Er hat gelernt, mit wenig zufrieden zu sein. Er hat in Vorräumen von Banken geschlafen, in Armenvierteln, am Strand. "Ich habe gelernt, mit einem Budget von fünf Euro am Tag zurecht zu kommen", sagt Dominik Häußinger, der fünf Jahre auf Wanderschaft war. Nicht als Abenteurer, sondern als Zimmermann auf der Walz.
Es war im Juli 2010, als der heute 25-Jährige rückwärts vom Thurnauer Ortsschild gesprungen ist. Das war der Auftakt zu einer über 1800 Tage währenden Reise ins Ungewisse, zu der er mit fünf Euro und nur wenig Hab und Gut im Gepäck aufgebrochen ist - in der typischen Kluft mit schwarzer Zunfthose,- weste- und Jacke, schwarzem Hut und schwarzen Schuhen.

Flug über das Ortsschild

"Es war schon in der Schulzeit mein Traum. Ich wollte auf Wanderschaft gehen, um Lebenserfahrung zu sammeln und mich in meinem Handwerksberuf weiterzubilden", sagt Häußinger. Als Mitglied des "Rolandschacht", einer Vereinigung der Handwerker, hätte er drei Jahre und einen Tag den Bannkreis von 60 Kilometern um seinen Wohnort nicht durchbrechen dürfen. "Mir hat es aber so gut gefallen, dass ich noch ein paar Monate rangehängt habe."

Der "Heimflug"

Vor wenigen Tagen ist er heimgekehrt. Auch bei der Rückkehr wurde ein Ritual gepflegt. Häußinger ist erneut über das Ortsschild gesprungen: Wie 2010 haben ihn seine "Rolandsbrüder" aufgefangen.
In 15 Unternehmen hat der Thurnauer gearbeitet. Er ist nirgends länger als drei Monate geblieben. "Reisen, um zu arbeiten, arbeiten, um zu reisen" lautet das Motto, das er befolgt hat. Gereist ist er per Anhalter - öffentliche Verkehrsmittel sind verpönt. Flüge ins Ausland sind allerdings erlaubt, und so hat Dominik Häußinger mit seinen Schachtkollegen so manchen Abflug gemacht.

In Kuba und Vietnam

"Im Winter gab es bei uns keine Arbeit. Wir sind dann mit dem Geld, das wir das Jahr über angespart haben, ins Flugzeug gestiegen", berichtet der 25-Jährige, der in Spanien, aber auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Vietnam und Kuba gelandet ist.

Keine Traumhotels

Traumhotels hat er allerdings nicht gesehen. "In Kuba haben wir uns in Armenvierteln aufgehalten, weil es dort nicht so teuer ist." Mit einem alten Moped ist er über 6000 Kilometer quer durch Vietnam gefahren. Dort stand Ungewöhnliches auf dem Speiseplan: Er hat Hunde-, Schlangen- und Walfleisch probiert.
In Spanien hat der Thurnauer einen Job gefunden. "Wir haben in Barcelona für einen Engländer, der eine Burg besitzt, eine freitragende, sechs Meter lange Hängebrücke gebaut", berichtet Nick, wie er von seinen "Rolandsbrüdern" genannt wird."Ich habe meine Familie in der Zeit fast nie gesehen", sagt Dominik Häußinger, für den es ein Highlight war, als er 2014 mit seinem Bruder Christopher und seinem Vater Dieter zwei Wochen lang an der Westküste der USA unterwegs war.

Mit Obdachlosem in der Tiefgarage

Auch in Deutschland ist er viel rumgekommen. Er hat auf seiner Reise im Vorraum von Banken übernachtet und gelernt, wie nahe Armut und Reichtum zusammen liegen. "Ich habe eine Nacht in einem Vier-Sterne-Hotel geschenkt bekommen und lag im Whirlpool, die Nacht darauf habe ich mit einem Obdachlosen in der Tiefgarage verbracht."

Von Island nach Thurnau

Nach einem Tripp nach Island ist er nach Thurnau zurückgekehrt. Der 25-Jährige wird aber nicht lange bleiben, denn schon am 3. August reist er wieder in die Schweiz, wo er in einer Zimmerei arbeiten wird. Job und Privatleben werden dort verbunden. "Ich habe in Basel meine Freundin kennengelernt, mit der ich zusammenziehe."
Der 25-Jährige will bei den Eidgenossen Geld sparen, um sich später in Deutschand zum Meister und Restaurator ausbilden zu lassen. Sein Fernziel ist es, wieder fest nach Thurnau zu kommen. "Ich möchte zu Hause irgendwann eine Zimmerei betreiben", sagt Dominik Häußinger, dessen Zimmermanns-Reise zunächst aber weiter geht.