Die modernste Schule Bayerns nennt man sie September 1953. Und das mit Recht. Die heutige Max-Hundt-Schule ist ein Quantensprung in Architektur, Ausstattung und Pädagogik.
Der großzügige, lichtdurchflutete Bau im Grünen folgt den Ideen Heinrich Tessenows. Der Kultarchitekt der Moderne hat 1909 die erste deutsche Gartenstadt geplant - Hellerau vor den Toren Dresdens. Der Kulmbacher Baurat Fritz Kerling ist ein Schüler von ihm, ebenso Hans Lewerenz.
Natur-Nähe ist bei dem Schulneubau Programm: die Schüler, die im einstöckigen Flügel untergebracht sind, können von ihren Klassenzimmern aus direkt nach draußen strömen. Statt einem zubetonierten Pausenhof umgibt sie ein Park mit botanischem Garten, Musterobstgarten und Bienenhäuschen.


Paradies für Schulkinder

Für Jüngere ist es heutzutage unter dem Eindruck der Trumpschen Politik und zunehmender deutsch-amerikanischen Entfremdung kaum mehr vorstellbar, mit welchem Enthusiasmus die "Muster- und Reformschule Mangersreuth" als ein deutsch-amerikanisches Gemeinschaftsprojekt aus dem Boden gestampft worden ist.
Wie Stadtschulrat Max Hundt mit Feuerzungen auf den Resident Officer Adolph Dubs eingeredet hat, bis der satte 402 000 Mark aus dem McCloy-Fonds herausschlägt. Damit lässt sich eine hypermoderne Ausstattung finanzieren, die dem üblichen Schulbetrieb um Jahrzehnte voraus ist: geräumige Klassenzimmer mit Kippfenstern, Vier-Mann-Tische mit Drehstühlen, Trennwände für Gruppenunterricht, Werk- und Handarbeitsräume, Schulküche, Musikzimmer, Fotolabor, Kopierer, Rundsprechanlage. Den 350 Schulkindern, die bisher in nur vier Räumen der alten Mangersreuther Schule zusammengepfercht waren, öffnet sich ein Paradies.
Doch: Welche "Kunst am Bau" soll es sein, acht Jahre nach dem Ende der Hitler-Diktatur? In einer "Schule in neuem Geiste" (Max Hundt), die mit autoritärem Drill und Rohrstock-Pädagogik radikal bricht und unter den Vorstellungen Georg Kerschensteiners ("Anleitung zum selbständiges Arbeiten") und John Deweys ("Lernen am praktische Gegenstand") zu neuen Ufern aufbricht?


Geruhsame Szenerie

Die Ausschreibung für die Ausgestaltung der Treppenhalle gewinnt Georg Schmidt. Er ist ein gelernter Kaufmann aus Herne (Westfalen), der nach Kulmbach geheiratet hat. Obwohl er nach dem Krieg drei Semester an der Kunstakademie in Nürnberg bei Professor Hermann Wilhelm studiert, bleibt er lebenslang ein experimentierfreudiger Autodidakt.
Für den Treppenaufgang wählt er eine figürliche, doch typisierende Darstellungsweise. Er zeigt zwei der ältesten Kulmbacher Zünfte: eine Büttnersfamilie beim Beschlagen eines Fasses, daneben rechts eine Frau am Spinnrocken mit zwei Helferinnen. Die Szenerie wirkt geruhsam, gänzlich unhektisch. Der Künstler verwendet erdiges Grünbraun, das durch das zarte Ocker der Wand abgetönt wird. Die Gestalten sind schlicht frontal und im Halbprofil gemalt. Gezeigt werden also gewöhnliche Menschen mit einfachen Grundgesten des bürgerlichen Fleißes und der gemeinsamen Anstrengung.
Der allegorische Grundzug des Gemäldes erlaubt den Blick auf jede Zeit, die vor großen Herausforderungen steht - ob die Wiederaufbaujahre nach 1945 oder der heutigen Zeit, die vor anderen Problemen steht. Schmidt selbst hat das harte Arbeitsleben der Nachkriegszeit kennengelernt. Nach dem Krieg ist er als Lagerist in der Firma Ganzleben beschäftigt, danach bis 1957 in der Kulmbacher Spinnerei. Den tüchtigen Menschen hier wie andernorts hat er eine Liebeserklärung an die Wand gepinselt, gewiss auch zum Ansporn der Heranwachsenden.