Nun drücken auch Jonas, Theo und Johanna wieder die Schulbank: Die Drei gehören zu den Erstklässlern, für die der Unterricht in dieser Woche begonnen hat. Ein Unterricht, der auch für die Thurnauer Abc-Schützen völlig anders abläuft als vor der Corona-Krise. Dass sie vor 8 Uhr ganz locker ins Schulhaus laufen - das ist nicht drin. Disziplin ist gefordert, und so stehen die Kids um 7.45 Uhr - mit Mund-Nasen-Schutz und in gebührendem Abstand voneinander - vor dem Eingang und warten darauf, in ihr Klassenzimmer gehen zu dürfen.

Johanna vermisst dort Emma und Frieda, zwei Freundinnen, die in dieser Woche noch zuhause lernen. "Wir haben Blockunterricht. Wir mussten die Klasse teilen, weil an jeder Bank nur ein Schüler sitzen kann und das Zimmer für alle zu klein ist", sagt Lehrerin Katja Schulze. Sie hat darauf geachtet, dass die Kinder mit ihren besten Freunden zusammen sind. "Das lässt sich aber leider nicht in allen Fällen realisieren."

Es geht ans Waschbecken

Johanna findet das schade. Aber es ist kein allzu großer Beinbruch, denn zumindest ist Sarah, mit der sie sich bis dato eine Bank geteilt hatte, nicht weit von ihr entfernt. Sarah nimmt drei Meter neben ihr an ihrem eigenen Einzeltisch Platz.

Bevor sie und Johanna sich setzen dürfen, heißt es aber erst einmal Hände waschen. Nach und nach kommen die Jungs und Mädels ans Waschbecken - und sie wissen, auf was es ankommt. "Man muss die Seife überall auf die Hände tun", sagt Mira und singt für sich ganz leise zwei Mal "Alle meine Entchen". "So lange muss es dauern, damit das Waschen hilft", gibt Lehrerin Katja Schulze den Kindern mit auf den Weg. Anni kennt sich aus, beantwortet ohne zu zögern auch die Frage, warum man die Hände abtrocknen muss: "Weil die Bakterien es ja mögen, wenn es feucht ist."

Das Lied wird nicht gesungen

Das Begrüßungslied "Guten Morgen, guten Morgen, wir lächeln uns zu, guten Morgen, guten Morgen, erst ich und dann du" wird in der Corona-Zeit nicht gesungen, sondern gesprochen. Das macht den Kindern zwar nicht so viel Spaß, ist aber so vorgegeben, weil für Wissenschaftler feststeht, dass das Risiko einer Ansteckung mit dem Virus beim Singen hoch ist. Ihren Mund-Nasen-Schutz haben die Kinder da schon ablegen dürfen. Johanna ist froh, hat ihn in eine Plastikbox gepackt. "Mit der Maske bekomme ich nicht so gut Luft", sagt das Mädchen. Auch Andreas setzt der Gesichtsschutz zu: "Vor allem in der Pause schwitzt man damit ganz schön."

An die Pause ist aber noch nicht zu denken. Jetzt beginnt der Unterricht - mit Corona-Verspätung. Mathe steht auf dem Programm, das Plus- und Minusrechnen. Es geht um den Zehnerübergang, der in den vergangenen Wochen beim Homeschooling schon geübt wurde und bei den meisten sitzt. So mancher muss aber noch üben. Katja Schulze hilft den Kleinen - mit viel Geduld. Dass manches Kind verunsichert ist, verwundert sie nicht. "Einige sind fast so aufgeregt wie bei der Einschulung im September."

Damals gab es den Pausengong noch. Der erklingt jetzt nicht mehr. Der Unterricht ist anders getaktet. Nach und nach dürfen die einzelnen Klassen ins Freie. Die Erstklässler erst, als die vierte Klasse ins Schulgebäude zurückgekehrt ist. Im Pausenhof tollen die Kids herum - mit großem Abstand. "Wenn wir die Arme ausstrecken, dann dürfen wir uns nicht berühren", weiß Mira, die sich wie ihre Freundinnen an die Regeln hält. Die Buben und Mädchen können sich frei bewegen, richtig durchschnaufen aber nicht. Denn auch draußen ist der Mund-Nasen-Schutz Pflicht.

Die Erstklässler halten sich an die Regeln, wie Lehrerin Katja Schulze zu berichten weiß. Auch Johanna, die sich freut, nach vielen Wochen ohne Unterricht wieder in die Schule zu dürfen. "Zuhause war es manchmal auch langweilig, weil man nicht viel machen durfte", sagt die Siebenjährige. Ab Montag werden ihre Freundinnen Emma und Frieda den Zehnerübergang im Klassenzimmer üben. Für Johanna ist dann erst mal wieder Homeschooling angesagt. Dass geht zwar ohne Maske und ständiges Händewaschen, macht Johanna und vielen anderen Kindern aber bei weitem nicht so viel Spaß.