Kennen Sie Deining? Nein? Müssen Sie auch nicht. Aber sollte es Sie - so wie mich neulich - doch irgendwann einmal in dieses verschlafene Nest in der Oberpfalz verschlagen, werden Sie es garantiert nie wieder vergessen. Vorausgesetzt, Sie reisen mit der Bahn an. Denn dann passiert Folgendes: Der Zug hält - pünktlich immerhin - mitten im Nirgendwo, auf einer kleinen Lichtung im Wald. Schon aus dem Zugfenster ist von einer Ortschaft weit und breit nichts zu sehen. Häuser, Straßenzüge, andere Menschen, ein Taxistand oder eine Busverbindung ins kilometerweit entfernt liegende, namensgebende Dorf - Fehlanzeige! Stattdessen abgelagertes Baumaterial so weit das Auge reicht und ein Bahnhofsgebäude, das bei einem Lost-Places-Wettbewerb mühelos den ersten Platz belegen würde. Zerfallen, verrostet, beschmiert und selbstverständlich längst geschlossen.

Jetzt ist man ja, wenn man aus Kulmbach kommt, mit einer notwendigerweise großen Leidensfähigkeit in Sachen Bahnhöfe ausgestattet. Aber nicht einmal die reicht aus, damit einem nicht die Kinnlade herunterfällt beim Anblick dieser Bruchbude, die man uns in der tiefsten Oberpfalz als Bahnhof verkaufen will. Ist der erste Schock verdaut, stellt sich schnell die Erkenntnis ein, wie beglückend dieses Erlebnis sein kann. Denn als KulmbacherIn ist man nun um die Erfahrung reicher: Es geht tatsächlich noch schlimmer, und vielleicht sollte man einfach dankbar sein für das, was man hat.

Da sieht man mal wieder: Reisen bildet eben, und wenn es nur die Einbildung ist, dass der Kulmbacher Bahnhof doch gar nicht so schrecklich ist ...