Während die zweibeinige Bevölkerung noch immer mit dem Coronavirus beschäftigt ist, könnte eine andere Viruserkrankung heimischen Schweinebeständen den Garaus machen: Seit vielen Jahren bahnt sich die Afrikanische Schweinepest (ASP) ihren Weg durch Osteuropa, nun ist sie auch in Deutschland angekommen. In Brandenburg wurde ein an ASP verendetes Wildschwein gefunden, diesen Freitag bestätigte das Friedrich-Löffler-Institut insgesamt 13 positive Wildschweine. Für Menschen und andere Tiere ist die Krankheit nicht ansteckend, für die meisten Haus- und Wildschweine bedeutet sie den Tod.

Länder, in denen es noch keine ASP gibt, setzen alles daran, dass das so bleibt. Sicherheitshalber verhängten Südchorea und China Importverbote für deutsches Schweinefleisch. Mit den Exporten sind auch die Marktpreise eingebrochen. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) setzte den Kurs je Kilogramm Schlachtgewicht um 20 Cent nach unten. Die Preisempfehlung pro Ferkel wurde um zwölf Euro auf 27 Euro gesenkt - der Spitzenpreis dieses Jahr waren um die 80 Euro. "Das ist im Moment ein Draufzahlgeschäft", erklärt Schweinezüchter Johannes Dörfler aus Waldau. Erst am Freitagvormittag habe er den Anruf eines Kunden bekommen. Er habe keinen Platz für neue Ferkel, weil er seine Mastschweine im Moment nicht absetzen könne.

Und so stehen die Schweine bei den Landwirten in den Ställen, werden größer und schwerer und damit der Absatz immer schwieriger. "Keiner hat mehr Lust", erklärt Dörfler. Er habe schon von einem Betrieb gehört, der die Hälfte seiner Zuchtsauen schlachten lasse. Zum Preisverfall sagt er: "Das ist mir unverständlich. Unsere Schweinebestände sind gesund, da ist nichts kontaminiert."

Alle Tiere müssen gekeult werden

"Bei einer Infektion müssten alle Schweine des Betriebs gekeult werden", erklärt Stefan Gedecke, Fachtierarzt für Schweine aus Wonsees. Als "Keulen" bezeichnet man das Töten von Nutztieren, um Tierseuchen zu verhindern oder einzudämmen. Erkennen könne man die ASP beispielsweise daran, dass sich die Sauen schlapp verhalten und vermehrt Fehlgeburten auftreten. "Der Regelfall ist Fieber, ASP kann sich aber auch in Untertemperatur äußern", erklärt Gedecke.

Der Verlauf dauert etwa vier bis zehn Tage. Blutungen an inneren Organen könne man oft im Kot und Urin erkennen. Sämtliche Körpersekrete sind infektiös. Die Krankheit wird verbreitet etwa wenn ein Wildschwein uriniert und ein Wanderer hineintritt oder, wenn ein Fuchs an einem verendeten Wildschwein frisst und den Erreger im Fell trägt. Daneben gibt es noch was Gedecke die "Salami-Brot-Theorie" nennt.

Während in Deutschland ein befallener Schweinebestand sofort getötet und die Tierkörper entsorgt werden müssen, werden die Schweine in manchen osteuropäischen Ländern noch schnell zum Schlachter gefahren. Daraus produzierte Rohwurst sei zwar für Menschen ungefährlich, doch ein auf der Fernreise weggeworfenes Salami-Brot könne die ASP auch in ferne Wildschweinbestände bringen, so der Fachtierarzt.

Ihm zufolge ist die einzige Rettung die Regionalisierung. Damit meint er, dass die Krankheit am Ausbruchsort unbedingt eingedämmt werden müsse. Beispielsweise ist es in der Tschechische Republik gelungen, die Ausbreitung der ASP mit strenger Zonierung, wildsicheren Zäune und Militäreinsatz zu verhindern. Seit Februar 2019 gilt das Land wieder als "seuchenfrei". Das "Zäunchen", das in Brandenburg aufgestellt wurde, halte keinen Keiler auf, bemängelt der Fachtierarzt.

Neben einem potenziellen Ausbruch im eigenen Betrieb, macht die ASP den Landwirten noch andere Sorgen. Heiko Kaiser, Mastschweinehalter aus Appenberg, spricht vom Verfall einer ganzen Branche. Obwohl die Wertschöpfungskette seines Betriebs, vom Futteranbau bis zur Schlachtung, in der Region liegt, spürt auch er den deutlichen Preiseinbruch.

Würde man ein infiziertes Wildschwein finden und eine Sperrzone ausrufen, wäre das Betreten verboten, nicht nur für Freizeitsuchende sondern auch für Landwirte. Die könnten dann ihre Felder nicht mehr bewirtschaften und hätten ebenfalls wirtschaftliche Verluste.

Mit Hygiene, Herdenschutzhund und Doppelzaun gegen ASP

Bereits wenn Ben Berthold beginnt, den Zaun umzustecken, kommen die ersten Schweine gerannt. Der Weg zum Sonnenblumenfeld ist frei. Die Tiere haben es nicht nur auf die eiweißreichen Samen und das Grünfutter abgesehen, sondern auch auf alles, was dazwischen kreucht und fleucht, vom Käfer bis zur Feldmaus. Am Konzept der richtigen Weideschweinernährung haben.

Bei Berthold und seiner Frau Johanna darf jedes Schwein 14 bis 18 Monate über die Weide springen, bis es seinen Weg in die kleine Familienschlachterei in Lanzendorf antritt. 150 Schweine stehen auf neun Hektar bei Eggenreuth auf der Weide. Wie viel Stress es für die an Freiheit gewohnten Tiere wäre, von heute auf morgen plötzlich in einem Stall zu stehen, will sich der Schweinehalter gar nicht ausmalen. Sollte die Schweinepest näher rücken, will er es zwar nicht ausschließen, doch ist er überzeugt, dass das Ansteckungsrisiko für seine Weideschweine nicht wesentlich höher ist als das von Stallschweinen.

Die Krankheit wird durch ein Virus verursacht, das über Körperflüssigkeiten übertragen wird, vor allem über Kot, Urin oder das Fleisch der Tiere. Eine Ansteckung über die Luft ist nicht möglich. Daher muss Berthold genauso wie konventionelle Halter darauf achten, dass er nicht versehentlich infizierte Körpersekrete von Wildschweinen auf die Weide trägt. Jedes Mal, wenn Ben und Johanna die Fläche betreten, desinfizieren sie ihre Schuhe oder ziehen Gummistiefel an, die auf dem Gelände bleiben. Fahren sie mit Traktor oder Hänger auf die Weide, werden die Fahrzeuge vorher gründlich desinfiziert.

Laut Vorgaben müssen Schweineweiden doppelt umzäunt sein. In Eggenreuth haben beide Zäune Stromlitzen und den vorschriftsmäßigen Abstand von mindestens zwei Metern. Oft sind es jedoch zehn Meter, die dazwischen liegen. Denn in diesem Zwischenraum patrouillieren Linda und Lumi, zwei Pyrenäenberghunde, die die Schweineherde beschützen. Bei dieser Form des Herdenschutzes geht es nicht vorrangig um den Wolf, sondern vorrangig um Wildschweine. "Wir wollen nicht, dass sich Wildschweine in unseren Bestand einkreuzen", erklärt Ben Berthold.alo