Die Anliegen der Kinder und Jugendlichen stoßen im Landkreis Kulmbach nicht auf taube Ohren. Dafür sorgen seit einiger Zeit zwei junge Streetworker. "Die Streetwork ist in Kulmbach schon seit fast einem halben Jahr am Start, und wir können sagen, dass sie sich sehr gut entwickelt hat," verkündete gestern Landrat Klaus Peter Söllner (FW). Für ihn ist die Streetwork ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit von Landkreis und Stadt Kulmbach.

Viele Einrichtungen sind hier integriert: die Jugendsozialarbeit zum Beispiel oder die Landkreisjugendarbeit. Als Anstellungskörperschaft dient das Bayerische Rote Kreuz.

Die beiden Kulmbacher Streetworker heißen Lena Jungkunz, die seit dem 1. November 2019 tätig ist, und Lukas Lauterbach, der einen Monat später mit der Arbeit begonnen hat. Die beiden teilen sich eine Vollzeitstelle.

Erstes Projekt schon umgesetzt

Auch Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) ist zufrieden: "Wir sind froh, dass es die Möglichkeit der Streetwork nun in Kulmbach gibt, um ins Gespräch mit Jugendlichen kommen zu können. Das soll keine Eintagsfliege sein."

Ein erstes Projekt der beiden Streetworker konnte mit Hilfe des zweiten Bürgermeisters Frank Wilzok (CSU) schon umgesetzt werden: die Aufbesserung der Fahrbahnen am Skaterpark in Kulmbach. Lena und Lukas haben sich mit den Jugendlichen auseinandergesetzt, ihre Anliegen aufgenommen. "Durch das Projekt am Skaterpark konnten wir schon einen sehr guten Kontakt zu den Jugendlichen aufbauen. Dadurch, dass wir immer in der Stadt umherlaufen, können sie sehen, dass jemand da ist und als Ansprechpartner fungiert," erklärt Lena.

Hund Oskar als Eisbrecher

Die Streetworker sind in erster Linie für Kinder und Jugendliche von zwölf bis 28 Jahren da, die Probleme mit ihren Eltern, der Schule, auf der Arbeit oder mit Freunden haben, die Drogenprobleme haben oder Hilfe bei Bewerbungen, Amtsgängen und Ähnlichem benötigen. Sie bieten auch Unterstützung bei Projekten. "Unsere Arbeit beruht viel auf Beziehungsaufbau. Wir bleiben auf jeden Fall hartnäckig, auch wenn wir erst mal vielleicht ignoriert werden," sagt Lena. Das Team wird durch Hund Oskar verstärkt, der bei der Arbeit der beiden oftmals als Eisbrecher fungiert.

Aufgrund von Corona war der Start der beiden vorerst eingeschränkt, jedoch hinderte sie das nicht daran, aktiv zu sein. "Wir posteten viel auf Instagram, beispielsweise Tutorials. Viele einfache Sachen, die jeder leicht zuhause nachmachen kann." Seit einiger Zeit sind die beiden jedoch wieder auf der Straße unterwegs.

"Für unsere Arbeit ist es unabdingbar, einen kontinuierlichen Kontakt aufzubauen, um auf die Bedürfnisse der Jugendliche eingehen zu können," berichtet Lena. Um in Kontakt mit den Jugendlichen zu kommen, arbeiten die beiden Streetworker - der Name verrät es schon - auf der Straße. Eine spezifische Route haben die beiden schon, die die Hotspots Zob, Bahnhof, Soccerplatz, Schwedensteg und Skaterpark beinhaltet.

Bei Regen sind sie meistens in ihren Büros in der BRK-Kreisgeschäftsstelle am Rot-Kreuz-Platz 1 anzutreffen. Darüber hinaus haben die beiden auch Sprechstunden, um persönliche oder auch vertrauliche Belange bereden zu können. Diese sind dienstags von 13 bis 16 Uhr und donnerstags von 15 bis 17.30 Uhr.

Sie haben Schweigepflicht

Ihre Aufgaben sind vielfältig; jedoch betont Lena, dass sie kein verlängerter Arm der Polizei sind. Sie arbeiten vor allem akzeptierend, anonym - und sie unterliegen einer Schweigepflicht.

Es geht den Streetworkern darum, für die Kinder und Jugendlichen da zu sein und sie bei ihren Anliegen und Problemen zu unterstützen. "Das schafft eine Vertrauensbasis," erklärt Lukas. Falls sie bei manchen Jugendlichen doch extreme Auffälligkeiten feststellen, sehen sie sich natürlich in der Pflicht, das Jugendamt zu verständigen.

Geschult sind sie auf alle möglichen Fälle, denn Lena hat einen Master in Sozialer Arbeit und Lukas arbeitete vorher in der Kindergesundheits- und Krankenpflege. Die Anliegen der Kinder und Jugendlichen sind vielseitig: Der Wunsch nach einer Wand zum legalen Sprayen, ein Skate-Contest oder ein Fußballturnier wurden schon geäußert. Darüber hinaus sprechen vor allem jüngere Kinder schulische oder elterliche Probleme an und suchen Rat und nach einem offenen Ohr bei den Streetworkern, teilen Lena und Lukas mit.

"Wir wollen alle mit ins Boot nehmen," erzählt Lukas und bezieht sich damit auf auf die mobile Couch. Diese ist dafür eine gute Gelegenheit, denn sie fällt auf, ist mit ihren anmontierten Rollen witzig - dadurch kommt man schnell ins Gespräch. Daneben lädt sie auch einfach nur zum gemeinsamen Verweilen ein.

Ihre Arbeit trägt Früchte

Auch Schulgänge sind schon geplant, denn die beiden wollen sich vorstellen und sich überall bekannt machen. Sie wollen Präsenz zeigen, zuhören und herausfinden, wie einem Jugendlichen oder einer Clique geholfen werden kann und was ihm oder ihnen gut tut.

"Außerdem wollen schauen, was die Jugendlichen wollen und was sie brauchen. Das versuchen wir dann umzusetzen," informiert Lukas.

Arbeit trägt erste Früchte

Die Arbeit der beiden trägt schon erst Früchte: "Da sind wieder die Streetworker!", hört man einen Jugendlichen rufen, als sich die beiden samt Hund Oskar dem Skaterpark nähern. Sie werden begrüßt, angesprochen und in die Clique mit einbezogen. Zu einigen konnten sie schon einen guten Kontakt aufbauen.

Wie ihnen das so gut gelingt? Durch den Kontakt auf Augenhöhe bekommen sie einen guten Draht zu den Jugendlichen. Fragen wie "Was macht ihre heute noch so?" lockern gleich zu Beginn ein Gespräch und laden dazu ein, ungezwungen den eigenen Ballast bei den Streetworkern abladen zu können.