Aldi Süd hat es bereits umgesetzt: Auf vielen Parkplätzen des Unternehmens können E-Auto-Fahrer ihr Fahrzeug nicht mehr kostenlos aufladen. Dabei war der Discounter ein Vorreiter, bot bereits 2015 die Gratis-Tankstellen an. Die Entscheidung zum Ende der Kampagne basiert wohl auch darauf, dass (zu) viele Autofahrer die Ladeinfrastruktur nutzten, ohne das dazugehörige Ladengeschäft zu besuchen.

Nun haben auch die Stadtwerke Kulmbach nachgezogen: Zum 15. Juni endete die Phase der Gratisbetankung an den öffentlichen Ladesäulen am Eku-Platz, dem Pörbitscher Weg und dem Klinikum. Weitere Stationen, etwa an der Volkshochschule, sollen folgen. In einer Mitteilung von Werkleiter Stephan Pröschold heißt es dazu: "Nachdem die Entwicklung der E-Mobilität stark vorangegangen ist und auch die Strompreise in der Beschaffung erheblich gestiegen sind, hat der Werkausschuss beschlossen, die kostenlose Stromabgabe der Stadtwerke an die genannten öffentlichen Ladesäulen zu beenden. Viele andere Anbieter in Kulmbach haben diese Änderung bereits 2020 oder früher vollzogen beziehungsweise nie kostenlosen Ladestrom zur Verfügung gestellt."

An den genannten Standorten wird nun ein Ladepreis von 48 Cent pro Kilowattstunde (40,34 Ct/kWh zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer) in Direktbezahlung erhoben. Zur Bezahlung können alle üblichen Ladekarten verwendet werden, bei denen der Tarif des jeweiligen Anbieters zur Anwendung kommt. Abhängig von der Nachfrage wollen die Stadtwerke laut Pröschold das Netz der Ladesäulen weiter ausbauen. Parallel hierzu wolle man demnächst ein Angebot für private Ladesäulen in Industrie/Gewerbe und auch für private Wohnhäuser vorstellen.

"Kein Rückschlag"

Ob das ein Rückschlag für die E-Mobilität ist? "Keineswegs", sagt Ingrid Flieger. Die Klimamanagerin des Landkreises und selbst seit Jahren überzeugte E-Mobilistin bekundet, der Schritt des kommunalen Anbieters habe sie nicht überrascht. "Wir haben das Bezahlsystem bereits 2020 eingeführt, und zwar über den Ladeverbund an unseren Ladesäulen, die wir in Kooperation mit der N-ERGIE im Rahmen eines Modellprojekts seit 2015 im Landkreis installiert haben. Das kostenfreie Laden war lediglich zur Einführung und zur Förderung der E-Mobilität gedacht."

Die neue Art des Fahrens habe große Fortschritte gemacht, der Wegfall kostenloser Möglichkeiten werde sich schnell fortsetzen, da die Zahl der E-Autos weiter steigt und E-Mobilität Stand der Technik ist. "Wesentlicher Kern der Technologie sollte sein, dass E-Fahrzeuge nur mit grünem Strom geladen werden, damit sie auch wirklich möglichst CO2-neutral fahren. Zudem fällt der Strom, der bislang kostenlos zur Markteinführung der E-Pkw angeboten wurde, ja nicht vom Himmel, und für den Sprit im Verbrenner muss ich auch bezahlen. Die künftige Erzeugung von grünem Strom wird uns alle vor eine weitere große Herausforderung stellen, ein Umdenken von uns allen wird gefordert."

"Es ist ausgenutzt worden"

E-Auto-Pionier Klaus Knorr aus Mainleus befürwortet das Ende der Gratiskultur aus mehreren Gründen. "Es ist von vielen schlicht und ergreifend ausgenutzt worden." Zudem habe es der E-Mobilität nicht unbedingt zum besseren Image verholfen, wenn es drum ging, die "Strom-Schnorrer-Autos" in der Öffentlichkeit madig zu machen. "Insofern ist es richtig, dass der Autostrom jetzt auch seinen Preis hat und bezahlt wird."

Er selber bietet an den zwei Säulen vor seinem IT-Geschäft (eine Wallbox befindet sich im Innenhof) noch kostenfreies Aufladen an. "Mit der Leistung meiner Photovoltaikanlage könnten wir derzeit locker 2000 Kilometer am Tag fahren. Da stört es mich nicht, wenn sich mal jemand dran hängt, gerade wenn er von außerhalb kommt und noch einige Kilometer vor sich hat." Kein Verständnis hat der Firmeninhaber hingegen, wenn sich ein Einheimischer stundenlang hinstellt "und mir dann auch noch den kompletten Speicher leerräumt".

Ein Beispiel, wie sich Anbieter dagegen zur Wehr setzen, hat Klaus Knorr in Ebensfeld im Landkreis Lichtenfels erlebt. "Dort hat Betreiber EnBW/Shell vier 300-Kilowatt-Säulen installiert. Um zu verhindern, dass einer über Stunden oder gar Tage dort alles blockiert, hat er ein System implementiert, das eine Strafe von 10 Cent pro Minute - bis maximal 12 Euro - auf die Rechnung aufschlägt, wenn das Auto zehn Minuten nach erfolgtem Ladevorgang noch nicht vom Platz bewegt worden ist."

Zukunft ist bidirektional

Der Mainleuser sieht die Zukunft in der Möglichkeit, sein E-Auto wie von VW angekündigt bidirektional zu nutzen - also als Speicher fürs Haus. Dann wird das Vehikel in der Garage zur Batterie, denn der Strom kann aus dem Auto zurück in den Kreislauf des Eigenheims oder der Wohnung fließen. Einige Hersteller haben Modelle im Angebot, die das bereits können. Klaus Knorr hat einen VW id3 mit einer 88-kw-Batterie. "Damit könnte ich mich daheim zwei Wochen autark versorgen - und es kostet umgelegt auf die Kilowattstunde nur einen Bruchteil im Vergleich zu einem teuren Speicher im Keller. Das stößt eine völlig neue Dimension der E-Mobilität auf und wird auch die Lade-Infrastruktur nochmals revolutionieren."