Geschichtslosigkeit bedeutet Gesichtslosigkeit. Dieser Zusammenhang ist nur wenigen Menschen bewusst. Gefangen in ihrem Alltag, in ihren aktuellen Problemen und Aufgaben, haben sie nur ein geringes Interesse an historischen Themen. Und so kommt es, dass bedeutsame Ereignisse der Vergangenheit im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verblassen. Bis sie vollends verschwunden sind. Eine Kampfansage gegen eben dieses Vergessen kommt jetzt aus Untersteinach: Dort hat Dieter Geyer Geschichtliches und Geschichten aus seiner Heimatgemeinde in einem Buch zusammengetragen. Das rund 300 Seiten starke Werk gestattet einen Einblick in die Hintergründe und Entwicklung von Untersteinach und seines Ortsteils Hummendorf.

Ein besonderes Hobby

Dieter Geyer ist ein Mensch, den man gemeinhin als Hobby-Historiker beschreiben könnte. Wobei die Bezeichnung "Hobby" weit untertrieben ist. Denn der 67-Jährige Rentner saugt alles gierig auf, was er bekommen kann an alten Texten, Fotos, Erzählungen und Anekdoten über seine Heimatgemeinde.

Diese Leidenschaft ist so neu nicht: Schon als Schulbub hat er einen missionarischen Eifer an den Tag gelegt, wenn das Fach "Heimatkunde" auf dem Stundenplan stand. "Das zeigen schon die Einträge in seinen Schulheften, die er aufgehoben hat", schmunzelt Ehefrau Monika. Sie begegnet der Leidenschaft ihres Angetrauten mit einer engelhaften Geduld - zumindest meistens. "Manchmal nörgle ich schon rum, wenn er soviel Zeit da reinsteckt. Aber das meiste macht er ja von zu Hause aus", gibt sie sich versöhnlich. Eine Frau mit Verständnis braucht es schon, wenn man sich der Geschichtsforschung verschrieben hat. Seit 35 Jahren stöbert Dieter Geyer in der Heimatgeschichte, träg alles zusammen, was er bekommen kann. Zahlreiche Leitz-Ordner füllt das Material. Zu den Texten kommen noch historische Fotos - Momentaufnahmen, in denen ein flüchtiger Augenblick konserviert wird - für die Ewigkeit. Die digitale Archivierung der Fotos liegt schon seit Jahrzehnten in der Hand von Jürgen Dittebrand.

Ein gefragter Mann

Mit diesem großen Fundus im Rücken ist Dieter Geyer ein gefragter Mann, wenn es darum geht, die Historie längst vergangener Zeiten aufzuhellen. Und so hat er sich eingebracht, als es darum ging, eine Chronik zum 725-jährigen Bestehen der Gemeinde Untersteinach herauszubringen. Oder ein gleichartiges Druckwerk, als im Jahr 2008 Gumpersdorf sein 650-jähriges Jubiläum feierte. Dabei hilfreich zur Seite zu stehen, war für den Dieter eine Ehrensache.

Mit Zeitzeugen im Gespräch

Doch ein anderer Ortsteil ist in der Aufarbeitung bisher etwas zu kurz gekommen: Hummendorf. Also beschloss Dieter Geyer, sein Augenmerk auf diesen Ort zu lenken. Er sammelte Material und befragte Zeitzeugen, wie die 83-jährige Jette Schilling, die manche Anekdote und Begebenheit auf Lager hatte. Daneben zapfte Geyer noch viele andere Quellen an, wie etwa den in Würzburg wirkenden Klaus Rupprecht vom dortigen Staatsarchiv, den Kulmbacher Kastellan Harald Stark, Erich Olbrich vom Kulmbacher Stadtarchiv und viele andere.

Schicksalhafte Begegnung

Eine schicksalhafte Begegnung aber änderte die Pläne des Untersteinacher Heimatforschers: die mit dem Stadtsteinacher Kreisheimatpfleger Siegfried Sesselmann. Der ermutigte Dieter Geyer, einen Band herauszugeben: "Der Siegfried sagte mir: ,Da musst Du unbedingt ein Buch draus machen'." Aber: Ein derartiges Werk wäre für die 13 Hummendorfer Bewohner wohl etwas überdimensioniert ausgefallen. Deshalb beschloss man, die Arbeit auf den Hauptort Untersteinach auszudehnen.

Gesagt, getan. Am ersten Advent trafen sich die beiden Geschichts-Junkies zu einer Besprechung, von da an ging es Schlag auf Schlag. Siegfried Sesselmann stand seinem Untersteinacher "Kollegen" mit Rat und Tat zur Seite. Denn der ehemalige Rektor hatte bis dato selbst genügend Erfahrung gesammelt. Schließlich gab er bereits etliche Bücher mit geschichtlichen Betrachtungen aus dem alten Landkreis Stadtsteinach heraus. Und so entwickelte sich eine starke Arbeitsgemeinschaft. Dieter Geyer lieferte das Material, Siegfried Sesselmann brachte es an seinem Computer in Form, entwickelte das Konzept nebst Layout. Dies hört sich leichter an, als es ist. Immer wieder mussten Änderungen eingepflegt, mussten Beiträge neu umbrochen werden, wurde der Inhalt aktualisiert.

Nun aber sind die beiden Hobby-Historiker so weit vorangekommen, dass das Buch druckreif ist. Ende Februar kommt es auf den Markt, Bestellungen nehmen die beiden schon jetzt entgegen (siehe dazu den gesonderten Info-Kasten).

Wer das rund 300 Seiten umfassende Werk erwirbt, der erfährt Wissenswertes, Kurioses, Skurriles oder Anekdotisches. Beispielsweise über den letzten Schäfer oder die "Weechmacher", diverse Hausnamen, wilde Ehen oder einen Untersteinacher Geistlichen auf Abwegen. Aber auch ernste Themen bleiben nicht außen vor. Wie die zwei Todesmärsche durch die Gemeinde.

Eine Betrachtung widmet sich auch dem Schloss Guttenberg. Den dortigen Herren gehörte einst das Gut Hummendorf, ehe es den Besitzer wechselte. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Philipp Franz Freiherr von und zu Guttenberg eine Betrachtung für den neuen Band schrieb. Ein weiteres Vorwort steuerte Landrat Klaus Peter Söllner bei.

Auf rund 300 Seiten

Auf rund 300 Seiten kommt der Band mit dem offiziellen Titel "Heimatbuch der Gemeinde Untersteinach unter besonderer Berücksichtigung des ehemaligen Burggutes Hummendorf, welches einst bezeichnet wurde mit dem Zusatz "Zwischen den zwei Steinach gelegen." Dieser ausladende Titel mutet an wie eine Allegorie: Die Länge scheint direkt proportional zu sein zu den Anstrengungen des Verfassers.

Aber warum tut man sich eine solch mühselige Arbeit überhaupt an? "Ich will einfach nicht, dass Geschichte in Vergessenheit gerät," sagt Dieter Geyer dazu. Mit dem Buch ist er seinem Ziel sicher ein gutes Stück nähergekommen.

Hier ist das Buch erhältlich

Die historische Betrachtung über Untersteinach wird Ende Februar als Buch vorliegen. Wer das Werk erwerben will, wendet sich direkt an Dieter Geyer (Telefon 09225/ 6537; dimo.geyer@t-online.de) oder an Siegfried Sesselmann (Telefon 09225/ 6220; stanicher@gmail.com). Bei dem Band handelt es sich um ein Druckwerk "on demand". Das heißt, es werden so viele Bände produziert, wie geordert werden. Nachbestellungen sind nicht möglich. Der Preis richtet sich nach den Stückzahlen: Bei geringer Auflage beträgt er 35 Euro, bei höherer Auflage oder bei Unterstützung durch Spenden reduziert er sich auf 30 Euro.