Das Aufatmen bei den Menschen im Landkreis Kulmbach ist förmlich zu spüren. Die Zeiten von Inzidenzwerten jenseits der 300 liegen hinter uns, gleichzeitig zündet der Impf­turbo langsam, aber sicher. Im Landkreis Kulmbach sogar schneller als im bayernweiten Durchschnitt. 25 438 Landkreisbewohner erhielten bislang ihre erste Dosis (Stand Dienstagabend). Das entspricht einer Quote von 35,54 Prozent bei den Erstimpfungen, bayernweit waren es 30 Prozent. Grundlage dieser Berechnung ist die Gesamtbevölkerung im Landkreis Kulmbach von 71 566 Personen (Stand 31.12.2019). Im Landkreis leben circa 10 000 unter 16-Jährige. Würde man die herausrechnen, läge die Quote der Erstimpfung sogar bei rund 41 Prozent.

Blick in die Nachbarkandkreise

Zur Erhebung von Impfdaten existiert in Deutschland kein einheitliches, umfassendes System. Anders als beim Sieben-Tage-Inzidenzwert ist die Impfquote also komplizierter zu vergleichen, weil nicht alle Landkreise Zahlen veröffentlichen oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Da hilft nur die direkte Nachfrage bei den Nachbarlandkreisen Bayreuth, Kronach, Lichtenfels, Hof und Coburg: Sie alle veröffentlichen wie der Landkreis Kulmbach ihre Impfzahlen auf ihren Homepages. Kulmbach aktualisiert die Zahlen täglich, die meisten anderen im Wochen- oder Zwei-Tage-Rhythmus. Den Spitzenwert hat das Hofer Land mit einer Quote von 42,66 bei den Erstimpfungen (Stand 5. Mai). Darauf folgen Kronach, Lichtenfels und Kulmbach noch vor Bayreuth und Coburg.

Was auffällt: Mit Landkreisen wie Hof, Kronach und auch Kulmbach liegen Regionen auf den vorderen Plätzen, die von der Pandemie besonders gebeutelt wurden. Das Verhängnis der hohen Inzidenzzahlen Ende März/Anfang April dürfte zumindest für die Impfquote ein Glücksfall gewesen sein. Denn der Landkreis Kulmbach hat als Hochinzidenz-Gebiet, ebenso wie Hof, Kronach und Lichtenfels, zusätzlich zum "normalen" Impfkontingent (siehe auch Grafik) Sonderzuteilungen des Serums von Astrazeneca erhalten; 2300 zusätzliche Dosen wurden auf diese Weise im Impfzentrum im "Fritz" innerhalb kürzester Zeit verabreicht. Kronach erhielt sogar zusätzliche 3500 Astrazeneca-Dosen, Lichtenfels 3200, was wohl die dort etwas höher liegende Quote erklärt.

Was machen die Impf-Spitzenreiter besser?

Was machen die Landkreise mit hoher Impfquote vielleicht noch anders oder besser? Werden zum Beispiel aus den Fläschchen des Biontech-Impfstoffs sechs statt fünf Dosen gezogen, was laut Europäischer Arzneimittel-Agentur EMA mit speziellen Spritzen und Nadeln ohne Probleme möglich ist? "Auch das ist ein Grund", heißt es dazu aus dem Lichtenfelser Landratsamt. Und auch in Kulmbach wurde von Anfang an alles herausgeholt, was möglich ist, erklärt der Leiter des Corona-Krisenstabs, Oliver Hempfling. "Wenn sich bei aller Sorgfalt eine siebte Dose ergibt, dann auch das. Das Serum ist einfach zu wertvoll dafür, dass etwas vergeudet wird." Und so heißt es unisono aus den Landratsämtern in Kulmbach, Kronach und Lichtenfels: "Wir haben bisher keine einzige Impfdosis verworfen."

Gut organisierte Impfzentren sind ein weiterer Erfolgsfaktor. In Kronach wurden die Kapazitäten in den Spitzenzeiten der Sonderkontingente so erweitert, dass 600 Menschen von 7 bis 20 Uhr an sieben Tagen pro Woche geimpft werden konnten. Im Kulmbacher Impfzentrum im vierten Stock des Spinnerei-Hochhauses werden Montag bis Freitag von 13 bis 20 Uhr und samstags ab 8 Uhr (bis alles weg ist) die Spritzen angesetzt. Damit ist das Impfzentrum noch lange nicht an seiner Kapazitätsgrenze. Es ginge noch wesentlich mehr ("Wir könnten auch sonntags impfen, an Feiertagen haben wir das ja schon getan"), allein die entsprechende Impfstoffmenge fehlt. Die Anzahl der wöchentlichen Zuteilung erfolge nach wie vor durch Bund und Land "auf einem stabil hohen Niveau" und lasse sich nicht vorhersagen. "Wir werden mit jeder Menge, die uns zugeteilt wird, zurechtkommen", betont Hempfling.

2000 zusätzliche Biontech-Dosen

Das kann das Impf-Team in den nächsten Wochen gleich unter Beweis stellen, denn am Dienstag hat der Landkreis die Mitteilung erhalten, dass für die kommenden beiden Wochen weitere 2000 zusätzliche Impfdosen des Herstellers Biontech nach Kulmbach gehen. Möglich ist dies durch ein Sonderkontingent der EU für die drei östlichen Regierungsbezirke.

Damit dürften sich vor allem all jene mit der "erhöhten" Impf-Priorisierung III über eine zügige Terminvergabe freuen. Denn diese Gruppe, die insgesamt größte der registrierten Impfberechtigten, ist derzeit an der Reihe. Gruppe II ("hohe Priorität") ist seit einigen Wochen bis auf wenige Ausnahmen abgeschlossen.

Bitte nicht andere blockieren

Insgesamt sind aktuell über das bayerische Impfportal noch 10 650 Bürgerinnen und Bürger für eine Impfung in Kulmbach registriert. "Wie viele davon allerdings bereits eine Impfung beim Hausarzt erhalten haben, ist uns nicht bekannt", heißt es aus dem Landratsamt. Um so wichtiger ist es, in diesem Fall seine Registrierung im Impfportal zu löschen, damit dort nicht immer wieder Termine angeboten werden, was letztendlich die Vergabe an andere blockiert und damit zu unnötigen Verzögerungen führt.

Sand ins Impf-Getriebe könnten auch die neuerlich verstärkt auftretenden Wünsche nach einer Terminverschiebung für die Zweitimpfung bringen. "Wir hatten schon zahlreiche Anfragen deshalb im Impfzentrum. Da spielen auch die jetzt kommenden Erleichterungen für die zweifach Geimpften eine Rolle", sagt Oliver Hempfling. So wollen sich wohl manche vor dem Urlaub oder wegen einer Familienfeier schnell noch die zweite Dosis sichern. Bei allem Verständnis für individuelle Belange könnten derartige Freizeit-Aktivitäten nicht berücksichtigt werden. "Da steht das Wohl aller über dem des Einzelnen. Eine möglichst schnelle Impfung für alle geht nur, wenn das System eingehalten wird, andernfalls gibt es Chaos", so Oliver Hempfling.