Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad, wolkiger Himmel, leichter Regenschauer: Die Wetterprognosen für die kommende Woche sind alle andere als rosig. Ein Biergartenbesuch ist bei der Witterung wohl nur etwas für ganz Abgehärtete. Dabei wäre der nun ja auch im Landkreis möglich. Die Außengastronomie darf unter Einhaltung der Corona-Auflagen ab sofort öffnen, weil die Inzidenz in den vergangenen Tagen stabil unter 100 geblieben ist. Das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat die dazu erforderliche Genehmigung erteilt.

Nur 12 von 70

Doch nach vielen Wochen der Zwangsschließung hält sich der Jubel bei den Wirten trotz der Lockerung noch in Grenzen. Stephan Ertl, der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, hat die über 70 Mitgliedsbetriebe auf unsere Bitte hin angeschrieben und gefragt, ob sie öffnen werden. Gerade mal zwölf tragen sich mit dem Gedanken, wenn das Wetter mitspielen sollte, wie Ertl mitteilt. Der Blick richtet sich gen Himmel und auf die Inzidenz. Ertl: "Die Inzidenz kann auch schnell wieder auf über 100 springen. Dann würde ja die erneute Schließung drohen", so der Verbandssprecher, der weiß, dass die Ungewissheit viele Wirte zögern lässt. Was nicht verwundert, müsste doch vielfach Personal aus der Kurzarbeit geholt werden.

Die Frage bewegt

Und schwierig gestaltet sich zudem die Warenbestellung.Welche Mengen soll man ordern, wenn man nicht weiß, wie lange die Gaststätte offen bleiben darf? Eine Frage, die die Wirte bewegt.

Öffnen wollen, wenn das Wetter mitspielt, zeitnah folgende Mitgliedsbetriebe: "Stadtschänke", "Seelöwe", "Weinbrücke" und "Patchwork" (alle Kulmbach), Hereth (Windischenhaig, nur sonntags), "Fichtelgebirgshof " (Himmelkron), Herold (Heubsch), "Frankenwald" (Unterzaubach), Hereth und "Reiterhof" (Wirsberg), "Fränkischer Hof " (Mainleus) und "Weißes Rössel" (Stadtsteinach).

Frühestens am 22. Mai

Dass sie in den nächsten Tagen wirklich Gäste bewirten werden, glauben aber die wenigsten. Bei Arnd Fischer, der die "Stadtschänke" am Holzmarkt betreibt, kehrt beim Blick auf die Wettervorhersage Ernüchterung ein. "Dass wir die Außenbewirtschaftung vornehmen dürfen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir werden damit in der kommenden Woche aber noch nicht beginnen", sagt Fischer, der sich den 22. Mai als Ziel für einen Öffnungstermin setzt. "Aber auch nur, wenn dann das Wetter mitspielt." Es sei kein Leichtes, bei den vielen Unsicherheiten den Betrieb wieder aufzunehmen, weil sich das Personal noch in Kurzarbeit befindet. Weil man nicht wisse, ob zeitnah wieder eine Schließung kommt, müsse man bei der Warenbestellung mit angezogener Handbremse vorgehen. Die Anzahl der Gerichte, die auf der Speisekarte stehen, müsste dann auch reduziert werden.

Wenn man ins Kino darf

Was der "Stadtschänken"-Wirt nicht versteht? Warum unter Einhalt der Hygienevorschriften nicht auch die Innenbewirtung erlaubt wird. "Wenn man in Kinos und ins Theater darf, müsste man doch auch einen Gastraum aufsuchen dürfen."

"Was ist, wenn es zu regnen beginnt?"

"Bei 13 bis 15 Grad macht eine Außenbewirtschaftung keinen Sinn", sagt "Seelöwen"-Wirt Werner Glaser. "Wer will da draußen sitzen?", fragt der Wirt, der weiß, dass auf ihn bei der Außenbewirtung schnell ein Problem zukommen könnte. "Was macht man, wenn man das Essen serviert hat und es plötzlich zu regnen anfängt? Ich darf die Gäste ja nicht in die Wirtsstube lassen", sagt Glaser. Die Warenbestellung wäre ein Wagnis. "Ich lasse mir immer ganze Angusrinder vom Biobauern liefern. Wenn ich nicht weiß, wie lange man offen lassen darf, dann macht so eine Bestellung keine Sinn", erklärt Glaser, der hofft, dass bald wieder Alltag in der Gastronomie einkehrt.

"Da kommt es auch nicht mehr drauf an"

Der "Seelöwen"-Wirt übt sich in Geduld: "Jetzt durften wir so lange nicht öffnen. Da kommt es auf ein paar Tage mehr oder weniger auch nicht mehr an", sagt Glaser, der davon überzeugt ist, dass bei dem für die kommenden Tage prognostizierten Wetter eh kaum einer mit dem Gedanken spielen wird, einen Biergarten aufzusuchen.