Ein roter Campingwagen mit einem Vorzelt - da werden bei vielen unter normalen Umständen Urlaubsträume wach. Doch in diesem Fall wird das Wohnmobil, das vom Landratsamt Kulmbach organisiert wurde, einem ganz anderen Zweck zugeführt. "Mit unserer sogenannten Mobilen Abstrichstelle wollen wir prophylaktisch die Bewohner von Pflege- und Behinderteneinrichtungen auf Corona testen", erklärte Landrat Klaus Peter Söllner bei einem Pressegespräch am Dienstagvormittag.

Die Abstrichstelle stand für diesen Termin beim Adalbert-Raps-Haus für seelische Gesundheit in Kulmbach, um anschließend bei den Bewohnern auf freiwilliger Basis Abstriche vorzunehmen.

"Ziel ist es, den Heimen Sicherheit über den Ist-Stand zu geben", sagte Yves Wächter, Mitglied der Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt. Hotspots und in der Folge Räumungen von Heimen, wie sie bereits in mehreren Landkreisen im Bundesgebiet vorgenommen werden mussten, sollen so vermieden werden. "Mit dem Camper sind wir autark und können die Abstriche machen, ohne die Einrichtungen betreten zu müssen." Schließlich sei der Wagen mit Waschbecken und einer Toilette ausgestattet. Weiterhin gebe es einen Kühlschrank für die Proben und zwei Computerarbeitsplätze.

"Die Daten übermitteln wir sicher und direkt an das Landratsamt und an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Wir erhalten innerhalb von einem, maximal zwei Tagen die Laborergebnisse", sagte Wächter. Gehfähige und Rollstuhlfahrer sollen aus den Einrichtungen hinaus einzeln zur mobilen Abstrichstelle kommen. "Im Durchschnitt rechnen wir mit acht Minuten pro Person und Abstrich, aber wir waren auch schon viel schneller." Zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes machen die Abstriche, bis zu drei Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) stehen unterstützend zur Seite. "Weitere zwei Mitarbeiter des Landratsamtes stellen die Datenpflege und Datenübertragung sicher", erklärte Wächter.

1550 Test geplant

Die Heime bekämen vier Tage im Voraus entsprechende Listen und Bögen von Uwe Oetter von der Betreuungsstelle und Heimaufsicht am Landratsamt zugeschickt, um die Abläufe zu beschleunigen. "Wir werden in den nächsten Wochen etwa 1550 Personen testen", sagte Oetter und verwies auf zwölf Pflegeheime, fünf Behinderteneinrichtungen und drei Wohngemeinschaften mit Pflegeangebot im Landkreis. In etwa drei Wochen wolle man mit den Tests durch sein. Danach werde überlegt, erneut von vorn zu beginnen.

"Bislang gab es nur freiwillige Prophylaxeabstriche beim Pflegepersonal, und da hatten wir zum Glück unter 500 Getesteten nur zwei positive Fälle", sagte Oetter. Jetzt wolle man auch die Bewohner testen, die man aber nicht so einfach quer durch den Landkreis fahren könne. "Daher die mobile Einheit."

Dass Seniorenheime potenzielle Gefahrenpunkte darstellten, läge auf der Hand, verdeutlicht Landrat Söllner, "und wir werden alles tun, um gerade die ältere Bevölkerung zu schützen." Die Testmöglichkeiten würden sehr wohlwollend aufgenommen. Die prophylaktischen Tests sieht er als essenziellen Teil des Infektionsschutzes. "Bisher haben wir keinen nennenswerten Corona-Ausbruch in den Heimen verzeichnen müssen", sagte der Landrat. Das sei aber ein Stück weit reines Glück gewesen, letzte Sicherheit habe man nie. Deshalb freut sich Söllner über die neue mobile Testmöglichkeit: "Vor vier Wochen hätten wir das noch gar nicht machen können, weil wir gar nicht mit den Tests nachgekommen sind." Jetzt habe man aber das entsprechende Equipment.