Efeu hängt in dichtem Bewuchs über den Mauern. Am Eingang zur Bunkeranlage wimmelt es von Stechmücken, die auch auf den ersten Metern in das feuchte Gemäuer die Wände in dichten Schwärmen bevölkern. Nach wenigen Metern sind die Blutsauger aber verschwunden. Kein Tageslicht dringt mehr in den Gang, der in die Mainleuser Unterwelt führt. Mit Sebastian Türk von den Geschichts- und Heimatfreunden gehen wir auf Entdeckungstour.

Man sieht die Hand vor Augen nicht: Taschenlampen sind unabdingbar im Bunker, dessen Geschichte schon vor mehreren Jahrhunderten beginnt. "Bereits um das Jahr 1752 finden sich erste Aufzeichnungen in den Archiven wieder", berichtet der 31-Jährige von seinen Recherchen.

Demnach hatten die beiden Gastwirte Putschky und Bayer für die Belegung gemeindeeigener Felsenkeller je sechs Kreuzer pro Jahr zu zahlen. Auch in den folgenden Jahrhunderten wurden die Keller hauptsächlich von Gastwirten als Bier-, Brau- und Lagerkeller genutzt.

Doch im 20. Jahrhundert sollte sich das ändern. 1944, unter dem Kommando der Organisation Todt, die unter anderem auf der Plassenburg ansässig war, wurden die Keller erweitert und zu einem Luftschutzbunker nebst befestigtem Eingang und Notausgang ausgebaut.

Im Licht der Taschenlampen wird die Funktionalität des Bunkers auch nach einem knappen Jahrhundert noch sichtbar. Dort, wo einst Bänke in den langen Gängen standen, sind noch Verstrebungen zu sehen. In einem Raum sind Halterungen für Schwerlasten erkennbar. "Was dort gelagert wurde, ist unklar", sagt Sebastian Türk.

Größtenteils sind die bis zu fünf Meter hohen Gänge in den Fels gehauen, anderenorts wurde mit Backsteinen gemauert. Oft muss man durch Pfützen waten. Nach einem Regen dauert es Tage, bis sich das Wasser seinen Weg durch den Sandstein bahnt und durch die Decke tropft. In einem Raum steht das Wasser 15 bis 20 Zentimeter hoch.

Es ist kühl in der Dunkelheit, aber: "Man muss sich vorstellen, dass sich hier 2000 Menschen drängten", erzählt Sebastian Türk. Dann sei es wohl drückend stickig gewesen durch die vielen Schutzsuchenden.

1944 war Mainleus auf den Plänen der alliierten Bomberverbände aufgetaucht, nachdem Teile der Kugellagerfabrik Schweinfurt unter dem Namen "Ostwerke" in die Gemeinde ausgelagert wurden. Zusammen mit den Luftschutzbunkern der Spinnerei bot die unterirdische Anlage Sicherheit für Arbeiter und Bevölkerung.

Auch während des Kalten Kriegs waren die Bunker einsatzbereit - sie sollten im Fall eines erneuten Kriegs wieder als Schutzräume dienen. Erst mit dem Ende der Sowjetunion wurde die Anlage nicht mehr benötigt und die Instandhaltung heruntergefahren. Bis heute ist der Markt Eigentümer des Bunkers.

"Es gibt noch unzählige spannende Geschichten direkt vor unserer Haustür, die wir Geschichts- und Heimatfreunde mit unserer Arbeit vor dem Vergessen bewahren möchten", sagt Sebastian Türk, als wir wieder die Bunkeranlage verlassen haben. Man darf gespannt sein ...