Und schnell wurde klar: Die Kultband steht auch nach dreißig Jahren noch immer wie ein Fels in der Punrockbrandung. Songs wie "Arbeitslos", "Tote weinen nicht" oder "Charles Bukowski", umrahmt von frenetischen "Euroschäck, Euroschäck"-Chören, haben auch nach einer gefühlten Ewigkeit nichts von ihrer Intensität und Zeitlosigkeit eingebüßt. Und die Fans? Sie waren aus dem Häuschen, tanzten und sangen begeistert mit!

Es war, als hätte man die Zeit um 20 Jahre zurückgedreht. Altrocker jenseits der 40 schmissen sich anlässlich des Jubiläums in "Euroschäck"-Schale: Timo Kreutzer aus Lanzendorf hatte sich sein 20 Jahre altes, vergilbtes T-Shirt mit dem Bandlogo, einem Totenkopf, übergestreift, Michael Schmidt aus Danndorf trug noch einmal seine Irokesenfrisur zur Schau. Sogar Stefan Eichner, besser bekannt als Kultkomödiant "Das Eich" outete sich als Fan der ersten Stunde: "In der achten Klasse Realschule kaufte ich mir auf dem Schulhof eine Kassette mit dem Titel ‚Böse Kinder‘. Darauf bin ich noch heute wahnsinnig stolz." Mit einem lautstarken "Schäck is Bäck" schickte er Frontmann Brandy Schäck, Schlagzeuger Markus Köstner, Gitarrist Ed Bergmann und Aushilfsbassist Mathias Hechelmann von der Gruppe "Between The Sheep" auf die Bretter, die die Welt bedeuten.

Doch der Reihe nach: Eichner war es gewesen, der den Abend musikalisch eröffnet hatte. Mit seiner erstklassigen "Motörhead"-Coverband "Motörcock". Seine Stimme erinnerte an das Krächzen eines Raben oder das Knarzen eines alten Dielenbodens. Kurzum: Man wähnte Lemmy Kilmister auf der Bühne! Zwei weitere famosen Bands waren mit von der Partie: die Kronacher Punk'n'Roll-Kapelle "Poachers" und die Saarbrückener Hardrock-Combo "AC Angry", die kurz nach Mitternacht zum Kehraus spielte. Angesichts des Jubiläums, das alles andere an diesem Abend überstrahlte, gerieten die exzellenten Auftritte der zwei Formationen für viele zur Nebensache.


Alle Augen auf Euroschäck

Die Augen waren auf Brandy Schäck und seine Mannen gerichtet. Welche Gruppe wäre besser geeignet gewesen, den musikalischen Countdown zur nostalgischen Punkrockparty zu geben, als "Between The Sheep" mit ihrem ekstatischen Garagenpunk? Deren Trommler Peter Schultheiß hatte einst seine musikalische Karriere bei "Euroschäck" begonnen. "Euroschäck"-Gitarrist Ed Bergmann ist noch immer der Ruhepol im Punk-Universum, Markus Köstner der Temperamentsbolzen am Schlagzeug und Brandy das sympathisch-charismatische Schwergewicht, das Botschaften mit Tiefgang in die Herzen der Besucher transportiert.

Die Alten schwelgten in Erinnerungen an längst vergangen Zeiten und das Jungvolk, dass die Gruppe nur vom Hörensagen kannte, staunte Bauklötze ob der Vitalität mit der die altgedienten Rockrecken jenseits der 40 und 50 zu Werke gingen. Als sich "Euroschäck" und "Between The Sheep" bei dem Klassiker "Dies und Das" zur Formation "Eurosheep" vereint hatten, erreichte die Stimmung ihren Siedepunkt, fand das Konzert zugleich aber auch sein viel zu frühes Ende. Die Fans müssen nicht verzagen: Hinter der Bühne machte bei den Musikern, die wieder Blut geleckt hatten, das wohlbekannte Paulchen-Panther-Zitat in abgewandelter Form die Runde: "Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder keine Frage!"