Viel sieht man hier nicht. Blanker Lehm, so weit das Auge reicht. Wie eine Mondlandschaft, nachdem der Oberboden weggeschoben wurde.

Aber das ein paar tausend Quadratmeter große Areal ist ein spannendes Betätigungsfeld für Archäologen. Denn hier lebte der Ötzi von Rugendorf. Wie die Zeitgenossen des berühmten Gletschermannes, der 1991 in den Südtiroler Bergen entdeckt worden ist.

Untergrund betonhart

Eine Gruppe von Archäologen bearbeitet den betonharten Untergrund. Zunächst mit Spaten, Schaufel und Hammer, dann kommen Kelle, Spatel und Pinsel zum Einsatz. Mit den feineren Werkzeugen werden die Funde freigelegt.

Im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege erforscht das Team der Bamberger Grabungsfirma ReVe bei Rugendorf einen Siedlungsplatz der Jungsteinzeit. Die Funde sind also mindestens 5500 Jahre alt.

Obwohl die Grabung gerade erst begonnen hat, geht man beim Landesamt für Denkmalpflege von einem bedeutenden Fund aus. "Erste Einblicke in die vorgeschichtliche Besiedlung dieser Region" erwartet sich die zuständige Gebietsreferentin für Bodendenkmalpflege, Ivonne Weiler-Rahnfeld.

Dass sich bei Rugendorf Siedlungsplätze der Jungsteinzeit befinden, hatten die Denkmalexperten von Schloss Seehof bei Bamberg vermutet. Einen archäologischen Nachweis gab es bisher nicht. Ein Zufall, der gar nichts mit Archäologie zu tun hat, leitete nun die Ausgrabungen in die Wege: Zwischen Rugendorf und Wötzelsdorf, Landkreis Kronach, wurde mit dem Bau des umstrittenen Windparks (dazu: "Bürger getäuscht") begonnen.

Bedeutende Funde?

Auf Anfrage bestätigte Nicolas Weisensel, dass die Windstrom Rugendorf GmbH & Co. KG, eine Tochtergesellschaft der Naturstrom AG, heuer vier Windräder baut. Im März hätten die Arbeiten für die Wege begonnen, die zur Anlieferung der Anlagen nötig sind. Aufgrund der Nähe zu den Bodendenkmalen sei der Oberboden vorsichtig abgetragen worden. Die vermuteten Fundstellen hätten sich teilweise bestätigt, so der Sprecher von Naturstrom aus Forchheim. Daher seien qualifizierte Ausgrabungen erforderlich.

Bei den bisherigen Funden handelt es sich laut Landesamt für Denkmalpflege um: Siedlungsgruben, die bei der Materialentnahme für den Siedlungsbau entstanden und danach mit Müll aufgefüllt wurden; Pfostengruben, also Reste ehemaliger Holzgebäude; Keramikscherben sowie einen Feuerstein, der bearbeitet sein könnte und eventuell als Steingerät gedient hat.

Wie bedeutend sind die Funde? "Noch ist es für eine Einordnung zu früh", meint Ivonne Weiler-Rahnfeld. "Erst nach Abschluss der Ausgrabung sind weitere spannende Erkenntnisse zu diesem Siedlungsplatz zu erwarten." Die Hinweise müssten erst noch genauer untersucht und wissenschaftlich ausgewertet werden. Die Grabungsdauer könne sie nicht abschätzen.

Die archäologischen Befunde werden nach ihren Worten vollständig ausgegraben und fachgerecht dokumentiert. An den Ausgrabungsstellen seien dann keine Bodendenkmäler mehr erhalten. Durch das geborgene Fundmaterial und die Dokumentation mit Befundbeschreibungen, Zeichnungen und Fotos bekomme man auch wesentliche Informationen über Ausdehnung und Erhaltung dieser Bodendenkmäler, um die noch erhaltene Denkmalsubstanz in den umliegenden Flächen schützen zu können.

Inbetriebnahme im Herbst

Durch die Ausgrabungen wird der Bau des Windparks offenbar nicht verzögert. Laut Nicolas Weisensel müssten geplante Wegearbeiten und Vorbereitungen der Standorte verschoben oder getauscht werden. Dennoch könne im Mai oder Juni mit dem Aufbau der Windräder begonnen werden. "Planmäßig sollten die vier Anlagen dann im Herbst in Betrieb genommen werden und grünen Strom ins öffentliche Netz einspeisen."

Die aktuellen Bauarbeiten im Bereich Rugendorf-Wötzelsdorf sieht man bei Naturstrom losgelöst von den drei geplanten Anlagen bei Grafendobrach. Wie berichtet, läuft deswegen ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth. Dort wird geprüft, ob bei der Genehmigung der drei Windräder alles rechtmäßig gelaufen ist. Geklagt hat der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern. Das Verfahren konzentriert sich auf die Frage, ob der Bauantrag zum Stichtag am 4. Februar 2014 vollständig gewesen ist. Nach Ansicht des Naturschutzverbands fehlte das erforderliche Brandschutzkonzept. Ein Urteil steht noch aus.

Wurden die Bürger getäuscht

Dass mit dem Bau des Windparks begonnen wurde, wundert Jürgen Weiske. Der Landwirt aus Eisenwind hatte vor den Verwaltungsgerichten in Bayreuth und München erfolglos gegen das Projekt geklagt. Weiske wollte einen Baustopp erreichen. Deshalb, so sein Rechtsanwalt Stefan Kollerer, sei vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig noch eine Revisionsnichtzulassungsbeschwerde anhängig, über die bisher nicht entschieden wurde.

Kritik am früheren Gemeinderat übt Hermann Dippold, der für die ÜWG (Überparteiliche Wählergemeinschaft) in den neuen Rugendorfer Gemeinderat gewählt wurde.

"Man hat damals, als die Windräder genehmigt wurden, mit verdeckten Karten gespielt und die Bürger getäuscht", so Dippold. Denn nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid sei Rugendorf als Vorrangfläche für Windkraft im Regionalplan zunächst heraus- und später unbemerkt wieder hineingenommen worden.