Er hätte es wohl kaum selbst gedacht, so schnell wieder auf einer Bühne zu stehen. Nach seiner schweren Erkrankung und Operation im vergangenen Jahr startete Wolfgang Ambros zu seiner Tour "Pur - Vol. 5". Das Auftaktkonzert führte ihn am Donnerstagabend in die Kulmbacher Dr.-Stammberger-Halle.

"Ihr glaubt nicht, was das heute für uns bedeutet, jetzt sitz' ich ganz anders vor euch", begrüßt er seine Fans im voll besetzten Saal. "Ihr seid heute die ersten, die uns im neuen Jahr wieder erleben." Mit "Verwahrlost aber frei" stellt er sich seinen Fans vor, bevor er sich musikalisch auf seine ganz eigene Zeitreise begibt.

"Irre viel geschrieben"

"Meine Reise, die geht hin und her. Bei mir fängt sie mit meiner Midlife-Crisis an, da habe ich irre viel geschrieben." Alles sei noch in Saft und Kraft bei ihm und seinen beiden Bandmitgliedern Roland Vogel und Günter Dzikowski. "Es gibt Leute, die sagen, es ist schön alt zu werden. Könnt's ihr ned die Gosch'n halten?", lacht der Musiker, dem man anmerkt, wie sehr er seine Bühne vermisst hat.

Seine Stimme ist noch immer sonor, leicht rauchig - zwar kann er nicht mehr alle Töne einwandfrei singen, aber ein wahrer Ambros-Fan verzeiht das. Es geht hier schließlich nicht um Perfektion, sondern um Kult, um Erinnerungen, um ein Lebensgefühl, das Wolfgang Ambros mit seinem charmanten Wiener Schmäh noch immer transportiert.

"Wir versuchen jetzt, eine Trilogie auf den Weg zu bringen", sagt der Musiker. Anfangs mit mehr Herz, dann mit mehr Hirn, dann mit Sarkasmus - und das Herz kommt wieder dazu. Bei "Du bist wia de Wintasun" geht ein Raunen durchs Publikum. "Jetzt stellen wir uns vor, das Ganze wäre in eine echte Beziehung ausgeartet, so mit Heirat und Kindern, und die Kinder sind groß und aus dem Haus."

"Du vastehst mi ned" zeigt genau die Sprachlosigkeit und die Missverständnisse zwischen einem alten Ehepaar, das jedoch spätestens mit "Wieder verliebt" erneut zueinander findet. Ebenso wie im Klassiker "Langsam wachs ma zamm".

Textsicheres Publikum

Das Publikum hofft, Ambros liefert. "Tendenz zur Demenz", "Zwickt's mi", "Schwarzer Afghane" - egal welches Lied Ambros anstimmt, das Kulmbacher Publikum ist absolut textsicher dabei.

"Wir werden bis zum Ende aller Tage immer auch ein Lied von Georg Danzer ins Programm nehmen", sagt Wolfgang Ambros und bringt aufgrund aktueller Ereignisse "Der alte Wessely". "Wir sollten alle gegen Rechts aufstehen wie gegen Corona, dann hätten wir die Probleme nicht. Das ist auch ein Virus - und wir werden ihn ausrotten."

Unter donnerndem Applaus verabschiedet sich das Trio nach rund zwei Stunden Programm vom Kulmbacher Publikum, doch nicht ohne noch zahlreiche Zugaben zu spielen, darunter natürlich auch "Es lebe der Zentralfriedhof" und "Schifoan" - da hält es keinen Zuschauer mehr auf den Plätzen.