Das erste Wochenende im Juli gehört traditionell dem Altstadtfest. Pandemiebedingt konnte dieses nun schon zum zweiten Mal nicht stattfinden. Lust zum Feiern haben viele Kulmbacher trotzdem. Vor allem die Jüngeren zog es am Wochenende in die Obere Stadt. Nachdem Straßenpartys dort an den vergangenen Wochenenden schon aus dem Ruder gelaufen waren, zeigte die Polizei vorbeugend starke Präsenz. Der Plan ging auf. Es kamen zwar einige Hundert Leute zum Feiern, doch die meisten verhielten sich friedlich.

Polizeihauptkommissar Manuel Friedrich leitete am Samstagabend den Einsatz. Unterstützt wurde die Polizei Kulmbach vom operativen Ergänzungsdienst Bayreuth und Hof. Die verstärkten Polizeikontrollen und das Alkoholverbot auf der Straße hatten dafür gesorgt, dass Auswärtige gar nicht erst anreisten.

Heimlich trinken im Versteck

Die einheimischen Jugendlichen wissen, wie sie das Verbot, Alkohol mitzubringen, umgehen können. "Wir machen das dann heimlich. Wir wollen natürlich keinen Ärger, aber wir haben auch nicht so viel Geld, dass wir den ganzen Abend was kaufen können", sagen zwei Mädchen, die jedes Wochenende in der Oberen Stadt sind. Sie haben in der Stadt Wein versteckt, trinken heimlich in den kleinen Gassen, wo die Polizeiautos nicht hinkommen. Wenn sich ein Fahrzeug mit Blaulicht nähert, machen sie sich schnell aus dem Staub. Tatsächlich kontrolliert die Polizei auch die Nebengässchen, nicht zuletzt, um die Wildpinkelei zu unterbinden.

Der Erfolg der starken Polizeipräsenz war am Wochenende deutlich sichtbar. Es kamen weniger Menschen, um auf der Straße zu feiern. Es flogen keine Bierflaschen mehr. "Dass ganze Bierkästen mitgebracht werden, das passiert jetzt nicht mehr", zog Polizeihauptkommissar Friedrich eine Bilanz. Auch von "Kurieren", die immer wieder Nachschub anlieferten, war nichts mehr zu sehen.

Die meisten Gäste wollten einfach nur den Sommer genießen, verhielten sich anständig. Doch es gibt auch Ausnahmen, einzelne Störenfriede kennen vor allem zu späterer Stunde keine Grenzen.

Und so kam es auch am vergangenen Wochenende zu unschönen Szenen, die nicht akzeptabel sind. Knud Barkholz wohnt mit seiner Familie im Mittleren Stadtgässchen. "Unter meinem Fenster war eine Vierergruppe. Ich habe sie darauf hingewiesen, dass sie bitte weitergehen sollen", sagt der Anwohner und macht keinen Hehl daraus, dass er seit Wochen genervt ist. Daraufhin hat einer der Jugendlichen die Glasscheibe der Haustür eingeschlagen. Eine besonders unangenehme Situation für den Anwohner. Denn jetzt lässt sich die Tür leicht öffnen, die dahinter abgestellten Fahrräder sind frei zugänglich. "Und die Wohnungstüren schließen auch nicht richtig", klagte der Mann. Die Polizei versuchte, mit großem Aufgebot den Randalierer zu fassen.

Auch Anwohner Jörg Schwing, der direkt neben der Sohle wohnt, ist genervt. "Mein Briefkasten ist nicht nutzbar. Da findet man alles drin: Zigaretten und Flüssigkeiten. Ich habe jetzt ein Postfach", so der Anwohner. Und noch ein Problem haben Schwing und andere Hausbewohner: Knutschende Pärchen lehnen sich an die Klingeln - und reißen alle aus dem Schlaf, falls sie bei den ständigen Störungen überhaupt schlafen können. "Früh räumt die Stadt dann alles wieder weg. Auch auf den privaten Treppen", schildert Schwing die Situation. Er würde sich deutlich striktere Maßnahmen wünschen.

Jugendlicher wurde zusammengeschlagen

Meist eskalieren die Tätlichkeiten mit zunehmendem Alkoholkonsum: Da kommt es zu Schubsereien, Pöbeleien - und dann wird auch zugeschlagen. Polizeihauptkommissar Manuel Friedrich berichtet, dass mehrere Streitereien durch die Polizei vor Ort geschlichtet werden konnten. Doch um halb drei Uhr nachts wurde ein 17-Jähriger im Schießgraben von drei jungen Männern gemeinschaftlich zusammengeschlagen. Am Freitagabend fiel ein 15-jähriger Jugendlicher negativ aus. Er leistete bei seiner Festnahme Widerstand, beschimpfte die Polizisten und spuckte sogar einem von ihnen ins Gesicht.

"Es ist schade, dass sich einige so aufführen. Ich trinke am Wochenende was. Ich rauche auch. Aber meine Kippen mache ich aus und tu sie in die Mülleimer. Man muss doch nicht alles rumschmeißen - schon gar nicht Flaschen", sagt ein junger Mann, der regelmäßig jedes Wochenende vor Ort ist, aber seinen Namen lieber nicht sagen möchte.

"Die Situation hat sich nicht verbessert. Wenn die Polizei weg ist, dann ist das wieder wie vorher", bewertet Dominik Miskolsci von "Junges Kulmbach" die Situation und glaubt nicht so recht an ein Ende des Ärgers.