Die Watsch'n, die er einem 58-jährigen Mann auf dem Aldi-Parkplatz in Mainleus verpasst hat, wird ein 46-Jähriger aus dem westlichen Landkreis wohl sein Leben lang nicht vergessen. Denn der Schlag, nach dem beim Getroffenen vorübergehend "die Lichter ausgingen", kam ihm vor Gericht teuer zu stehen.


Mit Einkaufswagen berührt


Im Rahmen eines "Täter-Opfer-Ausgleichs" hatte der Angeklagte bereits ein Schmerzensgeld von 1000 Euro gezahlt und weitere Nebenkosten in Höhe von 441 Euro übernommen. Doch damit nicht genug: Mit der Einstellung des Verfahrens, dem Richterin Sieglinde Tettmann ebenso zustimmte wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Bayreuth und Verteidiger Rechtsanwalt Ralph Pittroff, war eine Geldauflage von 3000 Euro verbunden.

Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen. Im Februar hatte einer der beiden Beteiligten den anderen mit seinem Einkaufswagen im Kassenbereich des Mainleuser Aldi-Marktes touchiert. Ob nun rein versehentlich oder doch absichtlich, da gingen die Meinungen der beiden Kontrahenten auseinander. Die verbale Auseinandersetzung schaukelte sich schnell zu einem richtigen Streit hoch, der mit besagter Körperverletzung auf dem Parkplatz endete.


Grundlos zugeschlagen


Die Staatsanwaltschaft Bayreuth warf dem Angeschuldigten vor, seinem Gegenüber grundlos mit der flachen Hand so massiv in das Gesicht geschlagen zu haben, dass dieser zu Boden fiel und dabei noch über einen Roller stürzte. Für einen Moment war der Geschädigte sogar bewusstlos.
Die Folge waren Prellungen am Rücken und im Gesicht, Taubheitsgefühle und Druckschmerzen. Der Vorwurf lautete auf körperliche Misshandlung.

Der Beschuldigte versuchte dem Gericht klarzumachen, dass der Auslöser für sein Handeln verbale Beleidigungen des Geschädigten wie "Halt die Klappe" oder "Halt die Fresse" gewesen seien, nachdem er ihn gefragt habe, warum er ihm mit den Einkaufswagen in die Beine gefahren sei.
Der Geschädigte meint, wenn eine Berührung mit dem Einkaufswagen erfolgt sein sollte, dann sei diese rein zufällig gewesen. Er habe sie überhaupt nicht wahrgenommen.


In der Weg gestellt


Auf dem Parkplatz habe der Angeklagte dann auf ihn gewartet. "Er stellte sich mir dann mitten in den Weg und ich sagte nur, er solle mich in Ruhe lassen." Mit der Ruhe sei es dann plötzlich vorbei gewesen, denn er habe ohne Vorwarnung eine "auf die Zehn" kommen. An den Folgen der Verletzung leide er noch heute.

Der Angeklagte hatte sein Opfer damals angezeigt, das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Ein 29-jähriger Polizeibeamter konnte keine neuen Erkenntnisse in die Verhandlung einbringen.


"Er hat mich beleidigt"


Auf die Frage von Richterin Sieglinde Tettmann, warum er auf dem Parkplatz gewartet habe, entgegnete der Geschädigte: "Er hat mich beleidigt!" "Das nächste Mal sollten Sie klüger sein", empfahl ihm Richterin Tettmann.Sie schlug vor, das Verfahren einzustellen.

Nach einer kurzen Verhandlungspause stieß der Vorschlag bei allen Beteiligten auf Zustimmung. Der Angreifer muss die 3000 Euro in sechs Raten an die Hilfseinrichtung "German Doctors" leisten.