Die beiden Brückenbauwerke, die im Zuge der Untersteinacher Ortsumfahrung der B 289 entstehen, sind aufgrund ihrer Höhe von 4,90 Metern zu niedrig, um eine spätere Oberleitung für die darunter liegenden Oberfranken-Bahntrasse (von Bamberg und Coburg über Lichtenfels und Kulmbach nach Bayreuth/Hof) zu ermöglichen. Diesen Fakt haben in den vergangenen Tagen und Wochen diverse Politiker und auch Vertreter mehrerer Kommunen, darunter Kulmbachs Landrat Klaus Peter Söllner (FW) als Sprecher der Interessengemeinschaft Elektrifizierung Oberfranken-Achse, heftig kritisiert.


"Nicht im Verkehrswegeplan"

Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) hat im Dezember in einem Antwortschreiben an Landrat Söllner, das der BR vorliegt, den Sachstand erläutert. Wie er mitteilt, sei die betreffende Bahnstrecke zum Zeitpunkt des straßenrechtlichen Planfeststellungsverfahrens (von 2006 bis 2009) nicht im Bundesverkehrswegeplan enthalten gewesen. "Daher hat die Bahn seinerzeit keine Forderung nach Berücksichtigung einer späteren Elektrifizierung gestellt", schreibt der Minister. Ansonsten hätte sich die Bahn bereiterklären müssen, die für eine größere lichte Höhe (benötigt würden mindestens 5,70 Meter) anfallenden Mehrkosten zu tragen.

Hierzu habe die DB mitgeteilt, eine Bestückung der Oberfranken-Achse sei derzeit in keiner aktuellen Ausbauplanung vorgesehen. Demnach könne auch, wie es heißt, "kein Verlangen" beim Bau der Überführungsbauwerke hinsichtlich einer Elektrifizierung geäußert werden. Herrmann weist darauf hin, dass auch im gültigen Bundesverkehrswegeplan die Elektrifizierung der Strecke noch im potenziellen Bedarf eingeordnet sei; der Bund prüfe jedoch, ob das Vorhaben in den vordringlichen Bedarf aufrücken kann.

Was aber ist nun mit den Brücken bei Untersteinach, die über die besagte Linie führen und von denen eine bereits fertig gestellt ist? "Im Vorfeld der bereits laufenden Bauarbeiten für die Ortsumgehung von Untersteinach hat die Straßenbauverwaltung mit der Bahn erst im vergangenen Jahr Kreuzungs- und Baudurchführungsvereinbarungen abgeschlossen, in denen ebenfalls eine lichte Höhe von 4,90 Meter festgelegt ist. Nach diesen Vorgaben aus der Planfeststellung sind die beiden Kreuzungsbrückenbauwerke geplant, ausgeschrieben und in Auftrag gegeben worden."

Herrmann merkt abschließend an, er bedauere, "dass die Bahn in diesem Fall versäumt hat, im Interesse einer zukunftsträchtigen Lösung rechtzeitig und vorausschauend die notwendigen Entscheidungen zu treffen, und ich stimme überein, dass die Bahn im Interesse einer zukunftsweisenden Infrastruktur alle technischen Möglichkeiten prüfen und ausschöpfen muss".
Herrmann wies aber zugleich darauf hin, dass im Verlauf der genannten Eisenbahntrasse diverse andere Brücken stünden, die ebenfalls nicht die für eine spätere Elektrifizierung notwendige lichte Höhe aufwiesen, die beim Bau einer Oberleitung von der Bahn angepasst werden müssten.


"Größte Diesel-Insel beseitigen"

Der Kulmbacher Kreistag hatte Ende November mit einem einstimmigen Beschluss die Bahn AG dazu aufgefordert, die Elektrifizierung der Schienenstrecke zu ermöglichen. Landrat Söllner hatte zeitgleich als Sprecher der Interessengemeinschaft an Minister Herrmann geschrieben und um Aufklärung gebeten. Die IG sieht dringenden Handlungsbedarf darin, die "größte Diesel-Insel" im deutschen Bahnnetz endgültig zu beseitigen. Die östliche Metropolregion Nürnberg nehme auf der Schienenstreckenkarte eine "negative Ausnahmestellung ein, da sich im Dreieck Hof-Nürnberg-Regensburg der größte nichtelektrifizierte Raum der Bundesrepublik erstrecke.
Daher lautet die klare Forderung: Sowohl die Franken-Sachsen-Magistrale als auch die Oberfranken-Achse müssten über den vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan 2030 sowie das Bundesschienenwegeausbaugesetz fest verankert und zugleich umgehend mit Planungs- und Infrastrukturmitteln ausgestattet werden.