Mit einem gelungenen Festakt feierte das Caspar-Vischer-Gymnasium am Freitagnachmittag 125 Jahre Schulgeschichte. Unter dem Motto des Jubiläumsjahres "Fürchte nicht die Veränderung, fürchte den Stillstand" wurde nicht nur 125 Jahren CVG gedacht, sondern zugleich 50 Jahren Sozialwissenschaftlichem Zweig, 40 Jahren Wirtschaftswissenschaftlichem Gymnasium und 50 Jahren im neuen Schulhaus.

"Veränderung war für unsere Schule von Beginn an prägend", sagte Schulleiterin Ulrike Endres in ihrer Begrüßung. Man ruhe sich nicht auf dem Erreichten und Althergebrachten aus, man gehe die Herausforderungen der Zeit und der Zukunft entschlossen an. Viel hat sich in der Tat seit den Anfängen als Kulmbachs "Höhere Töchterschule" verändert. "Aber "die Schule ist dabei immer eines ganz besonders geblieben: innovativ aus Tradition." Innovativ in einer damals noch recht kleinen Stadt mit 7000 Einwohnern.


Gelungene Synthese

Auch Festredner Herbert Püls, als Ministerialdirektor Amtschef des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, bescheinigte dem CVG eine gelungene Synthese aus Tradition und Moderne: "Sie knüpfen bewusst an die Schulgeschichte an, unterstützen junge Menschen durch ein attraktives Bildungsangebot und erziehen Ihre Schülerinnen und Schüler zu eigenständigen und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten." Das sei wichtig, denn wir müssten unsere Werte stärker leben und vorleben, weil die Vielfalt wachse und uns auffordere zur Selbstvergewisse rung und Festigung der Identität.

Mit einem dicken Lob wandte er sich schließlich an die Schulleitung mit den Worten: "Liebe Frau Endres, wer Sie kennt, der weiß, dass es keinen Stillstand gibt."
Als Schulleiterin Ulrike Endres vor fünf Jahren ihr neues Amt in Kulmbach antrat, habe sie Landrat Klaus Peter Söllner aus dem Gottesgarten Lichtenfels im Kulmbacher Paradies Willkommen geheißen. "Daran gibt es auch heute nichts zu deuten", reagierte der Landrat in seinem Grußwort und betonte, dass er als Sachaufwandsträger gerne die Verantwortung für dieses wunderschöne Gymnasium trage. "Hier hat sich eine wunderbare Schulfamilie entwickelt, das CVG ist eine eindrucksvolle Bildungseinrichtung auf hohem Niveau."

Dem konnte Oberbürgermeister Henry Schramm nur beipflichten. "Das Caspar-Vischer-Gymnasium ist hell, freundlich und individuell, es ist eine offene Schule, bei der das Gesamtbild harmoniert." Schüler, Lehrer und Eltern - alle zögen an einem Strang, das habe er selbst erlebt, denn seine drei Kinder seien auch ehemalige Absolventen des CVG. "In dieser Schule werden die Schüler optimal auf das ,echte Leben' vorbereitet."

Als Gastrednerin trat die ehemalige CVG-Schülerin und jetzige Bundestagsabgeordnete Silke Launert ans Mikrofon und berichtete von ihrer behüteten Schulzeit. "Die Schule ist Ort der Charakterbildung - natürlich wird man auch einmal ungerecht von einem Lehrer behandelt, aber das ist Schule fürs Leben." Ihre MdB-Kollegin Emmi Zeulner, der es am Herzen lag, ein Grußwort zu sprechen, lobte die Lehrer und appellierte an sie zugleich: "Sie bilden junge Menschen aus und Sie machen das hervorragend - behaltet euer Herz für die Schüler."


Musik, Tanz, Vorführungen

Doch der Festakt wurde nicht nur von Reden getragen. Die verschiedenen Schulchöre, Orchester und die Bigband sorgten für einen stilvollen und unterhaltsamen Rahmen. Die Theaterklasse der Jahrgangsstufe 5 überraschte die geladenen Gäste mit dem kurzen Stück "Mädchen.Bild.Ung", das nicht nur einen Rückblick auf 125 Jahre Mädchenbildung gab, sondern auch zum Nachdenken anregte. "Du bist a Maadla, du brauchst ka Abitur, du heierst eh und bekommst Kinner", sagten sie etwa im Chor, und später dann: "Am CVG mach ich mein Pudding-Abitur - mmmmh."

Auch Zeitzeugen nahmen an dem Festakt in Form von eingespielten Kurzvideos oder live auf der Bühne teil, wie Frau Eva Ernst, Schülerin des ersten Abiturjahrgangs 1949. "Herr Klösel war mein Lieblingslehrer, er unterrichtete Deutsch und Geschichte und hat uns geformt fürs Leben." Sie hätten damals keine Schulbücher und Hefte gehabt, "wir haben auf Holzpapier notiert". Da sie Flüchtling aus Schlesien gewesen sei, konnte sie nicht studieren. "Ich musste Schreibmaschine und Steno lernen und ins Büro gehen, aber das hat mir nicht geschadet." Wichtig sei ihr jedoch gewesen, dass man beim Abitur das Denken lerne, "man lernt fürs Leben, nicht alles hinzunehmen und eigene Gedanken zu fassen".

Am Samstag schließlich feierte die gesamte Schulfamilie ab den Nachmittagsstunden ihr Schuljubiläum mit einem großen Fest. Schüler und Lehrer hatten Räume mit vielen Informationen zur Schulgeschichte gestaltet, sorgten für Kurzweil und Unterhaltungsspiele, musizierten und spielten Theater. Den großen Höhepunkt des Festtages bildete schließlich die abendliche Gala mit verschiedenen Darbietungen und Gesprächsrunden, abgerundet durch eine gelungene Lichtinstallation von Andreas Schobert.