Der Zeitplan war denkbar knapp, der Stressfaktor hoch. Doch nun ist es geschafft: Nach nur 16 Monaten Bauzeit öffnet am Freitag das Deutsche Gewürzmuseum im Mönchshof seine Türen. Es ist ein Erlebnismuseum geworden, das alle Sinne anspricht und in dem es für jeden etwas Neues zu entdecken gibt. Und es ist die perfekte Ergänzung zu den bereits vorhandenen Einrichtungen: dem Bayerischen Brauereimuseum mit gläserner Brauerei, dem Bayerischen Bäckereimuseum und dem Museumspädagogischen Zentrum (Mupäz).


Alles wie aus einem Guss


Dass im Mönchshof alles wie aus einem Guss wirkt, ist der Tatsache zu verdanken, dass die Verantwortlichen frühzeitig ein Gesamtkonzept für das Areal entwickelt haben. Der 1990 gegründete Trägerverein des Museums, der ursprünglich nur den Aufbau eines Bayerischen Brauereimuseums im Sinn hatte, erkannte nach dem Zusammenschluss der Kulmbacher Brauereien und der Einstellung des Braubetriebs im Mönchshof 1997 die Notwendigkeit, die Weichen neu zu stellen. Es stellte sich die Frage, was aus dem weitläufigen Gelände und den Gebäuden werden sollte. "Wir wollten keine Bauruine, die Kosten verursacht, sondern die Chance nutzen, den Mönchshof zu einem Schaufenster unserer Nahrungsmittelkultur umzubauen", erinnert sich Geschäftsführerin Sigrid Daum.

Durch das große Platzangebot ergab sich die Möglichkeit, das damals noch kleine Brauereimuseum großzügig auf 3000 Quadratmeter zu erweitern. Aber auch das Bäckereimuseum und das neue Gewürzmuseum waren von Anfang an Teil der Planung. "Wir haben damals schon Firmen wie Ireks und Raps angefragt, ob wir bei der Umsetzung der Pläne auf ihre Unterstützung zählen könnten - und Zusagen erhalten."

Trotz eines durchdachten Konzepts und vieler Unterstützer wäre das Projekt Gewürzmuseum allerdings beinahe gescheitert - am Geld. Vier Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt. "Die letzten 100 000 Euro waren die schwierigsten", sagt Sigrid Daum. Als sie die Pläne schon begraben wollte, weil sich kein weiterrer Geldgeber finden ließ, kam die Rettung von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, die bereit war, die Lücke zu schließen.

Mit dieser Zusage musste es dann ganz schnell gehen, damit die Mittel aus anderen Förderprogrammen nicht verfallen: Vom Feinkonzept über Gestaltungsentwürfe, Ausschreibung und Ausführung aller Arbeiten bis zur Eröffnung und Abrechnung standen nur 16 Monate Zeit zur Verfügung. "Vieles, was man normalerweise nacheinander macht, musste gleichzeitig passieren. Dass uns das gelungen ist, verdanken wir einer großartigen Teamleistung. Alle sind mit Herz und Begeisterung dabei."

Vier Millionen Euro sind viel Geld. Zehn Prozent der Kosten hat der Trägerverein als Eigenmittel eingebracht, 90 Prozent wurden durch öffentliche Mittel und Sponsoren finanziert - der Löwenanteil mit 1,6 Millionen durch das Bayerische Ministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten über das Programm "Leader in Eler", bei dem das Land Bayern und die Europäische Union jeweils die Hälfte bezahlen. Die Oberfrankenstiftung beteiligt sich mit einer Million Euro, die Bayerische Landesstiftung mit 400 000 Euro, der Bayerische Kulturfonds mit 225 000 Euro und die Landesstelle für nichtstaatliche Museen mit 200 000 Euro.


Dickes Dankeschön an die Partner


"So ein großes Projekt kann man niemals im Alleingang stemmen", sagt Sigrid Daum. Sie ist dankbar für die vielen Unterstützer, die dazu beigetragen haben, dass aus der Idee ein Juwel wurde: die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Kulmbacher Land mit Landrat Klaus Peter Söllner und Klemens Angermann gehört dazu, ebenso die Sponsoren im laufenden Geschäft (Landkreis, Adalbert-Raps-Stiftung, Kulmbacher Brauerei und Ireks) und viele Partner, mit denen die Museen touristische Pakete anbieten.

Jetzt hofft die Geschäftsführerin auf viele Besucher. Sie rechnet für das erste Jahr mit rund 30 000 Gästen. "Wenn es ihnen gefällt, dann hat sich die ganze Mühe gelohnt."



Zeitleiste : Von der Idee zur Umsetzung


1990
Idee für ein Bayerisches Brauereimuseum im Mönchshof, Gründung eines gemeinnützigen Vereins als Träger des Projekts

1994 Eröffnung des ersten Abschnitts "Die Kunst des Bierbrauens um 1900"

1996 Eröffnung des zweiten Abschnitts "Bierbrauen heute mit Multivision"

1997 Stilllegung der Produktion im Mönchshof. Neues Konzept für die Gesamtanlage: Umstrukturierung zu einem "Schaufenster des Lebensmittelstandorts Kulmbach"

2001 Erweiterung der Ausstellungsfläche des Brauereimuseums auf rund 3000 m 2 ; Eröffnung des dritten Abschnitts "Bierbrauen im Wandelt der Zeit" inklusive gläserner Brauerei, Historie, Bier in der Werbung und Brauereiarchitektur

2008 Eröffnung des Bäckereimuseums

2012 Eröffnung des Museumspädagogischen Zentrums (Mupäz)

2013 Vorbereitungen für das Gewürzmuseum: Genehmigungsplanung, Konzepterstellung

2014 Baugenehmigung, Baubeginn, Rückbau, Ausschreibungen, Feinkonzept und Layout

2015 Baufertigstellung, Verwendungsnachweise, Projektschluss

16. Oktober 2015 Offizielle Eröffnungsfeier, 16 Monate nach Erteilung der Baugenehmigung



Die Entscheider


Anfänge
Die Museumsidee war ursprünglich eine Idee von Marketingleiter Andreas Eßer von der Kulmbacher Brauerei. Sigrid Daum sollte das Projekt umsetzen. Sie erarbeitete ein didaktisches Konzept und stellte dies dem damaligen Geschäftsführer der Mönchshof-Brauerei, Hans Christof Ihring, dem Leiter der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern, Johannes Greipl, Bezirksheimatpfleger Graf von Egglofstein, OB Erich Stammberger und Landrat Herbert Hofmann vor. Das Gremium ließ sich begeistern und beschloss, ein Bayerisches Brauereimuseum in Kulmbach aufzubauen.

Weichensteller 1997 entwickelten die Vorstandsmitglieder Jürgen Brinkmann und Herbert Hofmann gemeinsam mit Geschäftsführerin Sigrid Daum und Museumsleiter Bernd Sauermann das Gesamtkonzept für den neuen Mönchshof.

Vorstand Vorsitzender des gemeinnützigen Trägervereins Bayerisches Bäckerei- und Brauereimuseum heute ist Stefan Soiné, seine Stellvertreter sind Jörg Lehmann und Landrat Klaus Peter Söllner.