Ein sehr reizvoller und malerischer Weg in Kulmbach Stadt ist die Spitalgasse. Sie führt vom Marktplatz zur Fischergasse und zur Sutte. Die Spitalgasse gehört zu den ältesten Straßen der Stadt und war eine wichtige Handelsstraße nach Norden hin bis Kronach und nach Osten über Münchberg d bis Hof. Hier befand sich auch die steinerne Brücke über den Weißen Main.

Das Spital (Krankenhaus) hatte hier seinen Platz, und zwar außerhalb der Stadtmauer, um bei ansteckenden Krankheiten die Bevölkerung zu schützen. Daneben befand sich eine Kapelle, die der heiligen Elisabeth geweiht war. Ehefrau von Ludwig von Thüringen starb 1231.


Spital ist uralt


Urkundlich wird das Spital erst 1436 erwähnt, es ist aber mit Sicherheit älter. Heimatforscher Hans Edelmann meinte, es müsse noch vor der Stadterweiterung entstanden sein, da es sonst seinen Platz weiter draußen vor der Stadt gehabt hätte.

Aber ein anderes Bauwerk in der Spitalgasse soll heute unsere Aufmerksamkeit erhalten. Lange Jahre versteckte es sich hinter Bürgerhäusern, erst durch den Abriss dieser Gebäude konnte es einen Teil seines Geheimnisses zeigen.

Es handelt sich um einen Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung beim Weißen Turm. Um die Sicherheit des Tores zu verbessern, wurde nach dem Bundesständischen Krieg ein weiteres Tor außerhalb des alten errichtet und dadurch eine Zwingeranlage hergestellt.


Zusätzlicher Schutz


Die Torzwinger, gelegentlich auch Barbakane genannt, entstammen dem Versuch, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf die Feuerwaffen zu reagieren, indem man den Toren gut zu verteidigende zusätzliche Wehr- und Schutzbauten vorschaltete.

Der in klassischer Manier runde Bau, aus Bruchsteinen errichtet, diente als Bastion für das Richten der dort auf den Plattformen frei aufgestellten Kanonen. Der obere achteckige Aufbau aus glatt behauenen Sandsteinquadern wurde erst später aufgestockt.

Im Gegensatz zum Torzwinger stand eine Barbakane mit der Ringmauer nicht oder nur teilweise in Verbindung und wurde nicht selten jenseits des Grabens oder Flusses errichtet. Der vorgelagerte Turm war zur Stadt hin offen. Ein Feind, der diesen erobern wollte, hätte keinen Schutz gefunden. Er hätte vielmehr von der Stadtmauer und vom Weißen Turm aus bekämpft werden können. So war diese Ecke der Stadtbefestigung zwischen Röthleinsberg und Grabenstraße besonders stark gesichert.


Starke Grundmauern

In dem 1597 angelegten Lehenbuch der Stadt Kulmbach wird von einem 1568 aufgerichteten Tor berichtet. Dieses ist nach dem "verderblichen Markgräfler Krieg mit 2 Wohnungen bebauet die ein erbar Rat um Zins vermietet und hinleiht, daran sind zwei Türme, einer der Rote Turm genannt, welcher zur Bürgerstrafe genutzt werde und ein hoher weißer Turm auf gemeine Stadtkosten gebaut".
Möglicherweise stand auf der anderen Seite des vorgelagerten Tores ein weiterer Halbschalenturm. Vor Jahren stieß man bei Bauarbeiten auf sehr starke Grundmauern in diesem Bereich.
Die Benennung des Spitaltores als "Veitentor" dürfte sich auf den im Torhaus wohnenden Torwart Veit Teufel beziehen. Das äußere Tor hatte eine Überdachung, ein Häuslein in dem der Torwärter wohnte.


Der "Ammfrau Herberg"

Dieser äußere Turm, in den Aufzeichnungen auch der "Rote Turm" genannt, wurde zur Bürgerstrafe, also als Art Gefängnis genutzt. Gegenüber stand der "Ammfrau Herberg", also die Wohnung der städtischen Hebamme. Auch der Marktmeister lebte dort. Hier war also eine wichtige Stelle im Leben der Bürger.
Dieses um 1795 abgebrochene Spitaltor stand am Ende der Spitalgasse. Bei dem Namen "Roter Turm" muss man aber beachten, dass es in Kulmbach drei Türme mit dieser Bezeichnung gab. Neben unseren gerade betrachteten natürlich den bekannten am Röthleinsberg und einen Turm neben der Hohen Bastei der Plassenburg.
Zu dem Torzwinger gehörte der Weiße Turm. Zu dessen Dachaufbau gehört eine Welsche Haube mit einer schlanken Laterne als Abschluss. Der Treppenaufgang ins Obere Geschoss geht durch einen nebenstehenden Anbau. Er ist durch eine starke Mauer mit dem Roten Turm auch heute noch verbunden.


Als Bürgerloch genutzt

Der Weiße Turm war zusammen mit dem benachbarten Bürgerloch nicht nur ein Teil der Stadtbefestigung, sondern wurde auch bei einer "Überbelegung" dieses Gefängnisses für Bestrafungen genutzt. Zu seinem Bau wurde auch angeblich Branntwein verwendet, da die Bauarbeiter der Meinung waren dass dann der Mörtel besser hält, darum wird er im Volksmund auch Schnapsturm genannt.
Da dieser Turm seit 1568 hält, wäre es vielleicht besser gewesen, beim Bau der alten Tiefgarage unter dem Zentralparkplatz auch auf dieses Mittel zurückzugreifen ...