Sieben Cent für den Viertelliter Milch, 20 Cent für ein paar Bratwürste und zwei Cent für das Seidla Bier - das ist wenig, viel zu wenig. Doch das ist der Preis, den die Bauern für ihre Produkte erhalten. Bundesweit und auch bei uns in der Region. Verarbeiter und Handel erzielen das, was wir als Verbraucher mehr zahlen.

Dass die Preise für die Erzeuger viel zu niedrig sind, darauf hat der Bayerische Bauernverband am Mittwoch mit einer Aktion aufmerksam gemacht. Auf dem Kulmbacher Wochenmarkt wurde kostenlos hochwertiges Frühstück an Passanten verteilt und Aufklärungsarbeit geleistet.

"Die Preise, die wir bekommen, werden von riesigen Handelsketten festgelegt und sind bundesweit gleich", erklärte BBV-Kreisobmann Winfried Löwinger. Er und sein Team wollten aufklären und zeigen, welch hochwertige Lebensmittel die Landwirte produzieren.


Überzeugungsarbeit geleistet


Auch Kreisbäuerin Beate Opel leistete Überzeugungsarbeit. "Unsere Bauernfamilien haben oft existenzielle Ängste, weil an der Landwirtschaft einfach kaum noch etwas zu verdienen ist." Gerade die negative Berichterstattung über einzelne schwarze Schafe mache ihr zu schaffen. "Für uns steht das Tierwohl an erster Stelle. Wir wollen Vertrauen aufbauen und zeigen, wie vielfältig und hochwertig die Produkte heimischer Landwirte sind."
Und so führten die BBV-Vertreter zahlreiche Gespräche. Alfred Wagner zum Beispiel kam an den Stand. Der Rentner und frühere Fahrschullehrer legt beim eigenen Einkauf Wert auf Qualität. "Gerade bei Fleisch und Wurst ist es uns wichtig, dass es vom Metzger kommt. Da gebe ich gerne mehr Geld aus und esse dafür nur ein kleineres Stück." Man dürfe sich von den Angeboten im Supermarkt nicht blenden lassen.

Ein anderer Passant blies ins gleiche Horn. "Es ist eine Sauerei, dass große Ketten die Preise diktieren", schimpfte er.


"... dann kaufen sie trotzdem Billigfleisch"


Beobachtete man die Reaktionen am Stand, dann konnte man zu der Erkenntnis kommen, dass die meisten Menschen bereit sind, für gute Lebensmittel auch gutes Geld zu bezahlen. Doch das ist ganz und gar nicht der Fall. Auch Winfried Löwinger berichtet von seinen Erfahrungen: "Selbst wenn wir einen Stand direkt vor dem Aldi haben, finden die Leute, die Bauern müssten mehr Geld bekommen. Doch dann gehen sie trotzdem rein und kaufen das Billigfleisch."

Um das Überleben der Bauern dauerhaft zu sichern, wäre ein komplettes Umdenken notwendig. "Die Leute müssten wieder zu ihrem Metzger vor Ort gehen, dort erfahren sie auch, ob das Fleisch aus der Region kommt." Für den Moment bekomme der Bauer dadurch zwar auch nicht mehr Geld, denn die Preise für den Landwirt seien für Metzger und Großhandel in der Regel gleich. Auf Dauer könnten Qualität und Preise aber über die regionale Schiene am besten in Einklang gebracht werden.

Beim Wochenmarkt verteilte der BBV regionale Lebensmittel: Fleisch und Wurst der Metzgerei Rahm aus Döllnitz, Eier von der Firma Kolb in Kasendorf, Coburger Käse, Obst vom Obsthof Herold in Lindenberg und Milch und Joghurt vom Milchhof Bayreuth, der von vielen Bauern aus dem Landkreis Kulmbach beliefert wird.