Seinen Namen wird das einstige Kultwirtshaus behalten, obwohl es keine Gastwirtschaft mehr ist. Die Kulmbacher sagen: der "Adler" - und meinen künftig das KU Hotel.

Nach fast zwei Jahren Stillstand tut sich seit einiger Zeit wieder was auf der Baustelle am Burghaiger Dorfberg. Die sanierte Fassade ist schon mal eine Augenweide. Nach Fenstern, Dach, Mauer- und Fachwerk ist jetzt der Innenausbau im Gange.


Komplizierte Baustelle

Eine Investorengruppe aus Ingolstadt und Mindelheim um Tobias Waltl realisiert in dem fränkischen Fachwerkgebäude ein Hotelkonzept, das fast ohne Personal auskommt. "In Ingolstadt und Mindelheim gibt es so was schon", erklärt Waltl auf Anfrage der BR. Er will die Verzögerung nicht überbewerten: "Es hat ein bisschen länger gedauert, aber wir werden's überleben." Bei so einer komplizierten Baustelle müssten eben "tausend Sachen" - Denkmalschutz, Bauvorschriften, Statik, Stellplätze - beachtet werden.

Das Konzept des KU Hotels funktioniert folgendermaßen: Die Zimmer kann man nur online übers Internet buchen; es gibt keinen Rezeptionsbetrieb. Der Zugang zum Zimmer erfolgt per Zahlencode, der dem Gast am Anreisetag via SMS oder E-Mail übermittelt wird. Auch besondere Wünsche - frische Handtücher zum Beispiel - kann man im Internethotel nur per E-Mail äußern. "Wir haben lediglich einen Reinigungsdienst, der sauber macht", erläutert der Investor. Aufgrund der niedrigen Personalkosten seien die hochwertig ausgestatteten Zimmer auch besonders günstig.


Angst vor Diebstahl?

Hat Waltl keine Angst vor Diebstahl oder Vandalismus? Nein, sagt er, das Haus sei gut gesichert. "Und wenn einer was klauen will - wir haben überall Kameras."

Der Eröffnungstermin des Boardinghauses ist nach Waltls Angaben verschoben worden: nicht im September, wie es auf der Internetseite heißt, sondern erst im November. Aber Zimmer können bereits gebucht werden. Auch wenn jemand länger bleiben will, was mit einem Preisnachlass verbunden ist.


"Saubere Ansicht"

"Wir bauen des Haus ordentlich um. Es wird ein schönes, nettes, kleines Hotel", sagt Waltl zum neuen "Adler". Derzeit werden die Außenanlagen hergerichtet. Ende des Monats soll die Einfahrt asphaltiert werden. "Dann bekommt alles eine neue, saubere Ansicht."

Bis zur kompletten Fertigstellung des gesamten Objekts wird nach seinen Worten noch einige Zeit ins Land gehen. Er rechnet mit eineinhalb bis zwei Jahren. Waltl: "Wichtig ist, dass das ganze Areal geil ausschaut."
Probleme gab es mit dem früheren Wirtshaussaal, wo zuletzt eine Schreinerei ("schaut noch aus wie Sau") beheimatet war. "Mit der geplanten Gastronomie wird es nichts. Wir hatten einen Interessenten, der aber abgesprungen ist", sagt der Mindelheimer. Nun habe man umgeplant. Zu den 18 Zimmern im Haupthaus kämen noch zehn Zimmer im Nebengebäude dazu - mit einem separaten Eingang über einen Außenaufzug.

Der Geschäftsführer der Wagner Möbel Manufaktur in Mindelheim, die die Innenausstattung des Hotels übernimmt, will auch die alten Bierkeller der bis Anfang des 20. Jahrhunderts existierenden Brauerei Pöhlmann herrichten und vermieten. Aber dafür fehlt ihm ebenso noch ein Interessent wie für die Scheune oder "Tenne" im rückwärtigen Bereich, wo früher Familienfeiern stattfanden.


Noch Zukunftsmusik

Für die "Tenne" hat Waltl folgende Vorstellung: "Nach meiner Ansicht fehlt in Burghaig ein Nahversorger, so ein kleiner Edeka. Da muss ich einen Betreiber finden." Die Lage sei ideal, leicht anzufahren für die Kunden. "Und es hätte den Charme, dass man durch die Hotelgäste schon einen gewissen Umsatz hat." Das alles ist jedoch noch Zukunftsmusik.