"Sucht den Baum heraus, der im Winter seine Nadeln abwirft", ruft Andreas Pöllath vom Forstamt Stadtsteinach den Schülern zu. Zusammen mit seiner Kollegin Anja Mörtlbauer verbringt er insgesamt drei Tage mit den Schülerinnen und Schülern der 6. Klassen der Carl-von-Linde-Realschule im Wald. Baumartenrallye heißt das Spiel, bei dem die Kinder spielerisch die heimischen Baumarten kennen lernen sollen. Luca Tramontano (12) und David Kuczius (11) halten dafür ein Bündel Zweige in der Hand und müssen für ihre Mitschüler den richtigen heraussuchen. Ganz knapp geht das Duell aus, und die Schüler sind eifrig bei der Sache.

Lernen im Freien macht Spaß

"Die Kinder erschließen sich hier spielerisch die ökologischen Zusammenhänge", sagt Anja Mörtlbauer, die die Biologielehrer bei dieser Aktion unterstützt. Und das Lernen in freier Natur macht den Kids sichtlich Spaß. "Besonders cool war das blinde Abtasten von Bäumen", sagt die 12-jährige Alina Sautner. Die Kinder müssen zunächst von einem Partner geführt einen Baum blind ertasten und ihn danach sehend wieder finden.

"Wald ist voll cool", sagen die Schüler und genießen den Unterricht im Freien sichtlich. Auch in ihrer Freizeit verbringen etliche viel Zeit im Wald, wie etwa Luca Schelter, der seinem Vater oft beim Holzaufschichten hilft, oder Moritz Baumann, der mit seinen Freunden auch schon mal ein Lager im Wald gebaut hat. "Ich finde es gut, dass man das in der Schule mal durchnimmt", sagt Luca Tramontano, der aus einem Dorf stammt, und dem der Wald am Herzen liegt. Werden will er allerdings einmal Polizist.

Seit 22 Jahren gibt es die Umweltaktionstage bereits, die die Realschule Kulmbach in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Kulmbach und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) durchführt. "Wir freuen uns über das Engagement der Realschule und unterstützen diese nachhaltige Umweltbildung tatkräftig", sagt Ingrid Flieger, Klimaschutzmanagerin im Landratsamt Kulmbach. Die Idee zu den Aktionstagen hatte der damalige Realschuldirektor Hans Wunderlich, und anfänglich ging es um jährlich stattfindende Waldsäuberungsaktionen. "Irgendwann waren diese Säuberungsaktionen aber nicht mehr so nötig und wir haben das Programm für die Schüler auf andere Umweltthemen ausgedehnt", sagt Ingrid Flieger. An insgesamt drei Tagen werden die 6. Klassen der Realschule in jeweils zwei Gruppen durch den Wald geführt, die Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen verbringen ihre Zeit dagegen in der Kulmbacher Kläranlage oder im Umweltinformationszentrum "Lindenhof". "Seit vier Jahren sind wir Umweltschule", sagt Schuldirektorin Monika Hild, "und es ist ganz wichtig für die Kinder, den Lernstoff auch tatsächlich 'begreifen' zu können."

Gutes Zeugnis von der Försterin

Und wie lautet das Fazit von Försterin Anja Mörtlbauer? Die stellt Kulmbachs Jugend ein gutes Zeugnis aus: "Ich habe solche Aktionen auch schon in anderen Landkreisen durchgeführt, und hier merkt man doch den ländlichen Raum. Die Kids können sich im Wald noch bewegen und orientieren, das ist in größeren Orten oft nicht mehr der Fall."