Emma Erhardt aus Motschenbach ist erst zehn Monate alt, doch das Leben auf dem Bauernhof ist ihr bereits vertraut. Sie spielt gern mit Stroh, weil es so schön raschelt. Die Kälbchen, die zwar nicht älter, aber viel größer sind als sie, streichelt Emma fröhlich, von Angst keine Spur.

Doch am meisten freut sich die Kleine über das Motorengeräusch von Traktoren. Wenn sie es schon von Weitem hört, dreht sie den Kopf und strahlt über das ganze Gesicht. "Wahrscheinlich kennt sie das Geräusch schon aus dem Mutterleib", vermutet ihre Mama, die Landwirtin Kathrin Erhardt (27). Bis kurz vor der Geburt sei sie noch Schlepper gefahren, habe sich um die Ernte gekümmert sowie um die Versorgung der rund 120 Milchkühe und des Jungviehs.

Aufgewachsen im Familienbetrieb

Die Landwirtin ist alleinerziehende Mutter. Gemeinsam mit ihren Eltern, ihrer Großmutter und zwei Schwestern lebt sie auf dem idyllischen Bauernhof in Motschenbach. Daran, dass sie nach der Elternzeit wieder regulär ihrer Arbeit nachgehen kann, zweifelt sie nicht, denn potenzielle Babysitter gebe es ja genug. Vor allem ihre Großmutter passe gerne auf Emma auf.

"Die Landwirtschaft hat mir schon immer gefallen", erklärt sie. Weder sie noch ihre Schwestern hätten als Kinder gerne mit Puppen gespielt, lieber mit Spielzeugtraktoren. Alle drei sind in die Landwirtschaft hineingewachsen, alle haben sie den Schlepper-Führerschein gemacht. Die beiden Schwestern helfen zwar ab und zu noch auf dem Hof mit, doch haben sie sich für andere Berufe entschieden, Großhandelskauffrau und Buchhalterin.

Kathrin Erhardt ist diejenige, die den Familienbetrieb weiterführen wird. Sie hat in Bayreuth drei Jahre lang eine Ausbildung zur Landwirtin gemacht und ist in Vollzeit auf dem elterlichen Hof angestellt.

Bildungsarbeit auf dem Bauernhof

Dass Landwirtschaft Männerarbeit ist, scheint mittlerweile Schnee von gestern. "Kathrin hat das nötige Feingefühl für die Maschinen und lernt sehr schnell", erklärt Vater Norbert Erhardt. Schon eine Viertelstunde Einweisung am Maishäcksler hätten genügt, um die Tochter allein damit auf das Feld zu lassen. Das Wichtigste sei, dass das Interesse da ist, so der Landwirt. "Wir zwingen niemanden, aber wir fördern", sagt er.

Wenn die Eltern begeistert sind, sind es die Kinder auch. Und Kinder für die Landwirtschaft zu begeistern, sei heute wichtiger denn je. Deshalb lädt die Familie Erhardt immer wieder Kindergärten zu sich auf den Hof ein. "Die Kinder dürfen Mais, Heu oder Stroh riechen oder fühlen", erklärt Norbert Erhardt. Sie dürfen auf dem Schlepper sitzen oder Kühe füttern. Diejenigen, die die Tiere nicht kennen, seien dabei oft verhalten, so der Landwirt, "aber wenn man es vormacht, ist ruck zuck ein ganzer Heuballen weg".

Die Arbeit mit den Kindern macht die Familie nicht nur deshalb, weil es Spaß macht, sondern auch, um die Wertschätzung der Landwirtschaft zu fördern. "Die Menschheit kann man nur erziehen, wenn sie klein ist", betont Norbert Erhardt.

Der Landwirt möchte, dass das Wissen um die Lebensmittelerzeugung in der Gesellschaft nicht verloren geht. "Die Leute müssen verstehen, was sie essen, wie man mit Lebensmitteln umgeht und dass wir hier im Überfluss leben", erklärt er. Nur dann sei es möglich, etwas zu verändern.

Fairer Wettbewerb

Ihm zufolge liegt ein großer Missstand darin, dass die Händler an landwirtschaftlichen Produkten mehr verdienen als die Erzeuger. "Die Preise werden an der Börse gemacht", sagt er. Bei diesen globalen Spekulationsgeschäften komme es durchaus vor, dass die Landwirtschaft in manchen Jahren zum Draufzahlgeschäft wird, bei gleichbleibendem Arbeitsaufwand. Ihm zufolge müsste sich die Wettbewerbssituation in Deutschland verändern, denn mit den kostengünstiger produzierten Produkten aus dem Ausland könnten die hiesigen Landwirte nicht Schritt halten.

"Entweder müsste man die Vorgaben länderübergreifend anpassen oder eine Steuer auf importierte Produkte einführen", so Erhardt, denn mit ihrem aktuellen Kurs fördere die Politik die Massentierhaltung. Nur große Betriebe könnten investieren und hätten immer noch ausreichend Gewinn.

Kathrin Erhardt zufolge ist es auch notwendig, andere Zuchtentscheidungen zu treffen. Beispielsweise seien schwarzbunte Kühe zwar hervorragende Milchgeber, doch seien ihre Kälber nicht für die Mast geeignet und hätten daher oft nur ein sehr kurzes Leben.

Problem Kindersitz

Wie es mit dem Familienbetrieb langfristig weitergehen wird, steht in den Sternen. Falls die kleine Emma einmal Landwirtin werden möchte, wird die Familie sie unterstützen. Bis dahin wird sie noch viele Tage im Melkstand, im Hühnerstall und auf dem Schlepper verbringen. Eine wichtige Anregung für die Maschineningenieure hat Mutter Kathrin: "Es müsste mehr Schlepper geben, auf denen man einen Kindersitz unterbringen kann."