Die neuen Arbeitsmarktzahlen zeigen empfindliche Folgen der aktuellen Einschränkungen in Folge der Corona-Krise. Nie zuvor gab es so viel Kurzarbeit in der Arbeitsmarktgeschichte der Bundesrepublik. Der Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Mathias Eckardt, ist über die hohe Zahl der Kurzarbeit schockiert, weiß aber auch, dass diese verhindert, dass "Arbeitslosenzahlen durch die Decke schießen". Doch schon jetzt bereitet die steigende Arbeitslosigkeit Sorgen.

"Überall da, wo Kurzarbeit angemeldet wird, soll Beschäftigung gehalten werden", wird Eckardt in einer DGB-Mitteilung zitiert. " Der Damm Kurzarbeit hält, wir müssen alles dafür tun, dass er nicht bricht."

Schutz kein Selbstläufer

Weil der Schutz durch Kurzarbeiter-Regelungen kein Selbstläufer sei, habe sich der Gewerkschaftsbund bei der Bundesregierung massiv dafür eingesetzt, die sozialen Folgen der Corona-Krise besser abzusichern. "Dazu zählen zum Beispiel der grundsätzlich verbesserte Zugang zu Kurzarbeit, die neuen Hinzuverdienstmöglichkeiten, der jüngst erzielte Kompromiss zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes, ein verlängerter krisenbedingter Arbeitslosengeldanspruch, Verbesserungen beim Kinderzuschlag oder die fairere Behandlung in der Grundsicherung durch die Aussetzung der Vermögensanrechnung und Prüfung der Angemessenheit der Wohnung", sagt Eckardt. Es sei dringend nötig gewesen, dieses Netz der Sicherung zu spannen. Bei der Aufstockung des Kurzarbeitergeldes und der Absicherung von Eltern erhofft sich die Gewerkschaft sogar deutlich mehr Unterstützung.

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"Für diejenigen, die bereits seit Wochen Einkommensausfälle von bis zu 40 Prozent schultern, müssen die Hilfen schneller kommen. Gerade bei niedrigen Löhnen und dann, wenn eine tarifliche Aufstockung Fehlanzeige ist, reicht das Geld oft kaum", erklärt Eckardt.

Anstieg um 34,1 Prozent

Neben dem enormen Anstieg der Kurzarbeit ist die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Bayreuth-Hof um 34,1 Prozent im Vorjahresmonatsvergleich auf 11 714 Personen gestiegen. Zudem ist die Zahl der von Hartz IV betroffenen Menschen im Landkreis Kulmbach von 2248 im März auf 2257 Personen in Bedarfsgemeinschaften (einschließlich Kinder) im April angewachsen.

Gerade in den Branchen mit überdurchschnittlich vielen Minijobs, niedrigen Löhnen sowie fehlender Tarifbindung verdichten sich die Probleme, Arbeitslosigkeit und Hartz-IV-Bezug steigen.

"Jetzt muss alles dafür getan werden, um zu verhindern, dass sich die steigende Arbeitslosigkeit und Hilfebedürftigkeit verfestigt", sagt Eckardt. Er fordert die Vorbereitung einer Weiterbildungsoffensive und die Investition in neue Ausbildungsplätze.

"Jeder braucht eine Chance, um auch nach der Krise am Arbeitsmarkt in guter Arbeit wieder Fuß fassen zu können. Das in der vergangenen Woche vom Bundestag beschlossene Arbeit-von-morgen-Gesetz muss hierzu seinen Beitrag leisten", sagt Eckardt.