Auf der Internetseite des Deutschen Wetterdienstes steht es schwarz auf weiß: Der Mai 2018 war in Deutschland der wärmste seit 137 Jahren und nach dem April der zweite Monat in Folge mit einem neuen Temperaturrekord. Während Kinder, die in vielen Regionen des Landes schon Ferien haben, und Sonnenanbeter frohlocken, werden bei den Landwirten die Sorgenfalter immer größer.

"Seit Beginn der Frostperiode Anfang Februar haben wir extrem wenige Niederschläge, von ein paar Litern mal abgesehen", sagt Wilfried Löwinger aus Harsdorf (siehe auch Infografik unten mit den Ergebnissen der Messstationen im Verbreitungsgebiet der Bayerischen Rundschau). Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands hat am Wochenende erstmals seinen Mähdrescher gestartet, um Wintergerste zu ernten. Im vergangenen Sommer seien die Grundwasserspiegel zwar gut aufgefüllt worden, dies nütze aber auf den relativ kargen Böden Oberfrankens nichts, wenn es nicht immer wieder regne. Löwinger rechnet damit, dass der Ertrag im Vergleich zu einer normalen Ernte heuer um ein Viertel bis ein Drittel sinkt. "Zur Qualität kann man noch nichts sagen, aber der Vollgerstenanteil wird sicher auch geringer ausfallen."

Zum Beweis reißt der BBV-Kreisobmann eine Ähre ab. Sie hat nur 14 Körner, es gibt viele davon. "22 bis 26 Körner wären normal", so Löwinger, der befürchtet, dass nach 1976 und 2003 auch 2018 ein extrem trockenes Jahr wird. "Wir sind vom Ende der Frostperiode im Prinzip sofort in den Sommer übergegangen, einen Frühling gab es praktisch nicht. Dabei sei gerade der Mai ausschlaggebend für die Körnerausbildung. 1000 Körner bedeuten laut Löwinger normalerweise ein Gewicht von 45 bis 50 Gramm, heuer seien es aber nur 35 bis 40 Gramm, was einen Verlust von einem Viertel bedeute.


Futtergrundlage in Gefahr

Schon im Herbst habe man eine schlechte Wurzelausbildung registrieren müssen. Die Ähren seien zu kurz, das Getreide zu dünn, es müsste eigentlich fast doppelt so hoch stehen. Letzteres wirke sich auch auf die Strohernte aus. Löwinger: "Als Ackerbauer und Schweinehalter betrifft mich das eher weniger, aber die Rinderhalter brauchen das Stroh als Futtergrundlage. Wer hier keine Vorräte hat, für den könnte es heuer knapp werden. Auch beim Mais sieht es so aus, dass die Ernte geringer ausfällt."

Bei den Kartoffeln wird ebenfalls kein großer Ertrag zu erwarten sein. Werner Schleicher vom gleichnamigen Biolandhof im Trebgaster Ortsteil Lindau erntet seit etwa dreieinhalb Wochen Frühkartoffeln und erwartet Ertragseinbußen in Höhe von rund 20 Prozent. "Bei den normalen Kartoffeln, die im September und Oktober dran sind, schaut es noch schlechter aus", so seine Prognose.


Keine Wetteränderung in Sicht

Die Situation bleibt ernst: Laut Uwe Zimmermann vom Regionalen Klimabüro in München sind auch für die nächsten 14 Tage "keine flächendeckenden Niederschläge zu erwarten". Seine Mitteilung, dass sich die Trockenheit in Thüringen und Sachsen-Anhalt noch viel extremer darstellt, dürfte für die Landwirte in Oberfranken nur ein schwacher Trost sein.

Welche Auswirkungen muss nun der Verbraucher befürchten? Wenig, urteilt Wilfried Löwinger: "Entscheidend ist, was weltweit geerntet wird. Die Preise werden auf dem Weltmarkt gemacht, und durch die Globalisierung werden die Nahrungsmittel nicht knapp."
Auch Werner Schleicher glaubt nicht an gravierende Auswirkungen. "Im Moment ist der Preis für Kartoffeln jedenfalls stabil. Man muss abwarten, wie es weitergeht."


Klimawandel ist Ursache

Für den Vizepräsidenten des Deutschen Wetterdienstes:, Paul Becker, ist indessen klar: "Die Häufung klimatologischer Rekorde lassen sich in der Summe nur mit dem Klimawandel erklären." Deshalb werde für die Zukunft auch eine weitere Zunahme von Extremereignissen erwartet. "Dies erfordert von uns allen intensivere Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen."
Doch das ist keine Aufgabe der Landwirtschaft, sondern der Großen Politik...

Waldbrandgefahr ist hoch

Die anhaltende Trockenperiode wirkt sich nicht nur auf Ackerbau und Viehzucht aus, sondern auch auf den Wald. Der Waldbrandgefahren-Index (WBI) hat laut Wetteramt Nürnberg in der Region inzwischen die vierte ("hohe Gefahr") von fünf Stufen erreicht. Forstdirektor Dirk Lüder, der den Bereich Forsten des Landwirtschaftsamts Kulmbach in der Außenstelle Stadtsteinach leitet, weist darauf hin, dass Feuer im Abstand von weniger als 200 Metern vom Wald verboten ist bzw. nur mit Auflagen entzündet werden darf.

Zur allgemeinen Situation stellt Lüder fest, dass die Feuchtigkeitsversorgung der Bäume noch ausreichend ist, vor allem auf den südlichen Sandböden.


Invasion der Buchdrucker?

"Momentan steht unser Wald noch gut da", so Lüder, der aber auf ein tierisches Problem hinweist: Der Buchdrucker, auch Großer achtzähniger Fichtenborkenkäfer genannt, hatte heuer zur Entwicklung vier Wochen mehr Zeit. "Seine Vermehrung geht exponentiell vonstatten. Das wird eine spannendes Jahr für den Baumbestand."