Der hochrangige Offizier machte sich nun am Dienstag selbst ein Bild von der Situation und besuchte nach einem Informationsgespräch mit Landrat Klaus Peter Söllner (FW) die Karl-Herold-Seniorenwohnanlage in der Johann-Brenk-Straße. Nicht nur dort unterstützen Soldaten die Pflegekräfte. Das Heim ist die am härtesten von der Pandemie betroffene Einrichtung im Landkreis. Aber auch das Heim Am Rasen und die Pro-Seniore-Residenz in Wirsberg haben mit dem Virus zu kämpfen.

"Kulmbach hat Hilfe nötig", betonte der Generalarzt bei einem Pressegespräch im Landratsamt. Das Pflegepersonal in den Einrichtungen habe unter enormem Druck gestanden, als die Soldaten vor einer Woche eingetroffen seien. "Unsere Sanitäter können das einschätzen. Sie haben selbst pflegerische Berufe." Auch die Soldaten hätten Tage hinter sich, die sie an die Grenze der Belastbarkeit geführt hätten. "Trotzdem sind sie stolz, ihre Leistung für den Landkreis und den Staat erbringen zu können."

Er verwies zudem darauf, dass die Sanitäter nicht alleine im Einsatz seien, sondern noch durch "helfende Hände" aus der Truppe (Logistik, Administration) unterstützt würden. "Auch das ist etwas Besonderes, weil viele von diesen Leuten noch nie etwas mit dem Gesundheitssystem zu tun hatten." Hier finde ein Schulterschluss mit dem fachlichen Sanitätspersonal statt. Die Zahl der in den drei Heimen eingesetzten Soldaten sowohl im Bereich Pflege als auch bei den helfenden Hände beträgt jeweils 27.

Besonders freute sich Generalarzt Most über die Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen vor Ort. Mit dem BRK habe man sofort in Kontakt gestanden, das die Soldaten bestens untergebracht und versorgt habe.

Wie lange die Soldaten noch in Kulmbach im Einsatz sein werden, das ließ der hochrangige Offizier offen. Sicher ist bislang nur bis 28. Januar. Bis dahin werde man auch mitverfolgen, wie sich die Situation beim zivilen Pflegepersonal weiter entwickle und dann entscheiden. "Wenn die Schwere der Lage unverändert anhält, fließt das in die Lagebeurteilung mit ein, und die Hilfe wird entsprechend verlängert."

Er wies darauf hin, dass auch andere Regionen wie Ost-Sachsen Unterstützung benötigen. Dort befänden sich Soldaten im härtesten Covid-Einsatz.

Im Einsatz in der Karl-Herold-Seniorenwohnanlage ist Hauptfeldwebel Martin Joachim, selbst examinierter Altenpfleger, ehe er zur Bundeswehr kam. Er erklärte, dass die Soldaten voll in die Pflege eingebunden sind. "Wir reichen Essen, wechseln Inkontinenz-Material. Versorgen, verpflegen. Wir unterstützen die alten Menschen, wo wir können."

Die Lage sei stabil, trotzdem eine Ausnahmesituation. "Es sind viele, die Sauerstoff benötigen." Er lobte die Zusammenarbeit zwischen Zivilisten und Militär. "Wir haben uns wirklich gut gefunden." Egal, was man benötige, es stehe sofort zur Verfügung. Angefangen von Handschuhen bis zu Schutzanzügen. Es gebe Unterstützung in jeglicher Art. Die Soldaten fühlten sich in Kulmbach gut aufgehoben, auch was Verpflegung und Unterbringung angehe.

Die erste Woche hätten die Kameradinnen und Kameraden 14-Stunde-Tage absolviert. "Das war schon sportlich. Aber die Motivation war selbst in der 14. Stunde hoch." Inzwischen sei man auf acht Stunden zurück. Auch viele Pflegehelfer seien im Einsatz, denen er ebenfalls Anerkennung zollte.

Landrat Söllner betonte, dass das Engagement der Bundeswehr "die letzte Rettung" gewesen sei, nachdem der Kreis alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft habe. Dass es eine so umfassende Hilfe geben würde, damit habe er nicht gerechnet.

Die Bundeswehr leistet Söllner zufolge Großartiges, "da bahnt sich vielleicht eine Freundschaft über die schwierige Zeit hinaus an", erklärte er und sagte an den Generalarzt gewandt: "Wir werden Ihre Hilfe nie vergessen."

Kerstin Lobe ist eigentlich bei der Awo als Einrichtungsleiterin der Herbert-Kneitz-Kindertagesstätte in Wirsberg tätig. Seit 1. Januar hilft sie in der Karl-Herold-Wohnanlage "wo sie gebraucht wird". Zu ihren Aufgaben gehört nicht die Arbeit an den Bewohnern, sondern das Desinfizieren von Flächen, Essenswagen richten, Spülmaschine ein- und ausräumen. Handlangerdienste, wie sie selbst sagt und die sie gerne erledigt.

An Weihnachten habe sie mitbekommen, "was los ist in den Heimen". Für sie sei es eine Frage der Menschlichkeit gewesen, sich zu engagieren. "Ich habe gewusst, dass ich nicht daheimbleiben und spaziergehen kann. Wenn ich einmal auf Hilfe angewiesen wäre, hoffe ich, dass es Menschen gibt, die mir auch helfen", sagt die Kulmbacherin.

Bevor die Bundeswehr gekommen sei, sei es für sie fast unerträglich gewesen, zu sehen, wie schwitzende Pfleger durch die Gegend gerannt seien und ihr Möglichstes getan haben. Die Angst vor einer Ansteckung hatten und trotzdem zu ihrem Arbeitsplatz gegangen sind. Das habe sie nochmals motiviert, mitzumachen. "Auch ich habe Angst, das ist keine Frage." Doch die habe sie zurückgestellt.

Mit dem Eintreffen der Bundeswehr habe sie eine Entspannung gespürt. Nicht weil der Arbeitsaufwand weniger geworden wäre, sondern weil jetzt Menschen da seien, die zulangen könnten. Die Soldaten würden nicht hinterfragen, sondern einfach handeln, und das mit einer Disziplin und Menschlichkeit, die sie fasziniere. JG