Der Parkplatz vor dem Marco-Getränkemarkt ist nahezu leer. Nebenan beim Rewe-Markt sind ebenfalls viele, viele Parkplätze frei. Ungewöhnlich für einen ganz normalen Wochentag - dramatisch für etliche Händler im Kulmbacher Industriegebiet an der Lichtenfelser Straße. Schuld ist die Mega-Baustelle am Kreuzstein. Die riegelt das Industriegebiet seit Tagen von der restlichen Stadt ab. Mit fatalen Folgen.
Nicht nur die Parkplätze sind leer, auch an den Kassen muss man sich seither selten anstellen. Von Umsatzeinbußen zwischen 30 und 40 Prozent spricht Rewe-Inhaberin Jutta Hollweg. "Es ist unheimlich schwer, Bestellungen aufzugeben, besonders bei Obst und Gemüse. Es soll ja alles ausreichend da sein - ohne, dass wir am nächsten Tag massenweise weg werfen müssen."

Weniger Lieferung

Auch Michaela Ittner, die bei der Bäckerei Fuchs im Rewe-Markt arbeitet, stellt fest, dass diese Woche kaum Kundschaft da war: "Wir bekommen weniger geliefert, backen hier weniger und haben auch weniger Belegschaft vor Ort." Sie selbst muss einen Umweg fahren, um an ihren Arbeitsplatz zu kommen. Das nimmt nicht jeder Kunde auf sich.
"Das ist richtig unverschämt und eine Zumutung. Vor allem für die Geschäfte hier draußen", schimpft Cornelia Jarema, eine der wenigen Rewe-Kundinnen in diesen Tagen, "ich halte dem Rewe aber die Treue."

Keine Fremden finden den Weg

Von treuer Kundschaft kann auch Brigitte Ochs vom Getränkemarkt Marco berichten: "Bei uns kommen diese Wochen überhaupt keine Fremden. Aber unsere Stammkunden bleiben uns schon. Teilweise rufen sie sogar an, um zu fragen, wie man am besten zu uns fährt."

Das Autohaus Hahn hat kaum Kunden, die spontan vorbeikommen. Die meisten haben einen Termin. "Wenn sich auswärtige Kunden angemeldet haben, versuchen wir, sie zu kontaktieren, damit sie uns finden, aber neue Interessenten kommen in diesen Tagen gar nicht", so Chefin Barbara Hahn.

Der Marktleiter des Kulmbacher Globus-Baumarktes, Karlheinz Kröner, ist hingegen froh, dass die meisten Kunden, die in den Baumarkt kommen, sich gezielt auf den Weg in die Lichtenfelser Straße machen. Trotzdem ist es für ihn ärgerlich, dass nun so ein Chaos herrscht: "Wenn etwas saniert werden muss, dann ist das ja kein Problem. Aber man hätte es besser planen müssen. Zuerst die Sanierung der Lichtenfelser Straße, jetzt die B 85."
Nicht nur die in ihren Augen mangelhafte Planung stört die Einzelhändler, auch die Informationspolitik habe zu wünschen übrig gelassen: "Wir haben alle Informationen aus der Zeitung. Von offizieller Seite wurden wir gar nicht benachrichtigt", klagt Kröner.

Am Montag haben die Händler festgestellt, dass die Kunden sie nicht finden. Daraufhin wurden von den Mitarbeitern Schilder aufgestellt, um die Kunden zu lotsen. "Unser Werbeheft wird nicht nur in Kulmbach verteilt. Wenn dann Kunden von weiter weg kommen, sind die natürlich irritiert", sagt Peter Stindl, stellvertretender Marktleiter von Globus.
Auch Jutta Hollweg wurde nur über die Zeitung informiert: "Wir haben erst am Montag gemerkt, wie schlimm es ist, und ich glaube nicht, dass es nächste Woche besser wird."
Das staatliche Bauamt, das für den Bau zuständig ist, bittet um Verständnis: "Im Vorfeld wurde eine Verkehrsbesprechung mit allen Beteiligten durchgeführt", erläutert Ralf Hauenstein vom staatlichen Bauamt. "Allerdings nur mit den direkten Anliegern, nicht mit allen, die irgendwie betroffen sein könnten. Die mussten sich dann schon über die Presse informieren."

Weniger Verkehr in den Ferien

Außerdem stellt Hauenstein klar: "Wir haben den Zeitraum extra in die Ferienzeit gelegt. Natürlich ballen sich da die Baustellen, aber man kann nun mal nur im Sommer asphaltieren. Und in der Ferienzeit ist einfach weniger Verkehr."
Nächste Woche wechselt die Baustelle die Straßenseite. Verunsicherungen in der Kundschaft werden aber wohl bleiben. "Ich denke, die Kunden meiden die Einzelhändler in der Lichtenfelser Straße, bis die Baustelle vorbei ist", befürchtet Jutta Hollweg.
Die Geschäfte, die direkt Am Kreuzstein sitzen, haben es da noch schwerer: Die Esso-Tankstelle hat "Zwangsurlaub", weil die Zufahrt nicht möglich ist. Petra Stachowiack, Marktleiterin vom Netto-Markt Am Kreuzstein registriert derzeit nur ein Fünftel der Kundschaft.
Eine gute Lösung wurde für die Firma Dörnhöfer gefunden. Natürlich gibt es auch hier Beeinträchtigungen, aber immerhin ist die Einfahrt über die Schützenstraße befahrbar, auch für Lastwagen. "Dort ist normalerweise auch eine Baustelle", so Geschäftsführer Bernd Dörnhöfer. "Aber nachdem ich mit mehreren Ämtern telefoniert habe, gibt es dort jetzt eine Baupause, damit wir wenigstens diese Straße nutzen können."