2015 bestimmte ein Thema die Schlagzeilen: die Flüchtlingskrise. Millionen Menschen - vor allem aus dem arabisch sprechenden und dem afrikanischem Raum - strömten in die Europäische Union und nach Deutschland, um Asyl zu beantragen und hier ein neues, besseres Leben beginnen zu können. Nun scheint sich die Geschichte fast zu wiederholen. Wieder sind Millionen Menschen auf der Flucht. Diesmal die Ukrainer, die vor dem russischen Angriff auf ihr Heimatland fliehen.

2015 haben sich viele Menschen zusammengetan, Helferkreise gegründet, um die Flüchtlinge zu unterstützen. Haben Kirchen und das BRK sich eingesetzt. Doch das ist jetzt rund sieben Jahre her. Können die geflüchteten Ukrainer auf eine ähnliche Welle der Hilfsbereitschaft hoffen, wenn sie in den Landkreis Kulmbach kommen? Wie viele Flüchtende werden erwartet? Werden die Zahlen von 2015 vielleicht wieder erreicht?

Das weiß derzeit keiner. Im Moment ist die Lage aber noch bei Weitem nicht vergleichbar mit der von 2015. Bislang haben sich nur rund 50 Menschen aus der Ukraine im Kreis registrieren lassen, erklärt der Leiter des Krisenstabs, Oliver Hempfling. Wie viele hier schon bei Verwandten oder Bekannten untergekommen sind? Das kann niemand beantworten. Laut Landratsamt könnte die Zahl schon in die Hunderte gehen.

Eine besondere Frage beschäftigte am Montag den Kreisausschuss: Dabei ging es um die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingskindern im nicht schulpflichtigen Alter in den Kindertagesstätten der Landkreisgemeinden. Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) aus Himmelkron hatte die Frage aufgeworfen, ob die Kinder bedenkenlos aufgenommen werden können, ohne dass der derzeitige Anstellungschlüssel - also die Zahl der Betreuer und Betreuerinnen - von der Aufsichtsbehörde beanstandet wird. Diese Frage muss allerdings erst noch mit dem zuständigen Ministerium abgeklärt werden.

Wie 2015 steht das BRK bereit, sollte wieder Unterstützung erforderlich sein. Wie BRK-Mitarbeiter Maximilan Türk erklärt, steht das BRK in enger Abstimmung mit dem Landratsamt und greift ein, wenn die Behörde sie darum bittet. "Wir sind zur Unterstützung da und werden nicht von alleine aktiv."

Wohl aber hat sich das BRK schon vorbereitet auf ankommende Flüchtlinge: Zwei Wohnungen sind hergerichtet und stehen für die Ankommenden bereit, so Maximilian Türk weiter. Bezogen seien sie noch nicht. "Wir haben schon das Material gesichtet und haben eine Vorplanung, wenn eine Notunterkunft benötigt wird. Das funktioniert auch kurzfristig, sollte es erforderlich werden."

Eine "gute Hand voll Helfer" steht bei "Kulmbach ist bunt" bereit, um zu helfen, wenn sie gebraucht werden. "Wir würden uns wieder bei Hilfsaktionen beteiligen", sagt Vorsitzende Heike Druse.

Allerdings, so muss sie einräumen, ist der Verein mit Blick auf die Aktiven in den zurückliegenden zwei Jahren aufgrund der Pandemie nicht gerade gewachsen. Aber auch schon vor Corona sei das Flüchtlingsthema etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die, die geblieben seien, stünden aber bereit, um auch die Geflüchteten aus der Ukraine zu unterstützen.

Ein Mitglied, berichtet Heike Druse weiter, habe den Hilfstransport des Marktschogaster Bürgermeisters Marc Benker (CSU) in die Ukraine mit Spenden unterstützt. Davon habe der Verein aber leider erst zu spät erfahren, sonst hätte man sich auch beteiligt, bedauert Heike Druse. Sollte ein weiterer Transport geplant sein, werde man dazu eine Geldspende geben, gegebenenfalls eine andere Hilfsorganisation unterstützen.

Schnell und unbürokratisch

Auch die Kirche hat sich darauf eingestellt, Hilfe zu leisten, wenn sie gebraucht wird, wie Leitender Pfarrer Hans Roppelt erklärt. Offizielle Hilfsanfragen habe es aber bislang noch nicht gegeben, sagt er. Damit schnell und unbürokratisch gehandelt werden kann, wenn kurzfristig Not am Mann ist, habe man schon Überlegungen angestellt, welche Gebäude als Unterkunft für die Menschen aus der Ukraine zur Verfügung gestellt werden können. So würden unter anderem Gespräche laufen, um im Kupferberger Pfarrhaus gegebenenfalls Flüchtlinge unterzubringen. Er könne sich auch vorstellen, dass sich viele Privatpersonen bereiterklären würden, geflohene Familien bei sich Zuhause aufzunehmen.

Auch Hans Roppelt ist klar, dass niemand genau weiß, wie viele Menschen kommen werden. "Aber wenn sie da sind, können sie auf die Hilfe der Kirche zählen. Dann können wir kurzfristig reagieren." Eine dezentrale Unterbringung ist in seinen Augen die beste Lösung. "Besser als in irgendwelchen Riesengebäuden."