Seit acht Jahren sitzt Emmi Zeulner nun schon als direkt gewählte Abgeordnete für den Wahlkreis Kulmbach im Bundestag. Die CSU-Politikerin gehörte der Regierungspartei an, die die Kanzlerin stellte. Seit gestern findet sich die 34-Jährige für die kommenden vier Jahre in den Reihen der Opposition wieder.

Wie fühlt sich dieser Seitenwechsel für die Lichtenfelserin an? "Mit der Wahl bekommen wir Abgeordnete immer wieder neu ein Mandat auf Zeit, und es ist unsere Aufgabe, es bestmöglich auszufüllen", sagt Emmi Zeulner. "Wir haben die Wahl verloren, und die Wähler haben uns die Rolle in der Opposition zugeteilt. Den Grund dafür sehe ich in verlorenem Vertrauen. Das müssen wir uns jetzt zurückerkämpfen."

Wie das geht? "Vertrauen ist die Summe gehaltener Versprechen. Das ist unsere Aufgabe: halten, was wir versprechen, nicht nur teilweise, sondern ganz." Auf der Oppositionsbank werde sie beobachten, auf Defizite hinweisen und konstruktive Kritik üben. "Dabei müssen wir aber immer seriös bleiben. Klamaukanträge, wie sie von der AfD gestellt werden, darf es von uns nicht geben."

Durch die verschobenen Machtverhältnisse werde die künftige Arbeit im Parlament herausfordernder, "aber das gehört jetzt zur Jobbeschreibung".

Welchen Ausschüssen Emmi Zeulner künftig angehören wird, entscheidet sich erst, sobald die neue Regierung im Amt ist und die Struktur der Ministerien steht. Sie möchte sich jedoch weiterhin besonders intensiv ihren Schwerpunktthemen Gesundheit und Baupolitik widmen, daneben in den Ausschüssen für Landwirtschaft und Verteidigung mitwirken.

Sie wolle weiterhin für alle Bürger in ihrem Wahlkreis da sein und sich um die Themen kümmern, die für die Menschen in der Region wichtig sind. Ganz vorne steht dabei die Forderung: "Das Leben im ländlichen Raum muss bezahlbar bleiben." Emmi Zeulner denkt da in erster Linie an die Energiepreise, die hohe Kosten fürs Heizen und die Mobilität mit sich bringen. Am Ball bleiben wird sie auch mit ihren Bemühungen zur Entbürokratisierung der Pflege: "Das ist dringend notwendig. Wir werden kurzfristig nicht Tausende neue Pflegekräfte finden. Also müssen wir die, die wir haben, entlasten und ihnen die Arbeit erleichtern."

Auf die Politik insgesamt komme noch eine weitere große Aufgabe zu: "Wir müssen es schaffen, nach der Pandemie die Gesellschaft wieder zusammenzubringen, Gemeinschaft zu schaffen. Dazu gehört, dem anderen zuzuhören, auch wenn er anderer Meinung ist."