Kulmbach
Gericht

Kulmbach: Junge Männer flexen Zigarettenautomaten auf - und lachen über hohe Geldstrafe

Für den versuchten Aufbruch eines Zigarettenautomaten in Leuchau gab es drastische Geldstrafen. Die fünf Angeklagten grinsten und bildeten ihre eigene Gesamtstrafe.
Vergeblich hatten die Angeklagten versucht, einen Zigarettenautomaten aufzuflexen. Trotzdem wurden die Panzerknacker von Leuchau wegen versuchten Diebstahls und Sachbeschädigung verurteilt. Foto: Archiv/Ralf Kestel

Den Ernst der Lage kapierten die Panzerknacker von Leuchau bis zum Ende des Prozesses nicht. Hier ein Grinsen, dort ein Späßla - die fünf jungen Kerle demonstrierten vermeintlich Stärke im Gerichtssaal. Als die Gaudi einmal zu groß wurde, mahnte Amtsgerichtsdirektor Christopph Berner: "Was gibt's da zu lachen? Versuchen Sie, Ihre Heiterkeit in den Griff zu bekommen."

Durch ein Geständnis hätten die Burschen - 21 und 22 Jahre alt - ihre Situation verbessern können. Aber sie schwiegen weitgehend. Erst ganz zum Schluss, bevor sich das Gericht zur Urteilsfindung zurückzog, murmelte gestern einer etwas von "dumme Jungen", und ein Zweiter meinte: "Ich glaube, dass es uns allen leid tut." Aber da war es schon zum spät, und Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner verhängte anschließend drastische Geldstrafen für den versuchten Aufbruch eines Zigarettenautomaten. Zusammen die schlappe Summe von 14 650 Euro wegen versuchten Diebstahls und Sachbeschädigung.

Geteilt durch fünf

Für die Angeklagten scheinbar kein Problem. Sie kündigten am Rande der Verhandlung an, eine ganz eigene Form der Gesamtstrafenbildung praktizieren zu wollen: Strafe geteilt durch fünf - macht 2930 Euro pro Nase. Ob der Jüngste der Truppe von seinen Kumpels einen Strafrabatt bekommt, ist nicht bekannt: Denn er muss außerdem noch einen Jugendarrest absitzen. Solidarisches Verhalten dürfte für den fünften Mann besonders bitter sein, da das Verfahren gegen ihn eingestellt wurde.

Nach Überzeugung des Richters und der Staatsanwältin Janina Leithäupl konnten die Vorgänge am 15. Juni 2019 weitgehend aufgeklärt werden. Damals hatten die Angeklagten die glorreiche Idee, sich Zigaretten zum Nulltarif zu besorgen. So etwas deutete der jüngste Angeklagte, dessentwegen der Prozess vor dem Jugendgericht stattfand, nach seiner Vernehmung bei der Polizei an. Bewaffnet mit Panzerknackerwerkzeug kreuzten sie in Leuchau auf, wo mitten im Dorf ein Zigarettenautomat hängt.

Flex machte Höllenlärm

Der Fahrer des Fluchtfahrzeugs, der Wert darauf legte, dass sein BMW nicht tiefergelegt sei, wartete auf einem Parkplatz. Sein Beifahrer blieb ebenfalls am Wagen, weshalb er nicht bestraft werden konnte. Der Rest der Truppe rückte ab und dem Zigarettenautomaten mit Flex und Axt zu Leibe. Mit dem Winkelschleifer machten die Kerle einen Höllenlärm. Nachbarn wurden wach, alarmierten die Polizei und störten die eifrigen Handwerker.

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Dem Räuberquintett blieb nur die Flucht. Aber bei der Wohnung des Fahrers wartete schon ein Empfangskomitee. Die Polizei kannte das Auto-Kennzeichen, das sich Zeugen notiert hatten. Das Nummernschild war weder gefälscht noch geklaut oder abgedeckt worden. Ziemlich stümperhaft. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie schwerstkriminell sind und gewerbsmäßig Zigarettenautomaten aufbrechen", sagte gestern einer der Polizisten über seine Kundschaft. Bei der Kontrolle des Fahrzeugs stellten er und sein Kollege im Kofferraum den Trennschleifer sicher. Außerdem stellten sie "den typischen Geruch" fest, wenn eine Flex kurz zuvor mit Metall in Berührung gekommen ist. Auch die Beschreibung der Zeugen passte auf die fünf Insassen des Wagens, die gleich auf die Polizeiwache mitgenommen wurden.

Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren gegen den Beifahrer eingestellt. Seine Aussage, dass er im Auto sitzengeblieben war, lasse sich nicht widerlegen, so Berner. Die Zeugen hätten auch nur von drei Leuten gesprochen, die vom Zigarettenautomaten wegrannten. Gesichert war aber: Sachschaden am Zigarettenautomaten: 1137,99 Euro; Beute: keine. Keinen vernünftigen Zweifel an der Täterschaft der vier verbliebenen Angeklagten, die zum Teil mehrfach vorbestraft waren, hatten Staatsanwältin und Richter. Sie waren sich auch beim Strafmaß einig. Nach dem Jugendstrafrecht wurde der Junior verurteilt: Er muss neben dem Wochenendarrest noch 800 Euro an die Geschwister-Gummi-Stiftung bezahlen. Für die drei Erwachsenen gab es saftige Geldstrafen, wie man an der Anzahl der Tagessätze erkennen kann (die Tagessatzhöhe richtet sich nach dem Einkommen): 90 Mal 60 Euro (5400) für den Fahrer, 130 Mal 15 Euro (1950) für den Besitzer der Flex und 100 Mal 65 Euro (6500) für den dritten Mann.

 

Lehre für die Zukunft?

Cool und betont lässig verließen die fünf Burschen den Gerichtssaal. Richter Berner gab ihnen neben dem Urteil einen guten Rat mit auf den Weg: "Ziehen Sie eine Lehre für die Zukunft daraus." Ob sie Konsequenzen ziehen werden, wissen nur sie selbst. Aber sie zogen gleich kräftig an der Zigarette, als sie draußen waren.