Auf dem Boden des großen Käfigs liegt ein Stoffsack zwischen verstreuten Nüssen. Er bewegt sich. "Da sind die Eichhörnchen drin", erklärt Sabine Witt von der Wildtier-Auffangstation Stadtsteinach. "In der Natur würden sie sich in ihrem Kobel verstecken - so nennt man ihr Nest. Hier haben sie als Ersatz diesen Beutel." Mit einem gezielten Griff holt sie eines ihrer Pflege-Eichhörnchen heraus. "Essenzeit, mein Milchbäuchlein", sagt sie und hält dem Tier eine gefüllte Milchpipette hin. Mit beiden Vorderpfoten greift es nach der Pipette und nuckelt gierig. "Eichhörnchen, die ihre Mutter verloren haben, sind absolut in Not. Sie laufen Menschen nach und krabbeln manchmal sogar an den Beinen hoch", erklärt Witt. Viele Menschen wüssten in solchen Fällen nicht, wie sie reagieren sollen und befürchteten, das Tier sei krank. "Das ist aber nicht der Fall. Jungtiere, die sich so aufführen, bitten um Hilfe." Eines der Eichhörnchen, die derzeit in der Wildtierauffangstation beherbergt werden, wurde von Passanten aufgegriffen, ein anderes hat ein Jäger zur Station gebracht.

"Auf keinen Fall dürfen Eichhörnchen mit Babymilch gefüttert werden", erklärt Witt. "Leider hat man das bei einem der Eichhörnchen gemacht. Der Kleine hatte einen ganz harten Bauch und ich habe richtig um ihn kämpften müssen." Zur Erstversorgung genüge Fencheltee. "Mehr brauchen sie nicht", sagt Witt. Sie selbst päppelt die Eichhörnchen mit Kätzchenaufzuchtsmilch und füttert sie alle paar Stunden. "Eichhörnchen brauchen auch eine Bauchmassage, damit die Verdauung funktioniert. Die Mutter macht das, indem sie über den Bauch leckt. Deswegen darf man nicht drücken, sondern nur ganz leicht streicheln", erklärt die Expertin.

Vorbereiten auf die Auswilderung

Die kleinen Eichhörnchen, die Sabine Witt derzeit in Pflege hat, haben die kritischste Zeit bereits überstanden. Mit einem Alter von fünf und sechs Wochen sind sie bereits stark und selbstbewusst und fressen auch schon Nüsse. "Wir bauen jetzt einen Auswilderungskäfig, in dem sie sich auf die Freiheit vorbereiten können", sagt Witt. Im Auswilderungskäfig werden die Eichhörnchen dann mit Haselnussblättern, Erdbeeren, Löwenzahn und Nüssen auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. Mit etwa zwölf Wochen können sie in die freie Wildbahn entlassen werden. "Für das Gehege brauchen wir aber noch Spendengelder. Ich wäre auch froh, wenn wir noch freiwillige Helfer finden würden, die beim Käfigbau mitanpacken."

Außer den Eichhörnchen beherbergt die Wildtierauffangstation auch viele Jungvögel. Sogar wenige Tage alte Vögelchen nimmt Sabine Witt auf. Sie zeigt ein noch nacktes Vogeljunges. "Es muss alle zwanzig Minuten gefüttert werden, auch nachts." Keine einfache Aufgabe. Doch Witt möchte zumindest versuchen, den Vogel durchzubringen. Es ist nicht unmöglich, sagt sie. Denn auch der freche Spatz, der im Nachbarkäfig um Futter bettelt, kam im Alter von wenigen Tagen in die Wildvogelauffangstation. "Jetzt ist er schon fast stark genug, um ein Leben in Freiheit zu führen." Sabine Witt freut sich jedenfalls schon darauf, ihre Pfleglinge in die Natur zu entlassen - denn immer wieder kommen neue Findlinge aus Kulmbach, Kronach, Bayreuth und der ganzen Region zu ihr in die Auffangstation.

Spenden:

Konto: Kto-Nr. bzw. IBAN: DE64771500000000011387 (alt: 11387), BLZ bzw BIC: BYLADEM1KUB (alt: 771 500 00), Bank: Sparkasse Kulmbach-Kronach, Verwendungszweck: Wildtierstation SAN

Für Spenden ab 50 Euro kann die Stadt Stadtsteinach eine Spendenbescheinigung ausstelleln. Dazu muss neben dem Verwendungszweck zusätzlich die Adresse des Spenders angegeben werden.