euro in 2017 auf 164 000 in 2021.

Ein Zuschussposten sei das Freibad (2017 war es ein Defizit von 414 000 Euro). Das werde auch so bleiben, denn mit kostendeckenden Gebühren wären die Bürger überlastet, so Kolb. Mit Blick auf die Neukalkulation der Wassergebühren Ende des Jahres zeigte er sich zuversichtlich, dass man "einen anständigen Weg für die Bürger finden wird".

Die Steuerhebesätze bleiben wie seit 1981 unverändert.

Die einzelnen Fraktionen stimmten geschlossen zu.

Für die CSU sprach Siegfried Escher von einem schwierigen Zahlenwerk, für das es viele Vorbesprechungen gegeben habe. Der Kämmerer habe alles hervorragend zusammengefasst. Das Investitionsprogramm sei das Interessanteste, man habe Großes vor. "Spinnerei und Spinnstuben kosten einiges."

Glückwünsche zu einem Rekordvolumen gleich im ersten Haushalt kamen von Günther Stenglein (Freie Wähler). Er freute sich, dass die freiwilligen Leistungen wieder eingeplant sind. "Das ist ein Dankeschön an die Bürger, das sollten wir uns nicht nehmen lassen."

Michael Marx (SPD) verwies auf die große Verantwortung bei einem Riesen-Haushalt. "Wir müssen aufpassen, was wir machen", sagte er und bar darum, auch bei kleinen Beträgen zu überlegen, ob man das Geld wirklich ausgeben muss.

Den " frischen Vortrag" des Kämmerers lobte Erich Schiffelholz (ABL). Es werde viel angepackt. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen. Zum Haushalt würde ich sagen: Das passt schon."

Der Haushalt 2018 in Zahlen:

Gesamtvolumen: rund 34 Millionen Euro

Verwaltungshaushalt: 14,67 Millionen Euro

Vermögenshaushalt: 19,44 Millionen Euro

Zuführung zum Vermögenshaushalt: 1,02 Millionen Euro

Einkommenssteuerbeteiligung: 3,18 Millionen Euro

Gewerbesteuer: 2,40 Millionen Euro

Schulden: 6,93 Millionen Euro

Die Entwicklung des Investitionsprogramms bis 2021 sieht folgendermaßen aus:

2017: 8,06 Miilionen Euro
2018: 19,06 Millionen Euro
2019: 14,47 Millionen Euro
2020: 7,28 Millionen Euro
2021: 667 000 Euro.