Dürfen auch die Kulmbacher bald wieder in den Biergarten gehen? Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat ab nächster Woche Öffnungsmöglichkeiten für die Außengas­tronomie in Aussicht gestellt, wenn die regionale Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt - mit Tests und Terminvereinbarung. Es ist für die in der Corona-Krise arg gebeutelte Branche ein Hoffnungsschimmer - allerdings mit vielen Unwägbarkeiten, wie der Thurnauer "Schlossbräu"-Wirt Frank Bauer im Interview betont. Wie er ahnen viele Gastronomen, dass es noch einige Zeit dauern könnte, bis der Landkreis Kulmbach konstant unter der Zahl 100 ist.

War die Freude groß, als Sie von der Nachricht aus München gehört haben?

Frank Bauer: Ich habe mich schon darüber gefreut, dass endlich mal ein positives Signal für die Gastronomie gekommen ist. Riesengroß war die Freude aber nicht, weil wir überhaupt noch nicht durchblicken, was wann wo überhaupt möglich sein kann.

Es heißt, eine Öffnung ist möglich, wenn die regionale Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt. Kulmbach nähert sich zurzeit der 100er-Marke. Laufen bei Ihnen die Planungen schon an?

Wir stehen seit Monaten Gewähr bei Fuß. Die Politik hat uns bis dato wie viele andere Geschäftsleute in den verschiedensten Bereiche leider hängen lassen. Eine Öffnung zu einem konkreten Termin plane ich nicht, weil ich ehrlich gesagt nicht mal weiß, wie viele Tage der Wert unter 100 sein muss, damit in Kulmbach geöffnet werden darf. Es gibt viele Unwägbarkeiten. Ich glaube, dass die meisten Kollegen aus dem Landkreis das genauso sehen.

Mit welchen Problemen sind Sie als Gastwirt konfrontiert?

Es ist kein einfaches Unterfangen, eine Öffnung von heute auf morgen umzusetzen. Wir müssten unser Personal ja erst einmal aus der Kurzarbeit holen. Ich weiß gar nicht, ob das so kurzfristig möglich wäre. Und dann stellt sich mir die Frage, was passieren würde, wenn wir nach ein paar Tagen wieder schließen müssten. Dann müssten wir sicherlich die ganzen Anträge erneut stellen.

Was eine schnelle Öffnung außerdem erschwert, ist die Tatsache, dass die Lieferanten uns erst mal Ware bringen müssten. Und wir müssten unser Hygienekonzept an die neuen Anforderungen anpassen, die wir ja noch nicht kennen.

Bei der Warenbestellung setzt ein Gastronom normalerweise auch auf Erfahrungswerte, die es in der Pandemie nicht gibt. Wie macht man das, zumal ja keiner weiß, ob viele Leute bereit sein werden, für eine Biergartenbesuch einen vorgeschriebenen Corona-Test zu machen?

Das Bestellen ist schwer, denn wir sind ja an eine Mindestabnahme gebunden. Die Brauerei fährt auch nicht wegen eines einzigen Fasses Bier zu uns nach Thurnau. Und bei verderblicher Ware wüsste ich ehrlich gesagt zurzeit gar nicht, was ich ordern soll, sollten wir öffnen dürfen. Man läuft ja Gefahr, Salat, Spargel oder auch Fleisch entsorgen zu müssen, wenn die Inzidenz im Landkreis Kulmbach dann doch wieder steigt und wir nach wenigen Tagen wieder zumachen müssten. Eine große Speisekarte könnte ich meinen Gästen bei einer Öffnung unter den Bedingungen nicht anbieten.

Haben sich bei Ihnen nach der Nachricht aus München schon Leute gemeldet, die einen Tisch reservieren wollten?

Es haben etliche Gäste angerufen, die ich vertrösten musste, weil ich nicht sagen kann, was in den nächsten Tagen passieren wird. Reservierungen konnte ich natürlich nicht entgegennehmen. Eine große Unbekannte ist im übrigen ja nicht nur die Sieben-Tage-Inzidenz, sondern auch das Wetter. Sollte die Witterung nicht mitspielen, macht die Außengastronomie logischerweise eh keinen Sinn.