Das Bild, das sich im Stadtzentrum bietet, ist oft trostlos. Kaum einer verläuft sich in die Innenstadt, in der Einzelhändler mit den Corona-Auflagen zu kämpfen haben. Während Bekleidungsgeschäfte, Schuhläden, Optiker und der Juwelier aber immerhin öffnen dürfen, mussten die Gastronomen ihre Rollläden längst wieder herunterlassen. Ob "Café Roberts", "Zunftstube", "La Dolce Vita" oder die Gaststätte "Zum Petz": auch rund um den Marktplatz sind alle Lokalitäten dicht.

Kommt der Ausgleich?

Viele Wirte setzen wie beim Lockdown im Frühjahr auf den Außer-Haus-Verkauf, der Umsatz bringt, die Verluste aber nicht ausgleichen kann. So auch "Petz"-Wirt Volker Pausch, der die ganze Woche über in der Küche steht ("Wir machen das auch, damit man nicht so viel Zeit zum Nachdenken hat"), bei dem das Geschäft aber nur am Wochenende richtig gut läuft. Normalerweise sei jetzt die Zeit, in der man sich einen wirtschaftlichen Puffer für die mauen Monate Januar und Februar schaffe. 2020 sieht das anders aus. Pausch hofft, dass er die vom Staat versprochene Ausgleichszahlung über 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahresmonat bekommt, ohne die es bei vielen eng werden könnte. "Man weiß ja nicht, was in den nächsten Monaten noch passiert."

"Doch dann kam Corona"

Die Wirte haben Existenzängste. Auch Oliver Weschenfelder, der das "Pachtwork" in der Grabenstraße betreibt. Wie die Lage ist? "Bescheiden", sagt der Gastwirt, der seit Jahren zu kämpfen hat. Nach der Ewigkeitsbaustelle am Eku-Platz, die eine große Belastung gewesen sei, sei das Geschäft gut gelaufen. "Doch dann kam Corona."

Finanzielle Unterstützung auf Dauer

Nach dem ersten Lockdown sei er mit dem Betrieb im Sommer zufrieden gewesen. "Wir haben uns etwas Speck angefressen, von dem wir aber nicht lange zehren konnten." Weschenfelder setzt auf den Außer-Haus-Verkauf und Lieferservice, klagt aber über ein Umsatzminus von 70 Prozent und macht deutlich, dass der staatliche Zuschuss unerlässlich ist. Den fordert der Gastwirt, der Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste, nicht nur für November ein. "Wenn wir bis zum Frühjahr Unterstützung bekommen, können wir vielleicht überleben." Was danach kommt? "Ich bin gespannt, ob sich die Leute überhaupt wieder in eine Kneipe trauen."

"Das lohnt sich nicht"

Wie Oliver Weschenfelder und Volker Pausch geht es vielen Wirten, die vor einer ungewissen Zukunft stehen und sich mit dem Abverkauf abmühen. Größere Gastronomiebetriebe stehen ganz still. Wie das Wirtshaus der Neudrossenfelder Bräuwerck AG. Der Außer-Haus-Verkauf lohne sich für ein lohnkostengeführtes Unternehmen wie das Bräuwerck nicht, sagt Vorstand Dieter Bauernfeind. Das Geschäft überlasse man dann auch gerne den familiengeführten Häusern in der Umgebung. Bier wird aber weiterhin verkauft, um die Brauerei am Laufen zu halten. Das landet nicht nur in den Getränkemärkten. Auch ein Abverkauf im Wirtshaus findet jeweils am Mittwoch (17 bis 19 Uhr) und Samstag (14 bis 16) statt.

Die "Frankenfarm" in Himmelkron hat seit März einen Millionenverlust geschrieben, auch weil keine Großveranstaltungen beliefert werden konnten. Die GmbH werden den zweite Lockdown aber gut überstehen, sagt Geschäftsführer Jürgen Stübinger. "Weil die Metzgerei gut läuft." Ob die "Frankenfarm" staatliche Hilfe bekommt, sei fraglich, weil es sich mit Gastronomie und Metzgerei um einen Mischbetrieb handelt, erklärt Stübinger, der über 40 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste. Am Wochenende wird im Wirtshaus ein Abholdienst angeboten, "aber mehr oder weniger auch nur, damit die Köche beschäftigt sind".

Pacht kann Bürde sein

Stübinger befürchtet, dass gerade Wirte, die keine eigenen Räumlichkeiten haben, vor schweren Zeiten stehen. "Wenn man drei Monate Pacht zahlen muss und keinen Umsatz macht, dann wird es eng." Bis Ende des Jahres sei die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt. "Dann wird man sehen, wer überlebt."

Blick schon auf 2022 gerichtet

Wann die Gastronomie die Corona-Krise überwunden haben wird? Große Hoffnungen auf 2021 setzt er nicht. "Da wäre ich schon zufrieden, wenn die Wirtschaft wieder einigermaßen läuft." Dass Veranstaltungen in der Event-Arena im früheren Halifax, die bis zu 1000 Gästen Platz bietet, abgehalten werden können, denkt er nicht. Auch für Events wie das Bierfest hat er für 2021 kaum Hoffnung. "Das nächste Jahr habe ich fast abgehakt. Wir bereiten uns auf 2022 vor, wenn die Durststrecke hoffentlich überwunden ist. Dann wollen wir gerüstet sein."

Wie viele gehen Pleite?

Dass es noch lange dauern wird, bis wieder Alltag herrscht, dem ist sich auch Stephan Ertl bewusst, der Vorsitzender der Kreisgruppe des Kulmbacher Hotel- und Gaststättenverbandes ist. Ertl ist gespannt, was von den staatlichen Stellen tatsächlich an Zuschüssen bei den Wirten und Hoteliers ankommt. Komme das Geld, könne man länger durchhalten, je kleinstrukturierter ein Betrieb sei, desto einfacher sei es, eine solche Durststrecke zu überstehen. Mindestens bis Ostern sei mit erheblichen Einschränkungen zu rechnen, glaubt Stephan Ertl, der damit rechnet, dass bayernweit Corona-bedingt 30 Prozent der Betriebe schließen müssen.