Bei der Angeklagten fand im Zuge der Ermittlungen eine Hausdurchsuchung statt. Der Einsatz verlief nach Auskunft eines Kriminalbeamten "nicht ganz reibungslos". Vor Gericht sagte er gestern, dass es ihm nicht gelungen sei, mit der Beschuldigten zu reden. Dafür sei ein Raum besonders auffällig gewesen, so der Zeuge.

Für dieses Zimmer interessierte sich auch die Amtsrichterin Sieglinde Tettmann. "Eine Unmenge von Klamotten und Schuhen und eine Vielzahl von Handtaschen" seien auf den Lichtbildern der Polizei zu sehen. "Das schaut eher wie ein Geschäft aus als eine Wohnung", meinte sie und fragte: "Sind das alles Ihre Schuhe?" Die Angeklagte nickte. Sie hatte Tränen in den Augen und konnte kaum reden. Meistens sprach ihr Verteidiger, Rechtsanwalt Karsten Schieseck aus Bayreuth, für seine Mandantin.


Beweisaufnahme verkürzt

Die Lichtbilder geben nach Ansicht der Richterin Auskunft über das Motiv der Angeklagten, die sich wegen Unterschlagung in Tateinheit mit Urkundenfälschung vor dem Amtsgericht Kulmbach verantworten musste. Es ging um 186 Fälle. Die 31-Jährige legte ein Geständnis ab und ersparte allen Beteiligten eine aufwendige Beweisaufnahme, die mehrere Stunden in Anspruch genommen hätte.

Durch ihre Taten erleichterte die Frau ihren Arbeitgeber, eine deutschlandweit tätige Textilkette, um 16.219,82 Euro. Sie war in dem Geschäft Filialleiterin und konnte drei Jahre lang in die Kasse greifen, bevor sie 2017 entdeckt wurde. Der Arbeitgeber erstattete Anzeige.


Ihre Masche: doppelte Retouren

Ihre Masche war es, durch doppelte Retouren Beträge zwischen 70 und 100 Euro zu ergaunern. Wenn Ware zurückgeben worden war, druckte die Filialleiterin des Modehauses den Kassenbon ein paar Wochen später noch einmal aus, fälschte die Unterschrift der Kunden und zahlte den Rechnungsbetrag an sich selbst aus.

Das Geständnis der Angeklagten spielte bei der Strafzumessung eine große Rolle. Auch ihr Verhalten im Vorfeld. Rechtsanwalt Schieseck erklärte, dass ein Täter-Opfer-Ausgleich stattgefunden habe. Die Frau habe den Schaden beglichen. Eine frustrierende persönliche Lebenssituation sei das Tatmotiv gewesen. Durch das gesamte Verfahren seien bei seiner Mandantin Schulden in Höhe von 20.000 Euro aufgelaufen.

Letztlich kam die bisher nicht vorbestrafte Frau glimpflich weg. Sie wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Richterin verhängte eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten, zwei Monate weniger als Staatsanwältin Anja Lettenbauer gefordert hatte. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Dazu kommen noch 100 gemeinnützige Arbeitsstunden.


Ein guter Rat

Und von der Richterin gab es - kostenlos - noch einen guten Rat. Tettmann: "Wenn man sich, um Frust abzubauen, schöne Sache kauft, dann steckt das in einem drin. Man muss aufpassen, nicht wieder in alte Verhaltensmuster reinzurutschen."