Ob Schmerzen im Brustkorb, Atemnot oder weniger Kraft - es gibt einige Symptome, die auf Herzprobleme hindeuten können. Herzinsuffizienz ist in Deutschland der häufigste Grund für eine Krankenhauseinweisung. Die Patientenzahlen steigen kontinuierlich. 

Zwei Millionen Menschen wurden im Jahr 2009 wegen einer Herzschwäche behandelt. Als Vergleich: 2017 waren es bereits rund 2,5 Millionen. Der bundesweite Trend, sagt Oberarzt Ovidiu Resiga von der Kardiologischen Klinik, bildet sich auch in Kulmbach ab.

Expertise fürs Herz in Kulmbach: Diagnostik und Behandlung von Patienten

Um diese Menschen bestmöglich zu behandeln, hat sich das Klinikum Kulmbach von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) als HFU-Schwerpunktklinik zertifizieren lassen. "Wir wollen damit die Diagnostik und Behandlung unserer Patienten auf höchsten fachlichen und technischen Niveau sicherstellen und möglichst verhindern, dass die betroffenen Menschen immer wieder im Krankenhaus behandelt werden müssen."

Festgelegte Standards sollen dazu beitragen. Die DGK habe deshalb ein Netzwerk geschaffen, in dem dieser hohe Anspruch verwirklicht werden soll, informiert Resiga.

Herzinsuffizienz-Schwerpunktpraxen sollen den Bereich bei den niedergelassenen Kardiologen abdecken. Die Herzinsuffizienz-Schwerpunkt-Kliniken, wie Kulmbach jetzt eine ist, schaffen eigene auf dieses Krankheitsbild ausgerichtete Einheiten. Die dritte Ebene wird von den überregionalen Herzinsuffizienz-Zentren abgedeckt. Um mit diesen Zentren besonders eng zusammenarbeiten zu können, hat das Klinikum Kulmbach eine Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg als überregionalem Zentrum vereinbart.

Corona sorgte für Verzögerungen

Zudem besteht auch eine enge Zusammenarbeit mit der Herz- und Gefäßklinik Bad Neustadt an der Saale. Dorthin werden, wie der Oberarzt erläutert, die Patienten überwiesen, bei denen interventionelle Klappeneingriffe oder größere Operationen am Herzen stattfinden müssen. Somit sei die bedarfsgerechte Patientenversorgung nach aktuellem Wissensstand, welche das individuelle medizinische und soziale Umfeld der Patienten berücksichtigt, lückenlos gewährleistet. "Die Kardiologische Klinik am Klinikum Kulmbach hat das gesamte Leistungsspektrum, um sich als Schwerpunktklinik zertifizieren zu lassen", berichtet der Kulmbacher Kardiologe.

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Deshalb habe man sich entschlossen, die Zertifizierung anzustreben. Schon im Jahr 2019 sei der Antrag gestellt worden. Doch Corona habe leider auch für diese Planungen einige Verzögerungen mit sich gebracht. Jetzt ist es so weit: "Wir sind für die stationäre und poststationäre Behandlung von Patienten mit Herzschwäche nach den Vorgaben der DGK zertifiziert und auch an das Netzwerk angeschlossen", freut sich Resiga, der diesen neu geschaffenen Bereich auch leitet.

Im März hat das Audit in Kulmbach stattgefunden. Zwei Professoren haben das Haus begutachtet. 21 Betten stehen für diese spezielle Patientengruppe zur Verfügung. Die Zimmer, ausschließlich Ein- und Zweibettzimmer, liegen im Neubau. Für alle Patienten, die dort behandelt werden, gibt es Überwachungsmöglichkeiten, wie sie auch in einer Intermediate-Care-Einheit bestehen. Dafür wurden eigens transportable Monitore angeschafft, die direkt vom Patientenbett permanent wichtige Daten in den Pflegestützpunkt übertragen. Dort überwachen geschulte Fachkräfte die Werte.

Weiterbildung für Pflegefachkräfte

Um sich auf die Bedürfnisse der Patienten noch besser einstellen zu können, werden jetzt die ersten beiden Pflegefachkräfte des Klinikums im Rahmen einer spezialisierten Weiterbildung zur "Heart-Failure-Nurse" (Herzinsuffizienz-Schwester) in der Würzburger Uniklinik ausgebildet. In diesem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz bilden sie sich fort, um dann in Kulmbach ihre Patienten auf fachlich höchstem Niveau zu versorgen.

Mit Resiga als Leiter der neuen Herzinsuffizienz-Einheit arbeiten noch weitere Fachärzte und Assistenzärzte in diesem speziellen Bereich. Durchschnittlich mehr als 3000 Patienten pro Jahr werden im Klinikum wegen Herzinsuffizienz behandelt, berichtet der Oberarzt.

Er erklärt, warum die Patientenzahlen stetig steigen: Zum einen werden die Menschen immer älter. Zum anderen haben die enormen Fortschritte in der Medizin die Rettung zahlreicher Menschenleben nach einem akuten Herzproblem ermöglicht. Zahlreiche Betroffene bleiben aber dauerhaft Patienten und leiden unter der erworbenen Herzschwäche, wie er sagt. Wiederholte Krankenhauseinweisungen seien die Folge. Die wolle man möglichst vermeiden, indem man die Menschen bestmöglich versorgt, damit sie dauerhaft trotz ihrer Einschränkung ein gutes Leben führen können.

Die Patientenzahlen steigen

Dr. Andreas Brugger, Leitender Arzt der Medizinischen Klinik I, Kardiologie und internistische Intensivmedizin, am Kulmbacher Klinikum, verweist darauf, wie wichtig angesichts der immer größer werdenden Patientenzahl die Schaffung von Einheiten wie dieser jetzt in Kulmbach ist. "Die ganze westliche Welt ist von diesem Problem der Herzinsuffizienz betroffen. Das Programm der DGK sichert diesen Menschen in den neuen Zentren Behandlung nach hohen Standards. Deshalb war die Einrichtung einer Herzschwäche-Einheit auch bei uns in Kulmbach so wichtig."

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