Der Eine hat den Traum vom Eigenheim zunächst zurückgestellt und wartet die weiteren Entwicklungen ab, vielleicht sogar "auf den großen Crash". Der Andere riskiert es zu bauen, auch wenn sein Häuschen schon "an die halbe Million Euro" geht. Die beiden Männer - die nicht namentlich genannt werden wollen - schildern ihre Beweggründe, warum sie sich für beziehungsweise gegen das eigene Haus entschieden haben.

Fangen wir mit dem an, der sich in dieser unsicheren Zeit mit explodierenden Baupreisen und Materialknappheit trotzdem an das Vorhaben wagt. "Wir haben das Grundstück geerbt, sonst könnten wir so nicht bauen", sagt der Mann, der eigentlich nach Architektenplänen sein Eigenheim schaffen und in Etappen bauen wollte. Doch die unkalkulierbaren Preise ließen in ihm und seiner Frau die Entscheidung reifen, schlüsselfertig bauen zu lassen. "Wir sind zum Glück Doppelverdiener. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, sind wir abgesichert", sagt er auch mit Blick auf eine lange Zinsbindung in Verbindung mit einem Bausparvertrag.

Und dennoch fiel der Entschluss nicht leicht, die Unterschrift unter den Vertrag zu setzen. "Nachdem aber Anbieter von Wartezeiten bis zu drei Jahren sprachen, haben wir uns entschieden." Gerade noch rechtzeitig. "Denn danach sind die Zinsen explodiert." Dabei seien die Baukosten in den vergangenen zwei bis drei Jahren - also seit Beginn seiner Planung - bereits um 25 bis 30 Prozent gestiegen.

Pläne auf Eis gelegt

Diese Entwicklung hat unseren anderen Bauherren dazu bewogen, seine Pläne zunächst auf Eis zu legen. Der Mann wollte ein Einfamilienhaus im Landkreis errichten, im Herbst 2020 begannen seine Planungen. Dann stiegen die Kosten: von zunächst 250.000 Euro auf 300.000 und zuletzt auf 350.000 Euro. Alles wurde teurer, dazu kamen Lieferprobleme mit halbjähriger Wartezeit für Baumaterial und ausgelastete Firmen. Irgendwann reichte es dem Mann: "Ich warte jetzt erst einmal ab und lege mein Geld lieber anders an."

Die Erfahrungen, die die beiden gemacht haben, kann Sebastian Türk, der Geschäftsführer von Mainleus Invest nachvollziehen. Er spricht von einer "sehr angespannten Lage" in der gesamten Immobilienbranche. Es herrsche auf allen Seiten größtmögliche Verunsicherung. Zwar seien die Preise schon seit Jahren am steigen, "aber was in den letzten Monaten passiert ist, ist in der Branche einmalig". Betonstahl habe sich innerhalb eines Jahres um 50 Prozent verteuert, Bauholz um knapp 60 Prozent. "Und diese Zahlen stammen noch aus der Zeit vor dem Krieg." Mittlerweile gebe es für bestimmte Materialien monatliche Preisanpassungen. Und das hat Konsequenzen für die Bauherren: "Die Bindungsdauer von Angeboten geht immer weiter nach unten." Lieferzeiten seien nur noch schwer kalkulierbar.

Mindestens genauso problematisch wie die Entwicklung der Materialpreise sieht Sebastian Türk den Anstieg der Zinsen für ein Darlehen. Die seien bei zehnjähriger Laufzeit von 0,8 Prozent im September 2021 auf 2,5 im April 2022 gestiegen. Das bedeute bei einem Darlehen über 400.000 Euro statt 3200 Euro Zinsen im Jahr (rund 270 Euro im Monat) nun etwa 10.000 Euro pro Jahr (rund 830 Euro im Monat). "Dabei muss man wissen, dass man aktuell mit 400.000 Euro für den Bau eines klassischen Einfamilienhauses nicht weit kommt." Dazu kämen die Inflation und die steigenden Lebenshaltungskosten, die es Bauwilligen weiter erschweren würden, Geld für die eigenen vier Wände zur Seite zu legen. "Wir sehen bereits einen deutlichen Rückgang bei der Nachfrage nach neuem Bauland."

Der Firmeninhaber der Helmut Herrmann Bauunternehmen GmbH, Axel Pieper, und Klaus Bergmann, der Geschäftsführer HH-Wohnbau GmbH, bestätigen den Preisanstieg beim Baumaterial. Sei es bei der Wärmedämmung, bei Stahl und vor allem bei Holz. In den vergangenen Jahren sei dieser Trend mit Corona begründet worden.

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine spiele der Markt vollends verrückt. "Selbst gelagertes Material wurde plötzlich teurer - aus nicht nachvollziehbaren Gründen. Hier hätte der alte Preis gelten müssen, die Sachen sind ja schon produziert", sagt Axel Pieper. Das mache eine Preiskalkulation für sein Unternehmen schwer, das sich vor allem auf Rohbauten spezialisiert hat.

Nur noch 14 Tage Preisbindung

Inzwischen gebe man deshalb bei Angeboten nur noch 14 Tage Preisbindung, früher waren es sechs Wochen. Bauunternehmen versuchen sich inzwischen über so genannte Preisgleitklauseln abzusichern, mit denen nachträgliche Verteuerungen an die Bauherren weitergereicht werden können.

Klaus Bergmanns Gebiet ist das schlüsselfertige Bauen. Er nennt Zahlen: Vor zehn Jahren habe ein Haus ohne Keller rund 320.000 Euro gekostet, jetzt seien es schon 400.000 Euro - wenn nicht noch mehr.

Als wäre das alles nicht genug, machen zudem "windige Angebote aus dem Internet" zu schaffen, wie Bergmann weiter erklärt. Die Leute würden auf Verträge reinfallen, die nur auf den ersten Blick günstig seien. Hier empfiehlt er, genau auf das Kleingedruckte zu achten.