Es war eine grausame Entdeckung, die Jagdvorsteher Gerhard Wehner und Jagdpächter Ralf Suske vor wenigen Tagen am Kauerndorfer Berg machten: Die beiden haben ein trächtiges Reh gefunden, das zu Tode getrieben worden ist, und zwei kleine Rehkitze, die kurz vor der Geburt standen und im Mutterleib verendet sind. Wehner geht davon aus, dass ein größerer Hund das Reh gut 20 Meter durch ein Getreidefeld getrieben hat, bis es am Wegesrand den Kampf ums Überleben aufgeben musste.

Die Stadtsteinacher Polizeiinspektion hatte ihn am Sonntag gegen 17.30 Uhr davon in Kenntnis gesetzt, dass am Kauerndorfer Berg, genauer gesagt am "Stränglein", ein totes Reh am öffentlichen Feld- und Waldweg liegt. Wehner verständigte daraufhin die Jagdpächter Frank Hömberg und Ralf Suske, die erst am 1. April die Jagd von Johann Hunger und Dieter Escher übernommen haben.

Kulmbach: Hund hetzt Reh tot - Kitze verenden in Mamas Bauch

Gemeinsam mit Ralf Suske und Jagdbegeher Tobias Lenhardt traf man sich am Bergweg in Kauerndorf und machte sich auf die Suche nach dem toten Reh. Wehner: "Die Aktion gestaltete sich anfangs etwas schwierig, weil wir nicht genau wussten, wo wir suchen sollten. Eine Nachfrage bei der Polizei hat uns dann aber auf die richtige Spur gebracht. Wir haben das Reh, das mitten auf dem Weg lag, schon von Weitem gesehen." Es sei ein weibliches Tier gewesen, ein sogenanntes Rickenkitz.

"Im Getreidefeld haben wir eine Schleifspur von 20 bis 30 Meter Länge entdeckt, die so ungefähr einen dreiviertel Meter breit war", berichtet Wehner. Für ihn sei das ein Indiz dafür, dass das Reh einen Todeskampf erleiden musste. Für ihn war klar, dass es ein Hund gewesen sein muss, der das Reh von hinten angegriffen, gebissen und nicht mehr losgelassen hat. "Darauf deuten auch die Schleifspuren hin."

Der Jagdvorsteher ist sich sicher, dass es kein Wolf war, der das Tier in den Tod getrieben hat: "Ein Wolf geht an die Kehle. An der Kehle war aber überhaupt keine Verletzung." Er vermutet, dass dem Reh bei der Flucht die Kräfte ausgegangen sind und es einen Herztod erlitten hat. "Dieser Kreislauftod ist bei Rehen nicht unüblich, denn sie sind zwar schnell, haben aber keine große Ausdauer."

Tragische Entdeckung: Reh war trächtig mit zwei Kitzen

Als das tote Reh fachmännisch von Jagdpächter Ralf Suske geöffnet worden war, machte er eine tragische Entdeckung. Er sah zwei kleine Rehkitze, die in den nächsten Tagen das Licht der Welt erblickt hätten und im Mutterleib verendet sind. Gerhard Wehner: "Wenn wir schneller hätten reagieren können, hätten wir die beiden Rehkitze am Leben halten können. Eine halbe Stunde nach dem Tod der Mutter hätte vielleicht noch eine Chance bestanden."

Eigentlich wollte Jagdpächter Frank Hömberg den Fall zur Anzeige bringen. Von der Polizei erhielt er aber die Auskunft, dass ohne die Nennung eines Beschuldigten kein Anzeigeverfahren in Gang gesetzt werde. Gerhard Wehner kann nur mutmaßen, was für ein Hund die Tiere in den Tod getrieben hat. "Das Reh hat ein relativ großer, kräftiger und ausdauernder Hund gerissen. Denn die Schneisen im Getreidefeld lassen einen großen Kampf erahnen."

Auf die Schilder, die die Jagdgenossenschaft Kauerndorf an den öffentlichen Feld- und Waldwegen angebracht hat, weist er besonders hin. "Lieber Hundefreund, in unserem Jagdrevier gilt Wald und Wild vor Hund. Bitte nehmen Sie Ihren Liebling an die Leine für Ihre und die Sicherheit anderer", steht da. Wichtig ist Wehner, dass die Hauptwege von den Haltern nicht verlassen und die Hunde nicht quer durch den Wald geführt werden. Dass nicht alle Hundehalter einsichtig sind, zeigt eine Begegnung, die Wehner vor kurzem im Wald hatte. Er habe einen Hundehalter gebeten, den Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Dieser habe darauf verwiesen, dass er den Hund nicht an die Leine nimmt, weil dieser ausgebildet sei. Dazu sagt Wehner: "Ein Hund gehört zur jetzigen Zeit, in der überall Jungtiere unterwegs sind und in Nestern sitzen, an die Leine. Das ist das A und O."