Welche Voraussetzungen rechtfertigen die Durchführung einschneidender, sogenannter Verkehrssicherungsmaßnahmen? Eine Antwort, zumindest aus Sicht einer Forstbehörde, erhielten die Gemeinderäte ausführlich in der Januarsitzung. Anlass dazu war eine Anfrage der Trebgaster Bürgergemeinschaft zu den Baumfällungen an der Kreisstraße von Feuln nach Hegnabrunn unterhalb des "Kalkofens".

Gleich neben einem Naturschutzgebiet

Nach Meinung der Gemeinderatsfraktion handelt es sich bei dem Bereich um ein Biotop im Anschluss an ein Naturschutzgebiet, in dem ein Eingriff in die Natur auf ein Minimum beschränkt werden muss.

Bürgermeister Herwig Neumann (CSU/NWG) erläuterte zunächst die Ausgangssituation. Die Gemeinde ist Besitzer von 10,7 Hektar Wald. "Für diese Fläche haben wir mit der Forstbehörde einen Vertrag abgeschlossen. Dazu gehört auch die Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht." Auf den Wald bezogen heißt dies, dass Gefahrquellen an öffentlichen Straßen und Wegen und am Rand bebauter Grundstücke - zum Beispiel alle Bäume mit verringerter Standstabilität oder morschen Ästen - zu entfernen sind, um eine Gefahr für Dritte auszuschließen.

"Absolut notwendig"

Der Leiter des Forstreviers Kulmbach, Arnim Scheiblhuber, hält das Fällen der Bäume für absolut notwendig. Er merkt zwar an, dass die betroffene Fläche zweifelsohne erst einmal kein schönes Bild abgibt. Er ist aber auch überzeugt, dass sich die entstandenen "Wunden" schnell wieder schließen werden.

In einer Stellungnahme an die Gemeinde verweist er darauf, dass es sich um keinen Kahlhieb handelt und nennt die Gründe für die getroffenen Vorkehrungen. "Bei einer Verkehrssicherungsbegehung muss immer der gesamte Baum begutachtet werden. Nach meiner Einschätzung waren etwa drei Viertel der Bäume gravierend geschädigt oder bereits komplett abgestorben. Auch wenn viele der Baumstöcke auf den ersten Blick recht ‚gesund‘ aussehen, ist daraus alleine nicht zwingend ein Rückschluss möglich, ob ein Baum eine Gefahr darstellte oder nicht. So gibt es zahlreiche Schadsymptome, die an einem Baumstock alleine nicht erkannt werden können."

Im Detail waren nahezu alle auf der Fläche befindlichen Ulmen von Splintkäfern befallen. Einige Eschen waren bereits ganz abgestorben, andere vom Eschentriebsterben befallen, das durch das Falsche Weiße Stängelbächerchen verursacht wird. Sind Eschen von diesem Pilz befallen, beginnen sich die Wurzeln im Boden sukzessive zurückzubilden, die Bäume verlieren also massiv an Standfestigkeit und können jederzeit umkippen.

Wie ein Damoklesschwert

Gefahr in Verzug war auch bei einzelnen Ahornbäumen, an denen der Stamm V-förmig in zwei Teile auseinanderwuchs, die Bäume brechen an solchen Stellen nicht selten ab.

Zur Frage einer aktiven Wiederaufforstung merkte der Revierleiter an, dass es in der Regel nicht lange dauert, bis die Bäume aus den Stöcken neu austreiben und somit den Folgebestand bilden. "Wir wissen, wie wichtig es gerade in Zeiten des Klimawandels ist, intakte Wälder zu erhalten und - wo möglich - zu schaffen. Trotzdem hängt die Verkehrssicherungspflicht wie ein Damoklesschwert über vielen Waldbesitzern, denn die möglichen Konsequenzen bei nicht ordnungsgemäßer Durchführung sind schwerwiegend."