Die anhaltende Trockenperiode lässt die Futtervorräte bei den Landwirten im gesamten Kreisgebiet schrumpfen und zwingt sie bereits zu ungewöhnlichen Schritten. So sahen sich die Landwirtsfamilien Sack in Maierhof, Gemeinde Ködnitz, und Grampp im Kulmbacher Stadtteil Melkendorf bereits gezwungen rund 180 Tonnen Kleegras aus dem 220 Kilometer entfernten Donauwörth zu transportieren.

Vorsorge muss sein

Der 31-jährige Agraringenieur Michael Sack wird eines Tages den Betrieb seiner Eltern Gerhard und Anita Sack fortführen. Gegenwärtig muss er mit Unwägbarkeiten kämpfen, die er als praktizierender Landwirt noch nicht erlebt hat: "2003 habe ich ein trockenes Jahr erlebt, und 2015 war es ähnlich, aber bei weitem nicht so extrem wie in diesem Jahr. Man muss allerdings sagen, dass das Jahr 2017 von den Futtererträgen sehr gut war. Davon zehren wir momentan noch, sonst wären wir in einer noch schlechteren Lage."

Eigentlich habe der Betrieb Futter bis fast zum Ende des Jahres. "Das Problem ist aber, dass wir dieses Jahr aktuell mit Mais nur für zweieinhalb Monate Futter gemacht haben. Wir haben gegenwärtig beim gesamten Futteranbau einen Verlust von 60 bis 70 Prozent."

Die Familie Sack war zum Handeln gezwungen, denn die Futtervorräte wären im Januar nächsten Jahres zu Ende gewesen. Michael Sack: "Ab Februar wächst definitiv noch kein Gras, und wir mussten deshalb jetzt Vorsorge betreiben. Wir versuchen, die Zeit von Februar bis Ende April oder Anfang Mai nächsten Jahres durchzuhalten, um dann hoffentlich wieder normale Futtervorräte zu ernten."

Vater Gerhard Sack bestätigt das Jahr 2003 als bisher schlimmstes Trockenjahr: "Aber da hatte ich das Glück, dass ich sogar noch Futter abgeben konnte, denn ein Jahr zuvor war ein Wetterumschwung und da hatte ich sogar 60 Ballen an Futter gerollt und konnte den Nachbarn noch etwas abgeben." Jetzt braucht Sack selbst Unterstützung: "Wir wollen unseren Viehbestand mit 90 Kühen unbedingt halten."

Die Landwirte haben die Wetterprognosen ständig im Blick. Das Hoch über Nordeuropa hat weiterhin Bestand und lässt sich nicht verdrängen. Michael Sack: "Wir wollen es nicht übertreiben, aber dieses Jahr ist es einfach extrem, und es sieht so aus, dass es bis Mitte September auf jeden Fall so bleibt. Es wird definitiv nicht viel Aufwuchs im Herbst dazukommen."

Große Solidarität

Für den Landwirt drängte die Zeit: Wir haben mit den Beratern von Bio-Land telefoniert und wurden an die Waren-Börse verwiesen. Über die Internetseite haben wir Raufutter gesucht und einen Landwirt ausfindig gemacht, der sich bereiterklärte, Kleegras abzugeben."

Nach dem Motto "Bauern helfen Bauern" spricht Michael Sack von einer großen Solidarität des Kollegen aus dem Raum Donauwörth. Doch die eigentliche Arbeit begann jetzt erst, denn es wurde eine riesige Logistik angeschoben, denn einfach so mit dem Schlepper und dem Hänger runter- und wieder hochzufahren, hätte sich wirtschaftlich nicht gerechnet. So wurde ein Logistiker, der auch im Bereich Landwirtschaft unterwegs ist, beauftragt, mit zwei riesigen Auflegern das Kleegras aus dem Donauries nach Oberfranken zu transportieren.

"Eine tolle Geste"

Michael Sack: "Es wurde gemäht, gepresst und am Abend noch verladen. Am nächsten Morgen standen die beiden Transporter nach drei Stunden Fahrt dann bei uns im Hof. Das Kleegras wurde uns zum Selbstkostenpreis angeboten und wir geben als Rückfracht noch Hackschnitzel dazu, damit es für den Logistiker rentabler wird. Es ist eine tolle Geste, und wir sind auch begeistert, dass es so klappt." Inzwischen sind noch weitere vier Züge in den Landkreis gekommen, mit Lieferungen unter anderem für den Betrieb von Hermann Grampp in Melkendorf. Rund 30 000 Euro wird die beiden landwirtschaftlichen Betriebe Sack und Grampp der Ankauf und der Transport des Futters aus dem entfernten Donauwörth kosten.

"Hätten Tiere verkaufen müssen"

Hermann Grampp: "Wir haben bis jetzt nur drei Monate Futter geerntet, und uns fehlt einfach für drei weitere Monate Futter. Wir haben gegenwärtig 150 Kühe im Stall und auch noch die Nachzucht mit insgesamt 280 Tieren. Wir waren einfach zum Handeln gezwungen, denn ansonsten hätten wir Tiere verkaufen müssen."

Was die finanzielle Unterstützung der Bauern durch den Freistaat oder den Bund angeht, hält Michael Sack eine Förderung im Gießkannen-Prinzip für den falschen Weg. Sie ist seiner Meinung auch für das Image der Bauern kontraproduktiv: "Es wäre besser, wenn im nächsten Jahr die Produkte etwas teurer werden und wir unsere Kosten wieder rausholen können."

Der Maschinen- und Betriebshilfsring Kulmbach ist natürlich ebenfalls mit der prekären Lage der Landwirte konfrontiert. Wie Mitarbeiter Alexander Hollweg auf Anfrage erklärte, ist seine Einrichtung als kleine Vermittlungsbörse gefragt. So wurde dem Landwirt Sack eine Technik vermittelt, mit der er die Kleegras-Ballen einbinden kann. Alexander Hollweg: "Bei uns kommen sowohl Überschussangebote an Futter herein - allerdings ganz wenig - als auch die Vermittlung von Silomais infrage. Es geht aber dabei nicht um große Mengen. Es ist heuer eine extreme Situation und man kann nur hoffen, dass sie sich im nächsten Jahr nicht wiederholt."

Fachberater Martin Baumgärtner von der Geschäftsstelle Bayreuth-Kulmbach des Bayerischen Bauernverbandes verwies auf die Forderungen seines Verbandes gegenüber der Politik: "Es ist ein ganzer Katalog, was da von politischer Seite gemacht werden könnte. Das Bayerische Kabinett hat letzte Woche reagiert, und es sind auch einige Punkte verabschiedet worden. So werden beim Futterzukauf Beihilfen gewährt."

Die Kuh frisst kein Geld

BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger verwies auf die regional sehr unterschiedlichen Ertragsernten bei Getreide und dem Futtergras: "Es ist klar, dass den betroffenen Betrieben geholfen werden muss.Wir man das regelt, das ist alles noch offen. Wichtig ist, dass Hilfe kommt, aber Geld alleine hilft natürlich auch nicht, denn die Milchviehbetriebe benötigen Futter und eine Kuh kann ich nicht mit Geld füttern."