Aber bei all dem Frust über nicht funktionierende Lernplattformen und der nervenaufreibenden Doppelbelastung vor allem für Eltern jüngerer Schüler habe ich festgestellt, dass das Homeschooling auch gute Seiten hat. Und nein, damit meine ich nicht die Stunde, die ein Buskind jetzt morgens länger liegen bleiben kann.

Ein Riesenvorteil ist, dass die Schüler ihre Lehrer noch mal von einer ganz neuen, privateren Seite kennenlernen. Der Erkenntnisgewinn, dass ein Pädagoge letzten Endes auch nur ein Mensch ist wie Du und ich, ist nicht zu unterschätzen. In meiner Schulzeit hatten wir daran nämlich bisweilen so unsere Zweifel.

Die kann es in Zeiten von Video-Unterricht nicht mehr geben. Da erfährt der Schüler vielmehr - ob er will oder nicht, und vorausgesetzt es ist kein Standard-Hintergrundbild eingestellt - , wie es beim Mathelehrer zu Hause aussieht. Und er lernt auch gleich die süßen Kinder der Französisch-Lehrerin kennen, die ihr entweder brav auf dem Schoß sitzen oder streiten oder lautstark nach Süßigkeiten verlangen.

Beim Biologielehrer schreit stundenfüllend das Baby im Hintergrund, die Chemielehrerin muss plötzlich zum Feuerwehr-Einsatz ausrücken, und die Sportlehrerin spannt kurzerhand den eigenen Nachwuchs zum Vorturnen ein.

Auch so sieht Schule in Corona-Zeiten aus. Sehr menschlich und einfach nur sympathisch. Und noch dazu lehrreich: Denn dabei lernen unsere Kinder sehr viel über und für das Leben, was nicht in einem Schulbuch steht.