Die Großfamilie Purucker ist zu bewundern. Einen kleinen Bauernhof mitten in Wirsberg hat sie in einen stattlichen Betrieb mit Hofmetzgerei, Hofladen und Weiderinderhaltung verwandelt. Jüngstes "Kind" ist ihr Erlebnis-Bauernhof, der vom Mitmachen lebt.

Inzwischen setzen die Kinder und Enkel von Rudolf (71) und Traudl Purucker (69) die Aufbauarbeit ihrer Eltern und Großeltern mit großer Leidenschaft fort. Und sie bringen neue Ideen ein, wie zum Beispiel Tochter Martina, die sich ein Jahr lang zur Erlebnis-Bäuerin ausbilden ließ.

Das Geheimnis des Erfolgs

Das Geheimnis des Erfolgs: Die Puruckers halten zusammen. Die "gute Seele" des Betriebs ist nach wie vor Traudl Purucker, die nach der Hochzeit mit Rudolf gleich das Zepter in die Hand nahm. Auf ihre vier Kinder ist sie sehr stolz, drei helfen auf dem Hof mit. "Es ist ja nicht überall der Fall, dass die Kinder mitmachen, man darf niemanden dazu zwingen. Unser Thomas ist eines Tages von sich aus zu uns gekommen und hat gesagt, dass er die Landwirtschaft weiterbetreiben will."

Was Traudl Purucker an ihrem Sohn besonders schätzt, sind seine handwerklichen Fähigkeiten. Als "Baumeister" hat er mit weiteren Familienangehörigen alle Gebäude in Eigenleistung errichtet.

Aus kleinsten Anfängen

Aus kleinsten Anfängen heraus hat sich aus einer ursprünglichen Weberei ein landwirtschaftlicher Betrieb an der "Insel" entwickelt. Großvater Georg Purucker gehörte einst der letzte Zuchtstier von Wirsberg. Rudolf und Traudl führten den Betrieb im Nebenerwerb weiter und bauten ihn nach und nach aus. Auch eine Pension mit Fremdenzimmern entstand. Als nach der Wende die Berliner Gäste ausblieben, entschieden sich die Puruckers, auf einem zweieinhalb Hektar großen Grundstück in der "Au" eine Erdbeerplantage anzulegen. Tochter Martina Pietsch erinnert sich: "Das mit den Erdbeeren ging zehn Jahre richtig gut, aber wir waren zu klein, um eine Beregnungsanlage anzuschaffen und zu groß, um die Erdbeerpflanzen mit der Hand zu gießen." Was hinzukam: Die Erdbeerpflanzen erforderten einen hohen Arbeitseinsatz.

Sohn Thomas erlernte zunächst den Beruf des Kraftfahrzeugmechanikers, doch irgendwann merkte er, dass es ihn mehr zur Landwirtschaft hinzog. Mit fünf Mutterkühen fing er in der "Au" an, heute hält er dort rund 80 Weiderinder. Die Entscheidung, die Hofstelle an der "Insel" ganz aufzugeben und die gesamte Viehhaltung in die "Au" zu verlagern, war im Familienrat sehr schnell getroffen, zumal ein Großbrand im August 2005 die gesamten Stallungen vernichtet hatte. An der "Insel" entstanden Garagen und eine Werkstatt.

Neue Standbeine

Thomas Purucker erkannte aber auch, dass die Viehhaltung allein nicht so viel Gewinn abwarf. Er entschied sich für eine Ausbildung zum Hausmetzger und legte damit den Grundstein für die Hofmetzgerei und den Hofladen an der "Insel" - ein wichtiges neues Standbein für den Betrieb. In gleichem Maße expandierte auch der landwirtschaftliche Betrieb mit inzwischen über 80 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.

Im Hofladen werden hausgemachte Spezialitäten und regionale Delikatessen angeboten. Vorwiegend natürlich Fleisch- und Wurstwaren sowie Marmeladen, Beerenweine und Eierlikör aus eigener Herstellung. Daneben aber auch Käse, Nudeln, Honig und weitere heimische Köstlichkeiten. Längst ist die Hofmetzgerei zudem für ihren ausgezeichneten Partyservice und ihre gute Küche bekannt.

Zahlreiche Gäste genießen das alljährliche Hoffest, das heuer wegen Corona ausfallen musste. Inzwischen werden auf dem Hof auch Heidelbeeren angeboten. Hier werden vor allem die Jüngsten der Großfamilie Purucker eingesetzt, "ob sie wollen oder nicht", wie Martina Pietsch scherzhaft feststellt.

Eine weitere einträgliche Nische ist der Erlebnis-Bauernhof. Hier sollen die Kleinsten durch die Erlebnispädagogik zum bewussten Denken und Handeln angeregt werden. Sie erfahren, wie gesunde Lebensmittel produziert werden, und lernen, wie man Ressourcen schonen und Verantwortung für die Natur und die Tiere übernehmen kann.

Bauernhof als Erlebnis

Traudl Purucker hatte ihre Vision kaum ausgesprochen, entschloss sich ihre Tochter Martina, eine Ausbildung zur Erlebnis-Bäuerin zu beginnen. Eine pädagogisch wertvolle Arbeit. Ein Bauernhof ist ein idealer Ort, um mit allen Sinnen zu lernen und aktiv zu sein. Schüler erleben die Produktion der Lebensmittel hautnah und können Landwirtschaft, Natur und Umwelt besser begreifen. Angeboten werden neben einem Ferienprogramm auch Kindergeburtstage.