Wenn man den Worten von Klaus J. Schulz aus München Glauben schenkt, dann handelt es sich bei dem Gelände der ehemaligen Petzbräu/Alte Mälzerei Müller um ein prägendes Stadtensemble, das auf jeden Fall erhalten werden sollte. Mehr noch: Der Architekt vom "Büro für Städtebau und Freiraumplanung" sprach sogar von den "Kronjuwelen der Stadt", die noch viel mehr im Bewusstsein der Bürger verankert werden müssen. Aber ob es gelingen wird, eine der ältesten industriellen Brauereianlagen der Bierstadt Kulmbach zu erhalten, zu sanieren und wieder mit Leben zu erfüllen?

Studentenappartements waren geplant

Denn dazu muss der Eigentümer mitspielen. Das gesamte Areal mit allen Bauten ist derzeit ungenutzt. Es befindet sich im Besitz der Drösel Bau GmbH & Co.KG, Rosenheim. Und die hat eigentlich schon die Erlaubnis in der Tasche, mit Ausnahme des in die Denkmalliste eingetragenen Darrturms dort alles abzureißen und Studenten- und Seniorenappartements zu errichten.

Neben dem Darrturm existieren noch die beiden Ziegelbauten des ehemaligen Sudhauses der Brauerei und späteren Maschinenhauses der Mälzerei sowie das in den Hang hineinversetzte ehemalige Kellerhaus.

Es besteht jetzt begründete Hoffnung, dass diese alte Substanz erhalten bleibt und zu einem Vorzeigeobjekt entwickelt wird. Denn der Eigentümer will sich an einer Machbarkeitsstudie beteiligen, die der Stadtrat am Mittwochabend einstimmig auf den Weg brachte. Nachdem die Rosenheimer Firma mit 19.000 Euro an der 190.000 Euro teuren Studie dabei ist, geht der Stadtrat davon aus, dass bei dem Investor ernsthafte Absichten bestehen, die Petzbräu/alte Mälzerei Müller zu retten.

Ebenfalls 19.000 Euro zahlt die Stadt Kulmbach, die verbliebenen 80 Prozent gibt es als Fördermittel aus unterschiedlichen Töpfen.

Dass das imposante Ensemble erhaltenswert ist, darüber gab es bei den Lokalpolitikern wenig Dissonanz. Einzig Ralf Hartnack (WGK) hatte Bedenken angesichts der Ausgangssituation und der hohen Ausgaben für die Studie, denn: "Der Investor ist Herr des Geschehens mit einer rechtskräftigen Abrissgenehmigung. Erst wenn er darauf verzichtet, sollten wir das Vorhaben angehen. Ansonsten müssen wir uns bei einem Abriss den Vorwurf gefallen lassen, 190.000 Euro an Steuergeld verschwendet zu haben."

Diesen Gedankengang habe er auch schon gehabt, erklärte Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD). "Der Investor hat diesen Trumpf in der Hand. Das Risiko haben wir." Dennoch sollte man den Schritt gehen, zumal es sich um ein Stück Kulmbacher Stadtgeschichte handle.

Das sahen auch die anderen Fraktionen so. Die Machbarkeitsstudie wurde einstimmig in Auftrag gegeben.

Kaufplatz: Der nächste Schritt ist gemacht

Und noch ein weiteres, für Kulmbach prägendes Vorhaben wurde auf den Weg gebracht - ganz ohne Diskussion: die Nachnutzung des ehemaligen Kaufplatzgeländes. Hier ist für die nächsten zwei Jahre zunächst eine Übergangslösung geschaffen worden. Aber wie soll es danach weitergehen mit dem Gelände im Herzen der Stadt? Es wurden die Eckpunkte verabschiedet, die Architekten für einen Wettbewerb dienen sollen.

Was soll umgesetzt werden? Grundsätzlich soll ein attraktives neues Verbindungsglied zwischen der Altstadt und dem Bahnhof sowie dem Spinnereiareal und dem zukünftigen Universitätscampus entstehen.

Ein Nutzungsmix mit dem Schwerpunkt innerstädtisches Wohnen (geförderter Wohnungsbau, Studierendenwohnen, barrierefreies, seniorengerechtes Wohnen, exklusives Wohnen) ist ebenso gewünscht wie großzügige Grün- und Freiräume am Weißen Main mit entsprechenden Plätzen und freiem Blick zur Plassenburg. Über einen Zugang zum Weißen Main (Sitzsteine, Sitzstufenanlagen, Stege, Spielelemente) müssen sich die Planer ebenso Gedanken machen wie über die Nutzung erneuerbarer Energien und intelligente Energiekreisläufe. 13 Seiten umfassen die Vorgaben, die die Basis für die Entwürfe bilden.

Schutz vor Hochwasser

Eine weitere große Baumaßnahme ist das Überflutungsschutzkonzept, mit dem bei Starkregenereignissen die Überschwemmung von großen Teilen der Burghaiger Straße verhindert werden soll. Die Maßnahme war zunächst kleiner angedacht, aber ein deutlich besserer Schutz der Anlieger ließ die Stadträte tiefer in die Tasche greifen als geplant. Rund zwei Millionen Euro werden dort mehr investiert als vorgesehen.