Das Geschehen hatte für großes Aufsehen gesorgt. Drei Männer aus Syrien sollen auf offener Straße eine Frau getreten, geschlagen und mit einem Gürtel misshandelt haben. Jetzt wurde der Vorfall vom 1. September 2017 in der Oberen Stadt vor dem Amtsgericht juristisch aufgearbeitet. Dabei stellte sich heraus, dass es zwar eine heftige Auseinandersetzung gegeben hat, sie aber offensichtlich ganz anders ablief. Wie, das konnte keiner mehr sagen.

Selbst von den unmittelbaren Tatzeugen beschuldigte jeder einen anderen der drei Angeklagten. Dazu kam, dass alle Beteiligten ziemlich betrunken waren. Knackpunkt des Verfahrens aber war, dass die geschädigte Frau gar nicht als Zeugin zur Verfügung stand. Sie hatte sich ganz überraschend kurzfristig krank gemeldet. Das Verfahren deshalb zu vertagen oder gar auszusetzen, damit konnte sich Richter Christoph Berner so gar nicht anfreunden. Grund dafür war, dass sich die Frau schon in ihrer polizeilichen Vernehmung nur noch bruchstückhaft an jenen Abend erinnern konnte. Sie war mit fast zwei Promille am stärksten alkoholisiert, deutlich stärker als die drei Angeklagten.


Vorwurf der Körperverletzung

Noch am Anfang der mehrere Stunden dauernden Verhandlung war Staatsanwältin Janina Leinhäupl davon ausgegangen, dass die drei Angeklagten, einer davon 20, die anderen beiden 21 Jahre alt, die Frau grundlos provoziert, auf sie eingeschlagen und eingetreten, sie mit einem Gürtel misshandelt und schließlich auch noch zwei Zeugen, die zu Hilfe kamen, verprügelt und verletzt haben sollen. Alle drei mussten sich ursprünglich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Doch schon in der Aussage eines der beiden 21-Jährigen stellte sich die Sache grundlegend anders dar. Die Frau habe ihn beleidigt und beschimpft und als "Scheiß Ausländer" bezeichnet. Da habe er sie zur Rede stellen wollen. Prompt bekam er aus dem Umfeld der Frau eine halbvolle Bierflasche übergezogen. "Die Flasche hat mich am Kopf getroffen, ich war oberhalb des rechten Auges verletzt", sagte er. Um sich zu verteidigen, habe er vorsorglich seinen Gürtel aus den Schlaufen gezogen, damit aber auf niemanden eingeschlagen. "Ich habe niemanden geschlagen, weder die Frau, noch sonst jemanden", beteuerte der junge Mann. Im Gegenteil, er sei der Geschlagene.


Aufgeheizte Situation

Die beiden anderen Angeklagten seien erst später dazugestoßen, um für den Fall des Falles ihren Landsmann verteidigen zu können. Dazu sei es aber nicht gekommen. Die Situation sei zwar aufgeheizt gewesen, Schläge oder gar Tritte habe es aber nicht gegeben, sagte der eine. Der andere Angeklagte ließ über seinen Verteidiger Hans-Hermann Hofmann aus Altenkunstadt ausrichten, dass er ebenfalls nichts gemacht habe.

Wer gedacht hätte, die Zeugen könnten die Sache nun aufklären, der hatte sich getäuscht. Widersprüchlicher hätten auch ihre Aussagen kaum sein können. Zum einen hatten sie das Geschehen nach fast einem Dreivierteljahr schlichtweg vergessen, zum anderen waren auch sie alle ziemlich betrunken an jenem Abend. "Es war ein ziemliches Wirrwarr", sagte einer der Zeugen, alle hätten nur so herumgeschrien. Er könne auch nicht ausschließen, dass es durch den Alkohol und die Umstände zu Verwechslungen gekommen sei. Der zweite Zeuge hatte ebenfalls Schläge abbekommen und dabei eine Platzwunde erlitten. Aber auch er wusste nicht, von wem diese Schläge kamen.

"Ich befürchte, dass wir in diese Sache kein Licht mehr bringen können", sagte Richter Berner. Irgendetwas sei sicher gewesen, doch wer was gemacht habe, das könne man nicht mehr feststellen. Er einigte sich deshalb mit der Staatsanwältin, die Verfahren gegen Zahlung von jeweils einem Monatsgehalt - einmal 300, einmal 400 und einmal 1000 Euro - einzustellen.