Inge Aures hat lange gezögert, nach einem Gespräch mit unserer Redaktion aber nach der Kriti k an ihrer Rolle in der Partei doch Stellung bezogen. Auf die Frage, ob sie erneut für den Kreisvorsitz kandidiert, führt sie an, dass die Kreiskonferenz 2020 wegen Corona abgesagt werden musste. Diese soll 2021 nachgeholt werden. "Für die letztes Jahr geplante Konferenz waren schon die Weichen für meine Kandidatur gestellt."

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Auch die Vorwürfe bei Awo und Baugenossenschaft waren ein Thema. Es gibt Kritiker, die sagen, dass das dortige Verhalten auch ihren Rücktritt bei der SPD zur Folge haben müsste, dass Aures, würde man die gleichen Maßstäbe wie bei Henry Schramm im OB-Wahlkampf anlegen, von ihren Parteiämtern Abstand nehmen müsste. Aures sagt dazu: "Welcher ,Kritiker' sagt, es reiche für mehrere Rücktritte? Etwa der Leserbriefschreiber Herr Dr. Meins, ehemaliger Chefjurist des Landratsamts, der jetzt offiziell für die Baugenossenschaft arbeitet? Soweit mir bekannt ist, gilt grundsätzlich die Unschuldsvermutung. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen betreffen einen Vertrag der Awo, den der Kreisvorstand abgeschlossen hat. Meine Aufsichtsratstätigkeit ist rein ehrenamtlich, niemand wirft mir persönliche Bereicherung vor. In Bezug auf die BG verbreitet nur Herr Petzoldt irgendwelche Gerüchte. Mit der SPD haben diese Vorgänge rein gar nichts zu tun. Im übrigen ist Herr Schramm nicht zurückgetreten, er wurde abgewählt und hat seinen Posten als Bezirkstagspräsident behalten."

"Fulminanter Wahlsieg"

Wir haben darauf verwiesen, dass sich die SPD auf Talfahrt befindet, bei den Kommunwahlwahlen auf 18,91 Prozent abgestürzt ist, die Partei nur noch drei Bürgermeister stellt - und Aures gefragt, ob sie sich nicht in der Verantwortung sieht, nicht Konsequenzen ziehen müsste. Aures verweist hier auf den "fulminanten Wahlsieg" von Ingo Lehmann bei der OB-Wahl. Außerdem habe die SPD nicht nur im Kreis, sondern bundesweit massiv an Zustimmung verloren.

Erneute Landtagskandidatur?

Ob sie bei der Landtagswahl 2023 mit dann 67 Jahren kandidieren wird? "Wenn ich theoretisch 2023 wieder antreten würde, wäre ich nach dieser Amtszeit dann genauso alt wie unser Landrat Söllner in der laufenden Periode", sagt Aures und weiter: "Ansonsten ist dies eine Frage, die mit den zuständigen Parteigremien zu gegebener Zeit besprochen wird."

Gibt es eine "Inge-Hörigkeit"?

Zum Vorhalt, dass ihr parteiintern ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen wird ("Was Inge sagt, wird gemacht"), sagt sie: " Wer behauptet so etwas? Ich kenne diesen Vorwurf nicht. Ich habe in meiner langen politischen Laufbahn immer einen sehr kollegialen Führungsstil gepflegt. Falls mein kollegialer Stil - einem Mann - nicht gefällt, ist das schade. Es ist völlig normal, unterschiedliche politische Ansichten zu haben, aber es ist bedauerlich, wenn anonym völlig vage persönliche Vorwürfe erhoben werden."