Auch wenn es auf der Bühne den ganzen Abend ums Älterwerden ging: Wer sein Programm mit einem Jodel-Reggae beginnt und mit einem inbrünstigen Liebeslied beendet, der ist noch weit vom Siechtum entfernt. Zum dritten Mal gastierten "D'Raith-Schwestern und da Blaimer" im Kulmbacher Kleinkustbrettla in Untersteinach - und wiederum gelang es ihnen, mit ihrer Mischung von Volksmusik bis Funk das Publikum mitzureißen.


"Zwei Schnuckerl"

Diesmal hatten die Oberpfälzer Verstärkung mitgebracht. "Zwei Schnuckerl", wie Tanja Raith bei der Vorstellung sagte: der Daniel am Schlagzeug ("Der is sogor a Bachelor") und der Thomas am Bass ("a Preiß").

Susanne Raith, Tanja Raith und Andreas Blaimer machen eine volkstümliche Mischung. Musik, die die Generation um die 50 in deren Sturm- und Drangzeit bewegt hat, steht im Vordergrund. Das kommt an, und man sieht, wie Haarkränze und schütteres Haupthaar - zurückhaltender als früher, aber immer noch vehement - im Takt der Musik mitwippen.

Tanja Raith spielt zwischendurch mit den Erinnerungen und dem gegenwärtigen Zustand der Fünfziger. Bei den kabarettistischen Einlagen geht es um Wärmepflaster und inzwischen weniger verträgliche Speisen. Um teil- und komplettsanierte Frauen. Und darum, ob man mit den Unterhaltungsgepflogenheiten der Gegenwart überhaupt noch zurechtkommt oder doch lieber den Heimatkanal mit Altbekanntem vorzieht.


Eine Art Liebeserklärung

Es geht auch um inzwischen versteckte, aber immer noch vorhandene Leidenschaften, wenn Andreas Blaimer zwischendrin den Rockmusiker hervorkehrt, seine inzwischen hüftlange, wenn auch grau gewordene Mähne öffnet und für ein paar Minuten die künstliche Hüfte ignorieren kann. Dann kehrt er gleich zurück in seine Rolle als untertänige Ehehälfte von Tanja Raith, die ihn vielleicht deswegen immer noch schätzt. Sie stehe halt auf Altertümliches, sagte sie - eine Art Liebeserklärung.

Er schluckt's und gibt das Kompliment zurück. Seine musikalisch-kabettistische Ader hat er behalten. Und damit auch die beiden Raith-Schwestern beeinflusst. Bereits mit vier Jahren sind sie mit ihrer Mutter einst von einer zur anderen Volksmusikveranstaltung gezogen. "Grod raus" singen sie heute noch. Kräftig - und perfekt eingespielt. Auch bei geschlossenen Augen. Unbeugsam orientieren sie sich nicht am seichten Mainstream, um zu gefallen.

Bei den Schwestern mit den unvergleichlich schönen Stimmen und dem Blaimer mit der langen Mähne geht es in ihren Songs um die großen Themen im Leben: die Liebe und die Musik - und natürlich auch um den Spaß. Sie schreiben ihre Lieder selbst. Authentische, ehrliche bayerische Popmusik.


Ende der Dirndlzeit

Die Schwestern haben aber - dem Blaimer sei Dank - inzwischen das Dirndl ausgezogen, sind textlich und musikalisch charmanter und vielseitiger geworden und haben sich von den deftigen Wirtshausliedern ihrer Anfangszeit verabschiedet. Musikalisch fehlt sich da nix. Auch nicht bei den zwei Schnuckerln im Hintergrund.